Donald Trump | Bildquelle: AP

Weißes Haus Trump verhinderte offenbar Würdigung McCains

Stand: 27.08.2018 11:47 Uhr

Ein kurzer Tweet - mehr war von US-Präsident Trump zum Tod von McCain bislang nicht zu hören. Dabei hatte das Weiße Haus bereits offenbar eine Würdigung verfasst. Trump soll sie gestoppt haben.

Ob Demokraten oder Republikaner - die Trauer um den verstorbenen US-Senator John McCain ist groß und parteiüberfreifend. Nur einer lehnte es offenbar ab, das Leben und Wirken McCains offiziell zu würdigen: Der Präsident. Donald Trump habe hochrangigen Beratern gesagt, er ziehe es stattdessen vor, einen kurzen Tweet zum Tod seines scharfen Kritikers zu publizieren, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf ehemalige und aktuelle Berater im Weißen Haus.

Dabei hätten unter anderem Trumps Sprecherin Sarah Sanders und sein Stabschef John Kelly für eine offizielle Würdigung plädiert und McCain einen "Helden" genannt. Sanders habe am Wochenende sogar eine Endfassung einer Mitteilung für Trump fertig gestellt - die dann aber nicht veröffentlicht worden sei.

Denn Trump zog es vor, kurz nach McCains Tod am Samstag eine knappe, unpersönliche Nachricht auf Twitter zu veröffentlichen. In ihr sprach er McCains Familie sein Mitgefühl aus. Würdigende Worte fand Trump nicht, auch das Weiße Haus schickte keine längere Erklärung heraus.

Auch vor der Presse gab Trump keinen Kommentar ab. Stattdessen verbrachte der Präsident den Tag damit, Golf zu spielen und sich auf Twitter an der Presse abzuarbeiten.

US-Präsident Trumps Autokolonne verlässt den Trump National Golf Club in Sterling. | Bildquelle: dpa
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Lieber golfen statt würdigen - US-Präsident Trumps Autokolonne verlässt den Trump National Golf Club in Sterling.

"Es ist grässlich"

In den sozialen Netzwerken löste Trumps Verhalten einen Sturm der Kritik aus. Mark Corallo, ehemaliger Sprecher von Trumps Anwaltsteam, sagte laut Zeitung über Trumps Reaktion: "Es ist grässlich". Zu einem solchen Zeitpunkt würde man von einem US-Präsidenten mehr erwarten, wenn er über den Tod eines wahren amerikanischen Helden spreche.

McCain starb im Alter von 81 Jahren auf seiner Ranch in Arizona. Er litt an einem Gehirntumor. Seine sterbliche Überreste sollen am Mittwoch im Kapitol von Arizona aufgebahrt werden. Anschließend soll er unter der Kuppel des Kapitols in Washington aufgebahrt werden - diese Ehre wurde bislang nur wenigen US-Bürgern wie John F. Kennedy, Ronald Reagan und der Bürgerrechtlerin Rosa Parks zuteil.

John McCain
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US-Senator McCain starb im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Hirntumors.

"McCain ist kein Held"

McCains Verhältnis zu Trump war stark belastet. Monate vor seinem Tod ließ McCain verbreiten, dass er Präsident Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich, dass der demokratische Ex-Präsident Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden. Auch der amtierende Vize-Präsident Mike Pence wird erwartet.

Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen übel verhöhnt. Für ihn sei McCain "kein Held", sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?" Als Pilot der US-Navy war McCain in Vietnam in Gefangenschaft geraten und von den Vietcong gefoltert worden.

Der republikanische Senator aus Arizona zählte später als Fachmann in der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu den profiliertesten Mitgliedern des US-Kongresses. Er erwarb sich über die Parteigrenzen hinweg große Achtung - nur nicht bei Trump.

John McCain, Trump und die Trauerfeier
Arthur Landwehr, ARD Washington
27.08.2018 17:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. August 2018 um 10:00 Uhr.

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