Pressekonferenz der pro-kurdischen HDP zum Ende des Hungerstreiks | Bildquelle: AFP

Türkei Kurden beenden Hungerstreik

Stand: 26.05.2019 17:47 Uhr

Tausende Kurden haben ihren Hungerstreik in der Türkei beendet. Sie folgten damit einem Aufruf des PKK-Gründers Öcalan, gegen dessen Haftbedingungen sie gestreikt hatten.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Leyla Güven ist Parlamentsabgeordnete der pro-kurdischen HDP in der Türkei. Ein Jahr lang saß die 55-jährige in Diyarbakir im Gefängnis. Sie soll, wie so viele, Mitglied einer Terrororganisation sein, für die verbotene kurdische PKK Propaganda gemacht haben.

Schließlich ging sie in Hungerstreik aus Protest gegen die Isolationshaft von PKK-Chef Abdullah Öcalan. Im Januar kam sie aus der Untersuchungshaft frei, ihr Hungerstreik ging weiter - bis heute.

Güven verläßt das Haus im Rollstuhl. Sie trägt eine Halskrause. Ihr Gesicht unter den kurzen grauen Haaren wirkt fahl und klein. Während sie spricht, fallen ihr immer wieder die dunklen Augen zu: "Ich wünschte, wir könnten Erfolg haben, ohne jemanden zu verlieren. Wir empfinden Trauer in unserem Herzen, aber der Widerstand hat gewonnen. Die Gefangenen haben gewonnen."

Sie wirkt schwach und zeigt sich trotzdem kämpferisch, erhebt mühsam die Hand zum Peace-Zeichen umringt von Anhängern.

Leyla Güven beendete ihren Hungerstreik. | Bildquelle: REUTERS
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Leyla Güven beendete ihren Hungerstreik.

Tausende Kurden im Hungerstreik

Leyla Güven war die erste, die im November in Hungerstreik ging. Tausende kurdische Häftlinge in der Türkei und auch im Ausland seien ihr gefolgt, teilte die HDP mit. Acht Menschen hätten sich sogar das Leben genommen, darunter ein Mann in Krefeld.

Alle beenden nun den Hungerstreik. Sie folgen einem Aufruf von Öcalan, den seine Anwältin Newroz Uysal in Istanbul verlas: "Genossen, ich rufe alle, die im Hungerstreik sind und sich zum Todesfasten verpflichtet haben, dazu auf, ihre Aktion zu beenden. Das Ziel Eurer Aktion ist definitiv erreicht. Ich sende Euch meine Liebe und meinen Dank."

Abdullah Öcalan hört am 29.06.1999 vor einem Militärgericht auf der Gefängnisinsel Imrali (Türkei) die Urteilsverkündung
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Öcalan wurde 1999 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Europarat kritisierte Haftbedingungen

Ziel der Aktion der Hungerstreikenden war, die Isolationshaft von Öcalan auf der Gefängnisinsel Imrali bei Istanbul zu beenden. Dort sitzt Öcalan seit 20 Jahren eine lebenslange Haftstrafe wegen Hochverrats ab. Im Januar bekam er das erste Mal seit zwei Jahren wieder Besuch von seinem Bruder. Anfang des Monats durften ihn dann seine Anwälte das erste Mal seit acht Jahren wieder treffen.

Schon damals appellierte der 71-Jährige an die Hungerstreikenden, ihre Gesundheit nicht zu gefährden. Kurz danach hob ein Gericht das Besuchsverbot für seine Anwälte ganz auf. Das Anti-Folter-Komitee des Europarates hatte zuvor mehrere türkische Gefängnisse untersucht und Haftbedingungen kritisiert, auch die von Öcalan.

Kurdische Gefangene in der Türkei beenden Hungerstreik
Karin Senz, ARD Istanbul
27.05.2019 07:20 Uhr

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