Sulawesi nach dem Tsunami | Bildquelle: AP

Tsunami in Indonesien "Es war furchtbar"

Stand: 01.10.2018 04:19 Uhr

Drei Tage nach der Katastrophe ist die Situation auf der Insel Sulawesi immer noch angespannt. Die Versorgung der Überlebenden läuft nur schleppend an. Die Regierung verspricht schnelle Hilfe.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Die Luftbilder zeigen eine endlose Trümmerwüste entlang der Westküste Sulawesis, das Meer ist ruhig und blau, doch die schmutzigbraunen Seen auf Feldern und in Dörfern zeigen, wie weit der Tsunami ins Land gerast ist.

Aus dem Hubschrauber verschaffen sich die Retter einen Überblick über die Zerstörungen, doch das wahre Grauen offenbart sich erst am Boden. Verzweifelte Frauen und Männer versuchen ihre Angehörigen außerhalb von Palu anzurufen, doch die Handys funktionieren meist nicht, auch Strom gibt es noch keinen.

Für tausende Überlebende war es die dritte Nacht im Freien. Weil der Tusnami ihre Häuser mitgerissen hat - oder aus Angst vor Nachbeben. Mehr als 200 mal hat die Erde rumort seit dem verheerenden Tsunami, der den Alltag der Küstenbewohner brutal beendete.

Nach dem Tsunami in Indonesien
tagesschau24 10:00 Uhr, 01.10.2018, Rafael Torres, WDR

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Regierung lässt Plünderer gewähren

"Ich war im Supermarkt, gerade mit Einkaufen fertig und ging zur Kasse. Plötzlich wurde es dunkel und die Wände um mich herum stürzten ein. Es war furchtbar", schildert eine Frau ihre Eindrücke.

Plünderer suchen in den Ruinen der Geschäfte Lebensmittel und Wasserflaschen. Die Polizei lässt sie gewähren, denn die Menschen leiden Hunger und Durst. Die Regierung verspricht, den Schaden zu ersetzen.

Indonesiens Präsident verteilt Reissäcke vor laufenden Kameras, umringt von einer verzweifelten Menge, die Antworten will. Yoko Widodo sagt, dass heute mehr Hilfe kommen werde und dass dann der Wiederaufbau beginne.

Indonesiens Präsident Joko Widodo
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Indonesiens Präsident Widodo.

Leichensäcke am Straßenrand

Die Marine bringt Bagger und Planierraupen mit Schiffen über das Meer - die Landstraßen sind für schweres Räumgerät immer noch unpassierbar, blockiert von Schutt und Geröll, unterspült vom Wasser.

Ein Wettlauf gegen die Zeit, die Hoffnung auf Überlebende schwindet mit jeder Stunde. 60 Menschen sollen unter einem eingestürzten zehnstöckigen Hotel in Palu-City eingeschlossen sein, Helfer berichten von Kinderschreien.

Entlang der verschlammten Straßen liegen Reihen blauer Leichensäcke. Die Behörden haben für heute Massenbegräbnisse angekündigt - aus Angst vor Seuchen, es ist schwüle 31 Grad heiß im Katastrophengebiet.

Tausende Tote befürchtet

Noch ist die Region Dongalla weitgehend abgeschnitten, viele Dörfer unter Schutt und Schlammlawinen buchstäblich begraben. Die Zahl der Toten muss daher ständig nach oben korrigiert werden, es könnten am Ende Tausende sein, fürchtet Sutopo Purwo Nugroho vom indonesischen Katastrophenschutz. "Die Identifizierung so vieler Toter stellt uns vor massive Probleme. Wir schätzen, die Zahl der Opfer wird weiter steigen in der Region Donggala und Palu. Inzwischen wissen wir, dass die Tsunami Welle teilweise bis zu sechs Meter hoch war und einige Menschen sich gerettet haben, in dem sie auf Bäume kletterten", sagt er.

Hat das Tsunami-Warnystem versagt? Das ist eine viel diskutierte Frage. Nach dem verheerenden Tsunami von 2004 mit mehr als 200.000 Toten waren die Sensoren im Meer installiert worden. Doch die Welle vom vergangenen Freitag - ausgelöst durch ein Beben im Meer - raste mit 800 Stundenkilometer schnell wie ein Düsenjet auf die Küste zu.

Keine 15 Minuten brauchte die Wasserwand für die knapp 80 Kilometer bis zum Strand, wo Hunderte ausgelassen in den Sonnenuntergang feierten. So wie Adi, der seine Frau umarmte, als das Wasser sie aus seinen Armen riss. Inzwischen hat er ihre Handtasche am Strand gefunden. Aber er hat keine Ahnung, wo seine Frau sein könnte - und ob sie noch lebt. So wie Unzählige andere auch.

Die Hölle von Palu
Holger Senzel, ARD Singapur
01.10.2018 06:27 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. September 2018 um 23:15 Uhr und Deutschlandfunk am 01. Oktober 2018 um 05:11 Uhr.

Korrespondent

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Holger Senzel, NDR

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