Das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" im Mittelmeer | Bildquelle: AFP

Erdgasstreit im Mittelmeer Erst Säbelrasseln - nun Gespräche?

Stand: 04.09.2020 06:36 Uhr

Seit Wochen wachsen die Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland: Zankapfel sind mögliche Erdgasvorkommen im Mittelmeer. Von der NATO heißt es, beide hätten sich nun auf Gespräche geeinigt - doch Athen widerspricht.

Griechenland dementiert Aussagen der NATO, wonach Athen und Ankara technische Gespräche zur Vermeidung militärischer Zwischenfälle im östlichen Mittelmeer vereinbart haben. Zwar sei man bereit, innerhalb der Allianz solche Gespräche zu führen, Voraussetzung dafür sei aber, dass die Türkei zuvor sämtliche Schiffe aus der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Griechenlands abziehe, hieß es aus Kreisen des griechischen Außenministeriums.

Das Dementi Athens kam kurz nach einer Ankündigung von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, wonach beide NATO-Staaten im Rahmen der Allianz zu Gesprächen zur Konfliktentschärfung bereit seien. Eine NATO-Sprecherin äußerte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht zur Haltung Athens. Sie verwies nur darauf, dass es bereits am Donnerstag ein technisches Treffen zwischen der Türkei und Griechenland in der NATO-Zentrale in Brüssel gegeben habe.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg | Bildquelle: AFP
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Stoltenberg will von Gesprächen wissen - Griechenland verneint.

Türkei sucht nach Gas- und Ölvorkommen

Die Spannungen zwischen den beiden Ländern hatten zuletzt stark zugenommen. Die Türkei suchte mit einem Forschungsschiff nach Erdgas- und Erdölvorkommen im östlichen Mittelmeer - und zwar konkret in Gewässern, die Griechenland für sich beansprucht.

Stoltenbergs Gesprächsankündigung folgte auf eine Erklärung der Türkei, wonach Russland in diesem Monat Marineübungen im östlichen Mittelmeer ausführen werde - also dort, wo die Türkei bereits mit einem Forschungsschiff nach Erdöl- und Erdgasvorkommen sucht. Aus Sicht Griechenlands befindet sich das Gebiet auf dem griechischen Festlandsockel.

Türkei und Russland haben Verbindungen ausgebaut

Warum die Türkei anstelle von Russland die Marineübungen ankündigte, war zunächst unklar. Allerdings haben die beiden Länder in den vergangenen Jahren ihre militärischen, politischen und wirtschaftlichen Verbindungen ausgebaut. Im Bürgerkriegsland Syrien sprechen sie sich bei Militäreinsätzen eng ab.

Am Donnerstag sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in einer Videokonferenz. In einer Stellungnahme seines Büros hieß es, er wolle eine Vereinbarung, mit der die Ressourcen "fair" geteilt werden. Merkel hatte bereits mehrmals versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch Außenminister Heiko Maas reiste schon zu Gesprächen in die Türkei und nach Griechenland.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. September 2020 um 06.30 Uhr.

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