Ein über den Stuhl von Ruth Bader Ginsburg drapierter Trauerflor am Supreme Court. | Bildquelle: VIA REUTERS

Supreme-Court-Anwärterinnen Eine will bewahren, eine das Reich Gottes

Stand: 23.09.2020 04:35 Uhr

Zwei Richterinnen rechnen sich gute Chancen aus, in den kommenden Tagen von US-Präsident Trump für den Supreme Court nominiert zu werden. Wer sind sie?

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Amy Coney Barrett ist eine Investition in die Zukunft. In den Supreme Court berufen bliebe die 48-Jährige so lange im Amt wie Ruth Bader Ginsburg. Sie könnte fast vierzig Jahre lang mit langem Atem ihre Überzeugungen in Recht verwandeln. Barrett ist eine tiefreligiöse Aktivistin für den katholischen Glauben und, so klang es in einer Rede von ihr heraus, sie sieht ihre juristische Laufbahn als Mittel zum Zweck, das Reich Gottes zu errichten. Dass sie entschieden gegen Abtreibung ist, versteht sich von selbst.

Als Bundesrichterin in Chicago hat sie Trumps harten Kurs in der Einwanderungspolitik unterstützt und das Recht auf Waffenbesitz verteidigt. Die Mutter von sieben Kindern - zwei davon sind adoptiert - hat es schon vor zwei Jahren in die ganz enge Auswahl des Präsidenten geschafft. Damals entschied Trump sich für Brett Kavanaugh. Aber er behielt Barrett im Blick - sollte der Sitz von Ruth Bader Ginsburg frei werden. Amy Coney Barretts Profil - Frau, sehr religiös - könnte zum einen die konservativen Christen in Trumps Wählerschaft, zum anderen die Republikanerinnen überzeugen.

Amy Coney Barrett, eine der möglichen Nachfolgerinnen von Supreme Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg. | Bildquelle: via REUTERS
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Amy Coney Barrett steht im Ruf, das Reich Gottes errichten zu wollen.

Auch Richterin kubanischer Abstimmung hat gute Chancen

Barbara Lagoa - 52, katholisch, drei Kinder - ist nicht annähernd so bekannt. Dass sie dennoch gute Chancen hat, Nachfolgerin von Ruth Bader Ginsburg zu werden, hat mit ihrer Herkunft zu tun. Ihre Eltern flohen in den 60er-Jahren vor Fidel Castro aus Kuba nach Florida. Lagoa kämpfte sich nach oben und wurde die erste Latina, die je an den Supreme Court von Florida berufen wurde.

Inzwischen Bundesrichterin hat sie kürzlich ein Urteil unterstützt, nach dem Straftäter in Florida nur dann wählen gehen dürfen, wenn sie nicht nur ihre Strafe abgesessen, sondern auch alle ausstehendem Gebühren und Strafen bezahlt haben. Bürgerrechtsorganisationen halten das für undemokratisch.

Lagoa gehört zu den Richtern, die behaupten, sich streng an die Buchstaben der Verfassung zu halten. Das ist wichtig für die Republikaner, die liberalen Richtern wie der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg vorwerfen, selber Gesetze machen und das Land verändern zu wollen.

Barbara Lagoa, eine der möglichen Nachfolgerinnen von Supreme Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg. | Bildquelle: AFP
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Barbara Lagoa legt die US-Verfassung buchstäblich aus.

Eine Entscheidung im Zeichen der Wahl

Trump kennt Amy Coney Barrett und schätzt sie auch. Andererseits braucht er die Wähler in Florida, um die Wahl gewinnen zu können. Der "Sunshine State" mit seiner großen lateinamerikanischen Bevölkerung ging vor vier Jahren nur knapp an die Republikaner. Eine Latina für den Supreme Court zu nominieren könnte seine Chancen verbessern.

Barbara Lagoa hat der Präsident bisher noch nicht getroffen, trotzdem hält er sie für "toll". Sie gilt als resolut und lebhaft. Ihre Unterstützer glauben, dass sie im direkten Gespräch Trump für sich gewinnen könnte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. September 2020 um 12:50 Uhr.

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