Bill de Blasio  | Bildquelle: dpa

Steuerbetrugsvorwurf gegen die Trumps De Blasio will "jeden Stein umdrehen"

Stand: 05.10.2018 01:29 Uhr

Anfang der Woche berichtete die "New York Times" über mutmaßlichen Steuerbetrug der Trumps. Die Vergehen wären verjährt. Für New Yorks Bürgermeister de Blasio kein Grund, die Vorwürfe auf sich beruhen zu lassen.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Man werde "jeden Stein umdrehen", verspricht Bill de Blasio. Man - damit meint er die Steuerbehörden der Stadt New York, aber auch die des US-Bundesstaates New York, mit denen der Bürgermeister eine enge Zusammenarbeit verspricht. Die Aufklärung möglicher Steuervergehen von US-Präsident Donald Trump und seines Vaters Fred in den Händen des demokratisch regierten New York: Es ist ein politisches Fest für den Bürgermeister der Millionenstadt.

"Irgendwann wird die ganze Geschichte herauskommen: Wie Trump sich durchgemogelt hat, und gezahlt hat, um den Kontrollen und der Strafverfolgung zu entkommen, die er eigentlich verdient hätte", sagt de Blasio.

Vergehen wären verjährt

Das Weiße Haus hat die Anschuldigungen des Steuerbetrugs entschieden zurückgewiesen. Auch der Präsident selbst, wieder einmal per Twitter.

Sollte sich der Bericht der "New York Times" aber als wahr herausstellen, gilt eine strafrechtliche Verfolgung wegen Verjährung jedoch als ausgeschlossen.

De Blasio droht mit Bußgeldern

De Blasio droht trotzdem mit Konsequenzen: "Es kann gravierende Bußgelder geben, die Stadt und Staat verhängen können. New York will jeden Cent zurückhaben, den Donald Trump den Bürgern der Stadt schuldet. Punkt."

Und diese Bußgelder hat der Bürgermeister im Kopf auch bereits verteilt: Veteranen, Rentner, Kinder - sie alle könnten von dem Geldsegen profitieren.

Bis dahin aber ist es noch ein langer Weg. Die Überprüfung durch die Behörden, eine rechtskräftige Bestätigung von Steuerhinterziehung, die Verhängung von Bußgeldern - eine Dauer für dieses Verfahren nennt der Bürgermeister nicht.

"Er bringt uns Geld - darum geht's"

Vorerst spaltet der wohl prominenteste Sohn New Yorks seine Heimatstadt. Jim, Einwohner der Metropole, sagt etwa: "De Blasio ist doch selber ein Idiot. Trump fördert die Wirtschaft. Alles andere interessiert mich nicht. Er ist immer noch ein guter Präsident, er bringt uns Geld, darum geht's."

Ganz anderer Meinung als Jim ist dieser New Yorker, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte. Obwohl er der demokratisch wählenden Mehrheit der Weltstadt eher aus dem Herzen sprechen dürfte. Auch deshalb, weil Trump sich bisher weigert, seine Steuererklärungen offen zu legen - anders als es US-Präsidenten seit Jahrzehnten traditionell machen.

"Ich glaube, er ist ein sehr unehrlicher Mann. Er hat immer damit angegeben, er sei ein Self-Made-Milliardär. Seine Steuererklärungen aber könnten zeigen, dass er prozentual weniger Steuern gezahlt hat als die Mittelschicht. Und das könnte seine Wählerschaft wirklich verärgern, denn das sind doch - theoretisch zumindest - die Arbeiter."

Profitierten die Trumps von den "guten alten Kumpeln"?

Bürgermeister de Blasio sieht bei dem mutmaßlichen Steuerbetrug der Trump-Familie nicht nur sie im Zentrum der Kritik, sondern auch das historische New York: "Es ist auch eine Anklage gegen die Kultur von Stadt und Staat New York, die Jahrzehnte zurück reicht. Da gab es dieses Netzwerk guter alter Kumpel - das wusste Donald Trump offensichtlich sehr gut auszunutzen. Wenn hier vernünftig gearbeitet worden wäre, dann wäre er nie Präsident der USA geworden."

"Drehen jeden Stein um“: New Yorks Bürgermeister verspricht Aufklärung zu Trump
Kai Clement (ARD New York)
05.10.2018 00:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Oktober 2018 um 21:50 Uhr.

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