Ein Schild in Khao Lak weist allgemein auf die Tsunami-Gefahr in der Region hin.

Tsunami-Warnsystem in Südostasien Nie wieder unvorbereitet

Stand: 12.09.2018 14:36 Uhr

Zehn Jahre nach dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean ist das Frühwarnsystem in der Region fest installiert. Hunderte Messstationen an den Küsten übermitteln Daten an die Warnzentralen. Und auch in den gefährdeten Dörfern und Städten sind die Menschen jetzt besser vorbereitet.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Maitree Jongklaijak ist sich sicher, dass so etwas wie 2004 nie wieder passieren kann. Maitree lebt in Ban Nam Khem, einem Ort gleich neben der thailändischen Touristenhochburg Khao Lak und hat damals seinen Vater und einen Neffen an die Tsunami-Welle verloren. Nun aber hätten alle gelernt, sagt der 45-Jährige.

Daten, die draußen vom Tsunami-Warnsystem eingingen, würden sofort einen Alarm auslösen, berichtet er. "Alle im Ort wissen, wohin sie zu flüchten haben. Es gibt 80 gut ausgebildete Freiwillige, die dann helfen sollen, die Menschen so schnell wie möglich aus dem Ort herauszubringen und sie dann zu versorgen."

Ein umfangreiches Warnsystem soll künftig vor Flutwellen wie 2004 warnen.
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Ein umfangreiches Warnsystem soll künftig vor Flutwellen wie 2004 warnen.

Es gibt Warntürme mit starken Sirenen, die an der Küste aufgestellt sind, diese werden zweimal im Monat getestet - ihr Signal ist unüberhörbar. Aber die meisten im Ort, meint auch Manatsak Yuankeo, seien inzwischen so sensibilisiert, dass sie schneller als die Sirene seien. "Auf Dorf- und Gemeindeebene sind wir gut vorbereitet. Vor zwei Jahren gab es ein schweres Erdbeben der Stärke 8 oder sogar noch mehr. Bevor überhaupt eine offizielle Warnung herausgegeben wurde, hatten die meisten Bewohner Ban Nam Kham schon verlassen."

Die Messbojen waren ständig kaputt

Die offizielle Warnung wird von 300 Messstationen draußen im Meer ausgelöst. Früher gehörten außerdem Bojen dazu, die den ansteigenden Wasserspiegel registrierten. Die jedoch waren zu langsam und ständig kaputt. Mal hatten die Batterien den Geist aufgegeben, mal Fischer die Boje zum Festmachen des Schiffes genutzt und damit zerstört.

Trotzdem: Auch nach Expertenmeinung hätte ein Tsunami wie 2004 nicht mehr diese schrecklichen Folgen, beim Beben von 2004 hätte es mit heutiger Technik eine Stunde Vorwarnzeit gegeben. Vor allem aber haben die Menschen aus der Katastrophe gelernt.

Regelmäßiges Training und ein Tsunami-Warnsystem
U. Schmidt, ARD Singapur
25.12.2014 15:12 Uhr

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Keith Angles leitet einen Tauchladen in Khao Lak, auf der meerabgewandten Seite der Straße, daher hatte er damals Glück. Auch er sieht nun alle gut vorbereitet: "Es ist natürlich schwierig, auf so eine Katastrophe vorbereitet zu sein. Aber es gibt jetzt das Warnsystem, immer wenn es getestet wird, flüchten manche, weil sie denken, dies sei nun ein echter Alarm. Alle sind jetzt darauf eingestellt, die Hotels führen Trainings für die Belegschaft durch - das alles hilft."

Tsunami-Übungen sind nicht koordiniert

Das Hotel "Casa Del Flora" war 2004 gerade neu eröffnet, als die Tsunami-Welle alles wieder zerstörte. Heute leitet Jirapa Lertkulthana das Hotel. Regelmäßige Tsunami-Übungen hält er für zwingend notwendig. "Wir machen diese Übung alle drei Monate, damit alle wissen, was zu tun ist und wo die Fluchtwege sind." Das gebe auch den Gästen ein Gefühl von Sicherheit. Die Belegschaft wechsele häufiger, daher müsse immer wieder neu vermittelt werden, was im Ernstfall zu tun sei.

Allerdings: Auch wenn viele Hotels solche Übungen durchführen, diese Tsunami-Drills sind nicht wirklich koordiniert, auch eine Evakuierung im Ernstfall wäre es also wohl nicht.

Eine Gruppe Mädchen betrachtet im Tsunami-Museum in Banda Aceh in Indonesien eine Miniatur, die die große Welle am Strand der Stadt darstellt.
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Eine Gruppe Mädchen betrachtet im Tsunami-Museum in Banda Aceh in Indonesien eine Miniatur, die die große Welle am Strand der Stadt darstellt.

In Banda Aceh weiß nun jeder, was ein Tsunami ist

Media Yulizar leitet die Gesundheitsbehörde in Banda Aceh, allein in der Hauptstadt der indonesischen Provinz Aceh kamen am 26. Dezember vor zehn Jahren 90.000 Menschen ums Leben, ein Drittel der Einwohner. Damals habe keiner eine Ahnung gehabt, sagt Media. "Als der Tsunami uns überrollte, wusste niemand, was das ist. Nicht einmal das Wort war bekannt, manche nannten es Flut, andere sprachen nur vom Wasser aus dem Meer, aber das Wort Tsunami war unbekannt."

Unbekannt war auch, was ein Tsunami anrichten kann. Dies weiß inzwischen jeder, keiner würde jetzt noch das tun, was der Fischer Khaeruddin aus dem kleinen Ort Blang Pidie damals tat. "Ich habe Shrimps am Strand verkauft. Dann ging das Wasser weg und ich habe erst einmal Fische eingesammelt, die überall lagen. Dann kam die Welle, ich konnte mich 45 Minuten über Wasser halten, obwohl ich nicht schwimmen konnte."

Khaeruddin überlebte. Aber er wird sich ganz sicher nicht noch einmal auf sein Glück verlassen.

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