Familie sitzt auf Wiese am Meer

Zehn Jahre nach dem Tsunami Rückkehr an den Ort des Grauens

Stand: 24.12.2014 09:53 Uhr

Weihnachten 2004 in Thailand unter Palmen: Für Kristin und Stefan Kühn ist es wie im Paradies. Als der Tsunami kommt, spielen sie mit ihren kleinen Kindern am Strand. Die Familie überlebt die Katastrophe. Zehn Jahre später wagt sie die Rückkehr.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Stefan Kühn steht am Strand von Khao Lak und filmt. Er tut das gerne und oft. Aber was er an diesem 26. Dezember 2004 sieht, ist ungewöhnlich: "Das Wasser lief in einem schnellen Tempo weg", erinnert er sich. "Man merkte, dass dies keine normale Ebbe war, aber es wirkte noch nicht gefährlich. Es kamen noch Leute an den Strand und legten ihre Handtücher in den Sand. Es gab keine Panik, auch die Thais liefen herum und suchten Fische in den Pfützen."

"Lass uns die Kinder nehmen und abhauen"

Zehn Jahre später ist Familie Kühn aus Norderney - Kristin und Stefan mit den Kindern Nele und Lasse - zurück nach Khao Lak gekommen, um zu schauen, wie sich das anfühlt, wie Khao Lak jetzt aussieht. Damals, an diesem folgenschweren Sonntag, entkamen die Kühns nur knapp dem Tod. Kristin Kühn holte ihren filmenden Mann vom Strand, sie hatte Angst bekommen. Sie hatte die Thais am Strand beobachtet: "Als die anfingen zu rennen und zu schreien, war klar, dass etwas nicht stimmt. Da habe ich zu Stefan gesagt: 'Lass uns die Kinder nehmen und abhauen. Ich habe ein komisches Gefühl.'"

Geräusche wie Bombeneinschläge

Die Kühns klemmen sich ihre ein und drei Jahre alten Kinder Nele und Lasse unter den Arm und rennen so lange und so weit weg, wie sie sie können. Währenddessen läuft die Videokamera weiter. Ein Dokument des Schreckens: "Wir rannten den Weg hoch zur Hauptstraße, und dann wurde das Geräusch der Welle hinter uns immer lauter", erinnert sich Stefan Kühn. "Man hörte, wie die Wellen gegen die Hotelgebäude krachten, das war wie Bombeneinschläge. Und wir dachten, jeden Moment schlägt es uns die Beine weg. Wir sind gerannt, gerannt, gerannt."

Die Kühns können sich retten. Alle überleben. Sie schlagen sich nach Phuket durch und schaffen es, mit dem ersten Flieger zurück nach Deutschland zu kommen. Der Schrecken des Tsunamis von Khao Lak bleibt, aber auch ein gutes Gefühl: Stefan Kühn ist noch immer von der Hilfsbereitschaft der Thailänder beeindruckt: "Das war immens. Die Menschen hier hatten selber alles verloren, und die haben uns Urlaubern buchstäblich ihr letztes Hemd gegeben. Da hieß es nicht 'meins, meins', da hieß es: 'Wir teilen.' Ich empfinde tiefe Dankbarkeit dafür. Das war überwältigend."

Flucht vor der Welle: Private Videoaufnahmen der Familie Kühn vom 26.12.2004

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"Wir müssen in die Zukunft gucken"

Jetzt, zehn Jahre später, ist Khao Lak aus Sicht der Kühns schöner als zuvor. Und die Thais seien immer noch so nah und nett wie damals, sagt Kristin Kühn. Offenbar helfe den Menschen hier ihr buddhistischer Glaube, sich mit den Erlebnissen von damals zu arrangieren: "Ich finde es beneidenswert, dass die Thailänder abhaken, was hinter ihnen liegt und sagen, wir müssen in die Zukunft gucken", so Kristin Kühn. "Das möchte ich auch gerne tun. Ich möchte gerne sagen, es ist passiert und wir sind da lebend rausgekommen. Ich wünsche mir, dass die Menschen das Land so wunderbar finden, wie es ist. Ich werde wiederkommen, und ich muss nicht immer an diese Sache von früher denken."

Zurück am Unglücksort
U. Schmidt, ARD Singapur
24.12.2014 09:41 Uhr

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