US-Präsident Trump spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung in Charlotte. | Bildquelle: AP

Trumps Rhetorik Freund-Feind-Bild fest verankert

Stand: 30.10.2018 05:33 Uhr

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh machen Kritiker US-Präsident Trump den Vorwurf, mit seiner Rhetorik ein Klima des Hasses zu schaffen. Der Ursprung dieser Rhetorik liegt jedoch schon in den 1990er-Jahren.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh hat US-Präsident Trump das Land zur Geschlossenheit aufgerufen. Elf Menschen waren am vergangenen Wochenende bei dem Attentat getötet worden. "Wir trauern um den unfassbaren Verlust von Menschenleben", sagte er auf einer Landwirtschaftsausstellung in Indianapolis. "Und wir versprechen in ihrem Namen zu kämpfen für eine Zukunft mit Gerechtigkeit, Sicherheit, Toleranz, Moral, Würde und Liebe." 

Kritiker des Präsidenten werfen Trump dagegen vor, er trage mit seiner sonstigen Rhetorik zu einem Klima des Hasses und der Gewalt bei. Der Präsident unterscheide stets zwischen Freunden und Feinden.

Schiff: "Ziel, die Gesellschaft zu spalten"

Trump polarisiere, sagt der Demokrat Adam Schiff, Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Das gesamte Vorgehen des Präsidenten habe das Ziel, die Gesellschaft zu spalten. "Er steht morgens mit neuen, innovativen Ideen auf, wie er uns weiter auseinander bringt" so Schiff über Trump. "Und es reicht nicht aus, dass er nach einer Tragödie die richtigen Worte findet, wenn er uns an allen anderen Tag des Jahres in Konflikte stößt."  

Was Schiff beklagt, ist aber nicht neu in der amerikanischen Politik. Das Freund-Feind-Schema bestimmt schon länger das politische Geschäft - nicht erst, seitdem Trump als Präsident die Basis der Republikaner anheizt.

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP
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US-Präsident Donald Trump. "Politik und die Vermarktung von Politik sind eine Inszenierung", sagt sein Wahlkampfmanager Parscale.

Trumps "Feinde der Bevölkerung"

"Am Ende wird Mexiko für die Mauer bezahlen", sagte Trump wiederholt. Die Grenzmauer, für die Mexiko zahlen soll, ist ein Dauerbrenner bei Trumps Wahlkampfveranstaltungen. Die Klage über illegale Einwanderer hat ihm die Nominierung gesichert. Er schürt deshalb weiter Angst. Gangmitglieder und Menschen aus dem Nahen Osten - soll heißen Terroristen - seien im Flüchtlingstreck, der durch Mexiko in Richtung US-Grenze zieht. Das sei ein Angriff auf die Vereinigten Staaten.

Die US-Demokraten seien zu extrem, um das Land zu regieren, sagt Trump. Die seien verrückt geworden, behauptet der US-Präsident. Jubel bringt auch seine Klage: Der wahre Feind der Bevölkerung sei die falsch berichtende Presse.

"Das sind Shows geworden", sagt Brad Parscale. Er ist Trumps Wahlkampfmanager und hat erkannt, dass der amtierende Präsident perfekt in diese Zeit passt. "Die Fans gehen raus und sagen, das war genial. Wir veranstalten eine Show", so Parscale. "Politik und die Vermarktung von Politik sind eine Inszenierung."

Die eigene Basis motivieren

Professor David Barker von der American University in Washington sagt, dass der moderne Wahlkampf den Wähler zwinge, sich für eine Seite zu entscheiden. "Das war eine bewusste Entscheidung von Wahlkampfstrategen der Republikaner in den 90ern, aber vor allem für die Wahlen von George W. Bush, nicht länger die Mitte anzusprechen."

Wahlkampf hat somit nicht die Aufgabe, unentschlossene Wähler zu überzeugen, sondern er muss die eigene Basis motivieren, zur Wahl zu gehen. Und das geht seit langem in den USA am besten über Ausgrenzung, Freund-Feind-Rhetorik, also Schwarz-Weiß-Mechanismen.

Trump-Kampagne nimmt den Vorwurf auf

Trumps Anhänger weisen den Vorwurf zurück, dass durch die permanente Konfrontation ein Klima entstehe, das Gewalt begünstigt. Wahlkampfmanager Parscale nennt den Anschlag von Pittsburgh, bedauerlich. "Man kann gegen diese Art von Menschen nicht viel unternehmen", sagt er. "Ich kann Ihnen als eine Art Kampagnen-Manager der Armee von Trump versichern, dass ich nicht möchte, dass irgendjemand Gewalt gegen jemand anderes einsetzt."

Mittlerweile greift die Trump-Kampagne den Vorwurf auf, der Präsident habe indirekt zur Gewalt beigetragen. Sie stützt die Sicht, wonach sich die Feinde gegen Trump und die Vereinigten Staaten verschworen haben.

Donald Trumps Rhetorik: tief verankertes Freund-Feind-Bild
Torsten Teichmann, ARD Washington
30.10.2018 00:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Oktober 2018 um 21:00 Uhr in den Nachrichten.

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