Zerstörte Moschee in Palu | Bildquelle: REUTERS

Katastrophe in Indonesien Tsunami-Warnung zu früh aufgehoben?

Stand: 01.10.2018 13:49 Uhr

Mindestens 844 Menschen starben durch den Tsunami in Indonesien. Wurde eine Warnung zu früh aufgehoben? Die Behörden bestreiten das und verteidigen sich. Experten weisen darauf hin, dass die Menschen nicht ausreichend vorbereitet waren.

Nach der Tsunami-Katastrophe in Indonesien mit mindestens 844 Toten wehren sich die Behörden gegen Kritik an ihrer zurückgezogenen Warnung. Nachdem ein Beben der Stärke 7,5 am Freitag um 18 Uhr Ortszeit die Erde erzittern ließ, hatte das Amt für Meteorologie und Geophysik einen Tsunami-Alarm ausgelöst. Wellen zwischen 0,5 und drei Metern Höhen könnten die Küste treffen. Diese Warnung wurde um 18.36 Uhr aufgehoben.

Die Leiterin der zuständigen Behörde rechtfertigte die umstrittene Entscheidung nun in einem Zeitungsinterview. Zu diesem Zeitpunkt habe es keine Flutwellen mehr gegeben, sagte Behördenchefin Dwirkorita Karnawati der "Jakarta Post". Wann genau die insgesamt drei Wellen mit einer Höhe von bis zu sechs Metern wo auf Land trafen, ist unklar.

Aus Sicht des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam (GFZ) war die Aufhebung der Warnung jedoch zu früh. "Das System sieht vor, dass die Warnung frühestens nach zwei Stunden aufgehoben werden darf", sagte GFZ-Sprecher Josef Zens dem "Tagesspiegel". Adam Switzer, Tsunami-Experte am Earth Observatory in Singapur, verteidigte die Behörden. "Es zeigt sich, dass die Tsunami-Modelle, die wir gerade haben, zu einfach sind", sagt er. "Mehrfache Ereignisse, mehrfache Beben in einer kurzen Zeitperiode werden nicht berücksichtigt."

Indonesien bittet um internationale Hilfe nach dem Tsunami
tagesschau 17:00 Uhr, 01.10.2018, Claudia Drexel, NDR

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Bevölkerung war nicht ausreichend gewarnt

Experten weisen jedoch auch darauf hin, dass sich nur wenige Menschen an Warnungen halten würden. "Die indonesischen Kollegen haben berichtet, dass die Menschen irritiert waren, was sie mit dem Alarm anfangen sollten", sagte Gavin Sullivan von der Universität Coventry in Großbritannien, die an einem Projekt zur Katastrophen-Vorbereitung in der indonesischen Stadt Bandung beteiligt ist.

Die Tatsache, dass die Menschen noch immer an der Küste herumgeschlendert seien, als die Wellen bereits in Sichtweite gewesen seien, zeige, dass man aus früheren Katastrophen keine Lehren gezogen habe. "Das verdeutlicht das Versagen, angemessenes Training zu vermitteln und Vertrauen zu entwickeln, damit die Menschen genau wissen, was zu tun ist, wenn ein Alarm ausgelöst wird", sagt er.

Nach einer Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen im Katastrophengebiet 191.000 Menschen Nothilfe. Unter den Betroffenen seien 46.000 Kinder und 14.000 ältere Menschen, teilte das UN-Büro für die Koordinierung der Nothilfe mit. Viele der Betroffenen lebten demnach weit entfernt von den urbanen Zentren, auf die sich die Hilfe der Regierung meist konzentriere.

Bojen-Frühwarnsystem funktioniert nicht

Indonesien gehört zu den Regionen mit den meisten Erdbeben auf der Welt. Beim Tsunami von 2004 kamen 160.000 Menschen in der indonesischen Provinz Aceh ums Leben. Nach der verheerenden Katastrophe wurde ein unter anderem von Deutschland finanziertes Frühwarnsystem entwickelt. Es bestand aus einem Netz von 22 Bojen, die mit Sensoren auf dem Meeresboden verbunden waren. So sollten frühzeitig Tsunami-Warnungen ausgelöst werden.

Bei einem Erdbeben vor Sumatra im Jahr 2016 zeigte sich jedoch, dass keine der Bojen - jede hat einen Wert von mehreren Hunderttausend Euro - funktionstüchtig war. Vandalismus, Diebstahl oder mangelnde Wartung wegen fehlenden Geldes waren die Gründe. Das Herz des indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems ist heute ein Netz aus 134 Pegelmessstationen, unterstützt von Seismografen an Land, Sirenen an 55 Orten und einem System, das die Menschen per SMS warnt.

Als Ersatz wird derzeit an einem Protoypen gefeilt. Er ist vor der indonesischen Stadt Padang im Einsatz und kann Warnungen innerhalb von ein bis drei Minuten auslösen. Das bisherige Bojen-System braucht - wenn es denn funktionieren würde - fünf bis 45 Minuten. Das neue System war zum Zeitpunkt des Bebens jedoch noch nicht vollständig bereit.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Oktober 2018 um 10:00 Uhr.

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