Zwei Passkontrollschalter am Flughafen Antalya (Archivbild). | Bildquelle: AFP

Türkei Ein Flughafen-Streit und seine Folgen

Stand: 01.12.2020 13:06 Uhr

Ein Wuppertaler Zahnarzt sitzt seit vier Wochen in Antalya in Haft, weil er den türkischen Präsidenten und den Staat beleidigt haben soll. Seine Anwälte und zwei Zeuginnen bestreiten die Vorwürfe.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

Am 4. November steigt der Wuppertaler Zahnarzt Kristian B. in Antalya aus dem Flugzeug, um eine Woche Urlaub zu machen. Am Gepäckband des Flughafens Antalya, sagt sein Anwalt Rüdiger Deckers, kommt es zur verbalen Auseinandersetzung mit einer Türkin. B. soll die Frau sehr deutlich gebeten haben, aufgrund der Covid-Pandemie Abstand zu halten. Sie habe sich verbal gewehrt, eins sei zum anderen gekommen, schließlich habe die Frau den Zahnarzt bei der Polizei angezeigt. Seitdem sitzt Kristian B. in Antalya in Haft.

Die Vorwürfe der Frau wiegen schwer: Der Zahnarzt soll gegen Paragraph 299 und Paragraph 216 des türkischen Strafgesetzbuches verstoßen haben, berichtet Deckers. Demnach habe er den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und die Republik Türkei beleidigt und einen Teil der türkischen Bevölkerung verunglimpft. Der Paragraph 216 entspricht nach deutscher Rechtsprechung der Volksverhetzung.

Anwalt: B. sei ein "Türkeifreund"

Ahmet Ünal Ersoy, der B. in Antalya anwaltlich vertritt, erklärte schriftlich gegenüber der ARD, sein Mandant sei seit dem 5. November im Letipi-Gefängnis in Antalya in Haft. Dieser, so Ersoy, habe "kein Problem mit der Türkei, den Türken oder den Muslimen". Er sei ein "Türkeifreund" und habe weder den Staat noch den Präsidenten beleidigt. Die im Protokoll der Polizei aufgezeichneten Aussagen der Frau wollen die beiden Anwälte offenbar aus verteidigungstaktischen Gründen nicht wiedergeben.

In einigen Medien, so der Anwalt weiter, würde behauptet, sein Mandant sei wegen des Paragraphen 301, also Beleidigung des Türkentums, in Haft. Das sei falsch. Weiterhin sei es falsch, dass sich sein Mandant aufgrund einer Ausreisesperre in einem Hotel aufhalte.

Dekkers: Zwei Zeuginnen bestätigten die Vorwürfe nicht

Am 8. Dezember soll in Antalya die Verhandlung gegen B. stattfinden. Als Strafmaß, berichtet Deckers, drohten ein bis vier Jahre Haft. Der Zahnarzt bestreitet alle Beschuldigungen gegen ihn.

Nach seiner Festnahme, berichtet Deckers, seien zwei Frauen, eine Deutsche und eine Deutsch-Türkin, die ebenfalls am Gepäckband standen, von der Polizei als Zeuginnen vernommen worden. Beide Zeuginnen hätten die Vorwürfe gegen seinen Mandanten nicht bestätigen können.

B. wird vom Konsulat in Antalya betreut.

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