Trump in Greenville | Bildquelle: AP

Republikaner diskutieren Trumps Attacken sorgen für neue Debatte

Stand: 19.07.2019 20:33 Uhr

Trumps rassistische Attacken auf vier demokratische Abgeordnete haben international für Entsetzen gesorgt. Der Schlachtruf kommt auch bei einigen Republikanern nicht gut an. Trump hat sich halbherzig distanziert.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Geraldo Rivera ist bekennender Trump-Fan. Der populäre Talkmaster verteidigt und lobt seinen Präsidenten stets und gern. Doch über Trumps Wahlkampfauftritt diese Woche in North Carolina ist der Konservative, dessen Eltern aus Puerto Rico stammen, auch Tage später noch empört.

"Alte rassistische Formel"

Auf Trumps Lieblingssender Fox News erklärte er dem Prime-Time-Publikum: "Geh doch zurück, woher Du gekommen bist. Das ist die alte rassistische Formel, mit der wir als Mitglieder von ethnischen Minderheiten schon von Kindesbeinen an immer wieder konfrontiert wurden." Heutzutage sei so etwas unverzeihlich. "Ich bin sehr traurig, dass es überhaupt hochkam", meint der Talkmaster. Umso mehr sei er froh, dass der Präsident sich inzwischen von dem Schlachtruf "Send her back" - "Schickt sie zurück" distanziert habe.

Von Trump attackierte US-Demokratinnen in Washington | Bildquelle: AP
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Die vier demokratischen Abgeordneten im Kapitol in Washington: Trump forderte die Frauen auf, "in ihre Länder" zurückzukehren.

Tochter soll auf Trump eingewirkt haben

Laut "New York Times" tat er das allerdings nicht ganz freiwillig: Seine Tochter Ivanka, deren Mutter gebürtige Tschechin ist, und weitere enge Berater sollen entsprechend auf ihn eingewirkt haben. Und so erklärte Trump: "Ich habe mich auch ein bisschen schlecht dabei gefühlt." Deshalb habe er auch so schnell weitergeredet. Und Trump weiter: "Aber ich habe es ja auch nicht gesagt, sondern die."

Tatsächlich hatte Trump in Greenville die vier demokratischen Abgeordneten mehrfach als unpatriotisch, unamerikanisch, antisemitisch und undankbar attackiert. Und er hatte sie aufgefordert, doch zu gehen, wenn sie es in den USA so schlimm fänden.

Vor allem die muslimische Abgeordnete Ilhan Omar, die aus Somalia stammt, stellte er in den Mittelpunkt seiner Angriffe. Er ließ das Publikum den Ruf "Schickt sie weg" über ein halbes Dutzend Mal wiederholen, bevor er seinen Angriff fortsetzte.

Schlachtruf geht auch einigen Republikanern zu weit

Der neue Schlachtruf der Basis geht auch einigen einflussreichen Republikanern deutlich zu weit. Sie fürchten, dass dadurch vor allem moderate Wähler, aber auch Minderheiten verschreckt werden könnten.

Laut Medienberichten intervenierten mehrere Abgeordnete direkt bei Vizepräsident Mike Pence. Der Minderheitenführer im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, erklärte der "New York Times", für solche Rufe sei in den USA kein Platz. Der Präsident habe klargestellt, wenn man dieses Land nicht liebe, dann könne man ja gehen, sagte McCarthy. Und das sei ein deutlicher Unterschied.

Auch der Wahlkampf-Chef der republikanischen Partei, Timm Emmer, versuchte, sich einerseits von dem Schlachtruf zu distanzieren, aber gleichzeitig die zugrunde liegende Strategie zu verteidigen: nämlich die Demokraten im Wahlkampf als Sozialisten zu brandmarken, die das Land mit ihrer linken Politik zerstören wollen.

Und ein bisschen Verteidigung

"Was er eigentlich sagen wollte, ist: Wenn Du dieses Land nicht wertschätzt, wenn Du nicht hier sein willst, dann musst du nicht hier sein." Und das gelte für alle, egal welcher Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder Herkunft. Es gehe darum, das Land, welches alle Chancen biete, zu lieben und zu respektieren, so Emmer weiter.

Der konservative Talkmaster Rivera appellierte derweil schon mal eindringlich an die Trump-Anhänger: "Wenn Ihr diesen Präsidenten liebt, dann macht ihr das nie wieder. Er ist der Klebstoff, der dieses Land zusammen hält."

Ob die Fans sich dran halten, wird sich spätestens Anfang August zeigen. Dann hat Trump seinen nächsten Wahlkampfauftritt - diesmal in Ohio.

 

"Send her back" - Republikaner uneins über neuen Wahlkampf- Schlachtruf
Julia Kastein, ARD Washington
19.07.2019 18:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2019 um 23:49 Uhr.

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