Roger Stone jubelt über seinen Hafterlass. | Bildquelle: REUTERS

Polit-Berater Stone Feierlaune von Trumps Gnaden

Stand: 11.07.2020 17:51 Uhr

US-Präsident Trumps einstiger Berater Stone belog den Kongress, behinderte die Justiz - und entgeht nun einer 40-monatigen Haftstrafe. Selbst aus den Reihen der Republikaner wird Empörung laut.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Es war nicht wirklich eine Überraschung: US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Tagen immer wieder angedeutet, dass er Roger Stone und seine Haftstrafe im Blick habe.

Er werde sich das ansehen, sagte er am Freitag, kurz vorm Abflug mit dem Hubschrauber, Stone sei wirklich sehr unfair behandelt worden - wie viele andere.

Und tatsächlich hatte der frühere Trump-Berater abends etwas zu feiern. "Vor ein paar Minuten hatte ich einen sehr liebenswürdigen Anruf des Präsidenten", verkündete er. "Er erzählte mir, dass er entschieden habe, sein außerordentliches Begnadigungsrecht zu nutzen, um meine Strafe umzuwandeln". Der 67-Jährige mit dem markanten schlohweißen Haar trug eine Maske mit dem Schriftzug "Befreit Roger Stone".

Stone entgeht damit 40 Monaten Gefängnis 

Der Trump-Vertraute ist nicht begnadigt worden, der Präsident hat ihn lediglich vor dem Gefängnis bewahrt. Stone war unter anderem für schuldig befunden worden, den Kongress belogen, dessen Arbeit behindert und Zeugen beeinflusst zu haben. Dabei ging es um die Untersuchung, ob Trumps Wahlkampfteam vor vier Jahren versucht haben könnte, mit russischer Hilfe den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Kommende Woche hätte er sich für 40 Monate ins Gefängnis begeben müssen.

In der sehr scharf formulierten Erklärung des Weißen Hauses hieß es gestern, Stone sei das Opfer eines Russland-Schwindels, der von der Linken, also den Demokraten, und ihren Verbündeten in den Medien seit Jahren verbreitet werde, um Trumps Präsidentschaft zu untergraben.

Tatsächlich hat Sonderermittler Robert Mueller in jahrelanger Arbeit keine Beweise für illegale Absprachen gefunden. In der Folge wurde allerdings gegen einige Berater und Mitarbeiter des Präsidenten ermittelt, unter anderem gegen Stone. US-Medien vermuten, er könnte mehr über die Enthüllungsplattform WikiLeaks und Tausende E-Mails von Trumps Gegnerin Hillary Clinton wissen.

Trump ergriff immer wieder für ihn Partei

Auch wenn die Beziehung zwischen Trump und Stone wechselhaft war, ergriff der Präsident in seinem Fall immer wieder Partei - unter anderem, als die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von bis zu neun Jahren forderte. Als auch das Justizministerium dies öffentlich kritisierte, legten mehrere Staatsanwälte die Arbeit nieder.

Gegen Trumps Entscheidung gab es heute scharfen Protest, auch von einem Republikaner: Ein Präsident wandle die Strafe einer Person um, die verurteilt worden sei, weil sie zu seinem Schutz gelogen habe, schrieb Mitt Romney, Senator aus Utah, auf Twitter. Das sei "nie dagewesene, historische Korruption".

Auch die Demokraten protestierten. Mit Trump gebe es zwei Justizsysteme in den USA: eins für Trumps kriminelle Freunde und eins für alle anderen, sagte Adam Schiff dem Fernsehsender CBS. Er ist der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Parlament.

Hafterlass für Trump-Vertrauten Roger Stone
Katrin Brand, ARD Washington
11.07.2020 17:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 11. Juli 2020 die tagesschau um 18:00 Uhr und Deutschlandfunk um 18:24 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend".

Korrespondentin

Darstellung: