Dutzende Verletzte bei einem Zugunglück nahe Prag. | Bildquelle: MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/Shutterst

Nahe Prag Toter und Verletzte bei Zugunglück

Stand: 15.07.2020 03:33 Uhr

Bei einem erneuten Zugunglück in Tschechien sind nahe Prag Dutzende Menschen verletzt worden. Ein Mensch starb, als ein Personenzug auf einen Güterzug auffuhr. Erst letzte Woche hatte es in Tschechien ein ähnliches Unglück gegeben.

Beim Zusammenstoß eines Personenzugs mit einem Güterzug hat es in Tschechien Dutzende Verletzte gegeben. Ein Mensch sei gestorben, sagte Verkehrsminister Karel Havlicek, der an die Unglücksstelle geeilt war, am frühen Morgen im Sender CT. Zwei Personen seien schwer und acht mittelschwer verletzt worden.

Der Personenzug war am späten Abend bei der Stadt Cesky Brod, die rund 30 Kilometer östlich von Prag liegt, in den stehenden Postzug gerast. Nach Angaben einer Sprecherin des Rettungsdienstes wurden insgesamt 35 Menschen in Krankenhäuser der Region gebracht. Die meisten von ihnen erlitten Prellungen oder Brüche. Die Bergungsarbeiten waren nach rund drei Stunden abgeschlossen.

Keine Hinweise auf technisches Versagen

Bei dem Toten soll es sich nach Medienberichten um einen der beiden Lokführer handeln, der in seiner Kabine eingeklemmt wurde. Die Einsatzkräfte waren mit mehr als einem Dutzend Notarzt- und Krankenwagen sowie zwei Rettungshubschraubern vor Ort. In dem Nahverkehrszug sollen sich im Spätabendverkehr rund 200 Fahrgäste befunden haben.

Der sogenannte "CityElefant" verbindet Prag mit Recany nad Labem (Retschan an der Elbe). Die Unglücksursache muss noch ermittelt werden. Möglicherweise wurde ein Haltesignal übersehen, hieß es seitens der Behörden. Hinweise auf ein technisches Versagen gebe es nicht, sagte Havlicek. Bilder in den sozialen Medien zeigten, dass die Züge nach der Kollision ineinander verkeilt waren. Der Bahnverkehr auf der wichtigen Hauptachse wurde umgeleitet.

Erst vor einer Woche waren bei einem Zugunglück im tschechischen Teil des Erzgebirges zwei Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein Deutscher. Nach diesem Unglück hatte sich Havlicek für langfristige, aber gegen provisorische Lösungen der Sicherheitsprobleme bei der staatlichen Bahn ausgesprochen. Persönliche Konsequenzen lehnte der Politiker der populistischen Partei ANO von Ministerpräsident Andrej Babis in einer ersten Reaktion nach dem jetzigen Unfall ab. Tschechien hat eines der dichtesten Eisenbahnnetze in Europa, das aber in vielen Teilen veraltet und sanierungsbedürftig ist.

Wieder Zugunglück in Tschechien
Peter Lange, ARD Prag
15.07.2020 08:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juli 2020 um 09:00 Uhr.

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