US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump

Spekulationen um Nichtveröffentlichung Trumps mysteriöse Steuererklärung

Stand: 12.05.2016 07:06 Uhr

Donald Trump trifft sich heute mit führenden Republikanern. Viele zögern, ihn zu unterstützen. Neben ideologischen und charakterlichen Bedenken geht es um Trumps ungewöhnliche Weigerung, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Warum tut er das?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Hat Donald Trump etwas zu verbergen? Das fragen sich nicht nur die politischen Gegner des Immobilien-Milliardärs. Seit Monaten weigert sich Trump, das zu tun, was von US-Präsidentschaftsbewerbern seit Mitte der 1970er-Jahre erwartet wird: den Wählern einen Einblick in ihre Steuererklärungen der vergangenen Jahre zu geben.

Auf Nachfragen von Journalisten verwies Trump stets darauf, seine aktuelle Steuererklärung werde noch überprüft: "So lange die steuerliche Prüfung nicht abgeschlossen ist, kann ich nichts veröffentlichen", sagte er: "Kein Anwalt würde dem zustimmen." Dieser Einschätzung widersprachen allerdings nicht nur Steueranwälte, sondern auch die US-Steuerbehörde IRS.

Vollends für Empörung sorgten nun Äußerungen Trumps gegenüber der Nachrichtenagentur AP - am Tag vor seinem Spitzentreffen mit führenden Republikanern. Er sei rechtlich gar nicht verpflichtet, so Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Außerdem könne man aus den darin enthaltenen Informationen "nichts lernen".

Das war ein gefundenes Fressen für Hillary Clinton, die Trump in ihrer Wahlkampfrede scharf angriff: "Von jemandem, der Präsident werden will, erst recht, wenn er nominiert wird, wird das erwartet! Mein Mann und ich haben Steuererklärungen aus 33 Jahren veröffentlicht; acht Jahre davon sind auf unserer Webseite. Man muss sich fragen, warum Trump seine nicht veröffentlichen will."

"Eine Bombe von ungewöhnlicher Größe"?

Noch deutlicher wurde Mitt Romney, der letzte Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Er wurde vor vier Jahren ausgerechnet von Trump kritisiert, er habe seine Steuererklärungen zu spät veröffentlicht. Über Facebook kam nun die Retourkutsche von Romney: Die einzig logische Erklärung für Trumps Weigerung sei, dass er "eine Bombe von ungewöhnlicher Größe" zu verbergen habe. Schon vor einigen Wochen hatte Romney öffentlich angekündigt: "Ich prophezeie, dass in Trumps Steuererklärungen noch mehr Minen verborgen sind."

Trumps Weigerung disqualifiziere ihn für das Amt des Präsidenten, schrieb Romney auf Facebook und deutete auch an, um welche verborgenen Minen es sich handeln könnte: "unangemessene Verbindungen zu ausländischen Unternehmen, kriminellen Organisationen oder zu anderen widerwärtigen Gruppen". Giftige Pfeile, die der frühere Präsidentschaftskandidat der Republikaner gegen seinen voraussichtlichen Nachfolger abschießt.

Ist er wirklich so reich?

Umso mehr drängen die US-Medien darauf, Einblick in Trumps Steuererklärungen zu bekommen: Ist Trump wirklich so reich, wie er immer angibt? Welche Organisationen hat Trump mit Spenden unterstützt? Hat er überhaupt Steuern gezahlt? Und wenn ja, wie viele? Schließlich hat Trump aus seiner Abneigung gegen Steuern nie einen Hehl gemacht: "Nur Dummköpfe zahlen viele Steuern", hat er mehrfach gesagt.

Kurz vor seinem Treffen mit führenden Republikanern bemühte sich Trump um Schadensbegrenzung: Er werde seine Steuererklärung veröffentlichen - und zwar noch vor der Wahl am 8. November.

Dieser Beitrag lief am 12. Mai 2016 um 006:57 Uhr im Deutschlandradio.

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