Mehrere Tote in der Südosttürkei Kämpfe zwischen Polizei und Kurden

Stand: 07.08.2015 17:23 Uhr

In der Türkei sind bei neuen Zusammenstößen zwischen der Polizei und militanten Kurden mehrere Menschen getötet worden. In der Provinz Sirnak hätten PKK-Anhänger Sicherheitskräfte angegriffen, teilten die Behörden mit. Kurdenvertreter widersprachen.

Im Südosten der Türkei ist es erneut zu Gewalt zwischen Sicherheitskräften und militanten Kurden gekommen. Mindestens fünf Menschen wurden getötet.

Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu eskalierte die Gewalt in der Stadt Silopi in der Region Sirnak, als die Polizei Gräben zuschütten wollte, die jugendliche PKK-Anhänger zur Abwehr der Sicherheitskräfte angelegt hatten. Damit sollten die Einsatzkräfte offenbar daran gehindert werden, Wohnviertel zu betreten und dort mutmaßliche PKK-Kämpfer festzunehmen. Mindestens drei Kurden wurden der Agentur AFP zufolge getötet, sie seien im Krankenhaus ihren Schussverletzungen erlegen.

Die PKK-Anhänger hätten die Sicherheitskräfte mit Brandsätzen, Raketenwerfern und Gewehren angegriffen und Barrikaden errichtet, teilte das Gouverneursbüro der Region mit.

Die prokurdische Demokratische Volkspartei widersprach den Angaben. Bei den Opfern handle es sich um Zivilisten, sagte der Abgeordnete Faysal Sariyildiz. Er habe keine bewaffneten Extremisten gesehen. Vielmehr hätten Hunderte Polizisten mit gepanzerten Fahrzeugen versucht, in die Stadt einzudringen, und das Feuer auf die Einheimischen eröffnet. "Die Polizei muss sofort abziehen, um die Lage zu entspannen", forderte er. Es sei zu befürchten, dass andernfalls die Zahl der Toten und Verletzten noch steigen werde.

Die Gefechte in Silopi dauerten mehrere Stunden an. In der Stadt waren sporadische Schusswechsel zu hören, Rauch stieg auf. Sicherheitskräfte patrouillierten in gepanzerten Geländewagen und mit Wasserwerfern durch die Straßen, während vermummte Jugendliche sie von den Straßenecken aus beobachteten.

Autos auf Schnellstraße angegriffen

Die Nachrichtenagentur DHA berichtete zudem, auf einer Schnellstraße zwischen Agri und Van hätten PKK-Kämpfer Fahrzeuge gestoppt und in Brand gesteckt. Die Extremisten hätten das Feuer auf einen Bus aus dem Iran eröffnet, der nicht angehalten habe. Dabei seien der Assistent des Busfahrers getötet und drei Passagiere verletzt worden. Als Sicherheitskräfte an den Ort des Angriffs gekommen seien, seien zweistündige Kämpfe ausgebrochen und ein Soldat erschossen worden.

Auch in anderen Landesteilen im Südosten kam es zu Zusammenstößen. Von dort wurden aber keine Toten gemeldet. Der Konflikt in der Türkei eskaliert seit vergangenem Monat.

Die türkische Regierung und die PKK hatten ihren 2013 geschlossenen Waffenstillstand aufgehoben, nachdem sich die Spannungen infolge eines Selbstmordanschlags auf ein Treffen prokurdischer Freiwilliger im Grenzort Suruc vor zweieinhalb Wochen erheblich verschärft hatten. Den Anschlag soll die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) begangen haben.

Viele Kurden machen die türkische Regierung für den Anschlag mitverantwortlich, weil diese lange nicht gegen den IS vorging. Seit dem Anschlag fliegt die Türkei Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien, aber auch auf die PKK im Nordirak.

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