Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Hate Crimes nehmen zu New York erntet den Hass, den Trump säte

Stand: 07.12.2016 01:16 Uhr

Seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ist allein in New York die Zahl rassistisch motivierter Übergriffe um mehr als 100 Prozent gestiegen. Bürgermeister de Blasio wirft Trump vor, den Hass geschürt zu haben.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Officer Aml El Sokary weint - vor Schock und auch vor Wut. "Ich glaube daran, dass Allah uns hilft. An alle meine Schwestern. Ich bin bei Euch, Tag und Nacht", sagt sie. Die New Yorker Polizistin war mit ihrem 16-jährigen Sohn in Brooklyn unterwegs. Sie trug eine traditionelle muslimische Kopfbedeckung, eine Hidschab. "Verschwindet in Euer Land", brüllte ein Mann. "Ich schneide Euch die Kehle durch, Ihr IS-Terroristen." Dann hetzte er seinen Kampfhund auf die Amerikanerin.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio ist entsetzt. "Geht zurück in Euer Land?", zitiert er den mittlerweile festgenommenen Angreifer. "Dies ist ihr Land. Sie ist Amerikanerin, New Yorkerin. Sie ist hier zu Hause. Wir dürfen nicht erlauben, dass dieser Hass sich ausbreitet."

Klarer Zusammenhang erkennbar

"Dieser Hass": Das sind sogenannte Hate Crimes, rassistisch motivierte Übergriffe. Die Statistik ist alarmierend und der Zusammenhang - zumindest für die New Yorker Behörden - überdeutlich. Seit dem Wahlabend, an dem Donald Trump siegte, ist die Zahl rassistisch motivierter Übergriffe in New York City um 115 Prozent gestiegen. "Mir ist schlecht geworden, als ich hörte, dass eine unserer Polizistinnen nur wegen ihres Glaubens attackiert und beschimpft wurde", sagt de Blasio.

New Yorks Bürgermeister zeigt mit dem Finger auf Donald Trump. Dessen Hassreden aus dem Wahlkampf hätten diese Stimmung in der Stadt aber auch im ganzen Land erzeugt. Die New Yorker Polizei verzeichnet immer mehr Hakenkreuzschmierereien. In zwei Metrostationen wurden Ku-Klux-Clan-Flugblätter verteilt, Werbebroschüren der rassistischen Organisation, die Donald Trump zur Wahl empfohlen hatte.

"Er hat schreckliche Dinge gesagt"

"Werfe ich Trump vor, Hassreden im Wahlkampf verwendet zu haben? Absolut. Er hat schreckliche Dinge über Muslime, über mexikanischstämmige Amerikaner gesagt", so de Blasio. "Das ist passiert, Teil unserer Geschichte. Er muss jetzt dafür sorgen, dass dieses Land wieder zusammenkommt. Und er muss mehr tun."

Demonstration gegen rassistisch motivierte Übergriffe in New York | Bildquelle: AFP
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Demonstranten protestieren gegen die zunehmenden rassistisch motivierten Übergriffe in New York

Der Hass und Trump. In New York sehen die Behörden die ersten Folgen. Eine ebenfalls muslimische U-Bahnmitarbeiterin wurde als Terroristin beschimpft. Ein Mann verfolgte sie, stieß sie die Treppe hinunter. Eine schwarze Frau in Queens wurde angepöbelt, als sie den Bus bestieg. "Schwarze sitzen jetzt wieder hinten", brüllten die beiden Weißen. Die bedrohte Polizistin wurde noch 2014 ausgezeichnet, weil sie zwei Menschen aus einem brennenden Gebäude rettete. Jetzt muss sie sich als Terroristin beschimpfen lassen.

Versprechen an das Land

Die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand ging mit einem Versprechen an die Stadt und an das Land an die Öffentlichkeit: "Kein New Yorker sollte jemals Angst wegen seines Glaubens haben. Dieser Hass, dieses Verhalten sollte niemals als normal gelten."

Aber was ist normal in diesen Zeiten? Bürgermeister de Blasio, gerade erst war er zu einem Vier-Augen-Gespräch bei Donald Trump. Er habe ihm erklärt, dass allein 900 Muslime als Polizisten für die Stadt arbeiteten. Dass sie und alle anderen Muslime legitimer Teil von New York und Teil der USA seien. Aber - auch das sagt der frustrierte Bürgermeister der Einwandererstadt New York - man könne wohl keinen Mann zum Präsidenten wählen, der einzelne Gruppen ausgrenze, ohne dass es danach Folgen für die Gesellschaft habe.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Dezember 2016 um 06:26 Uhr

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