Ein Ferienhaus, das von Yusuf Soral in Kas vermietet wird. | Bildquelle: Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Turkish Airlines will fliegen Türkische Hoteliers hoffen auf Touristen

Stand: 07.05.2020 13:53 Uhr

Turkish Airlines will den Flugverkehr stufenweise wieder aufnehmen - Verbindungen nach Deutschland inklusive. Das würde auch der darbenden Tourismus-Branche helfen. Karin Senz hat mit Hotelbetreibern gesprochen.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul, zzt. in Kas

Es ist idyllisch ruhig auf der Halbinsel von Kas im Südwesten der Türkei. So ruhig ist es sonst nur im Winter. Für die, die ihr Geld mit Urlaubern verdienen, hat die Ruhe wenig Idyllisches - denn normalerweise hätte die Saison schon angefangen.

Burak Corumluoglu, Vorsitzender des Hotelverbandes von Kas | Bildquelle: Karin Senz, ARD-Studio Istanbul
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Corumluoglu hatte sich über viele frühe Buchungen gefreut - dann kam Corona.

Und für diese Saison hatte man sich viel vorgenommen. Rekorde bei den Übernachtungszahlen sollten gebrochen werden, erzählt Burak Corumluoglu, Vorsitzender des Hotelverbandes von Kas: "Dieses Jahr hatten wir 28 Prozent mehr Frühbucher als in den vergangenen Jahren. Das lief richtig gut. Dann haben sie angefangen, ihre Buchungen zu stornieren, vor allem die am Anfang der Saison. Der Mai fällt komplett flach, jetzt geht es an die Juni-Buchungen und teils auch schon an die im Juli und August, vor allem wegen der Flüge."

Corumluoglu hatte damit gerechnet, dass dieses Jahr mehr als die Hälfte der Urlauber aus dem Ausland kommen, vor allem aus Deutschland und Großbritannien, aber auch zum Beispiel aus den USA. Allerdings schloss die Türkei ihre Grenzen im März. Turkish Airlines setzte alle Flüge bis mindestens 28. Mai aus.

Keine Probleme bei Ferienhäusern

Yusuf Soral übernahm erst in diesem Jahr ein Boutique-Hotel mit 18 Zimmern auf der Halbinsel von Kas. Er renoviert und investiert trotz Corona-Krise, allerdings nur eingeschränkt, erklärt der 34-Jährige: "Ich mache im Moment nur, was unbedingt sein muss, um öffnen zu können. Reparaturen, streichen, den Poolbereich herrichten, die Fugen und einige Schreinerarbeiten. Ich habe schon vor zu Öffnen. Dementsprechend bin ich mit den Vorbereitungen weitgehend durch."

Für seine fünf Ferienhäuser, zwei davon mit Blick auf das Mittelmeer, ist Soral optimistisch: "Ich glaube nicht, dass wir bei den Villen groß Verluste einfahren werden. Denn die Villen sind in sich abgeschlossen oder sagen wir: Da kann man sich besser vor Infektionen schützen. Aber wegen des Hotels treibt es mich schon ein bisschen um, es gibt zu viele soziale Bereiche. Da müssen wir wohl warten und sehen."

Deutschland-Flüge geplant

Ende des Monats soll es wieder Inlandsflüge geben, melden türkische Medien. Internationale Verbindungen will die wichtige halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines schrittweise wieder aufnehmen. Bei der ersten Stufe im Juni sollen auch Flughäfen in Deutschland dabei sein.

Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy weiß allerdings, dass Touristen nur kommen, wenn sie sich sicher fühlen. Im Fernsehen kündigte er Ende April deshalb eine Reihe an Vorgaben an: "Angefangen von der Sterilisierung von Flughafen-Shuttles über Pandemieschulungen für das Personal bis hin zur Desinfektion von Räumlichkeiten und Gegenständen. Auch ein Sicherheitsabstand muss eingehalten werden."

Geschlossene Restaurants und Geschäfte im bei Touristen beliebten Hamamonu Distrikt in Ankara. | Bildquelle: AFP
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Auch in Ankaras Hamamonu Distrikt herrscht derzeit gähnende Leere.

"Wir brauchen Details zu den neuen Regeln"

Der Hotel-Verbandsvorsitzende Corumluoglu sitzt auf einer Terrasse in der Sonne und macht sich Gedanken. Er will diese Anweisungen umsetzen. Aber er und seine Kollegen haben noch viele Fragen: "Wo bekommen wir die richtigen Reinigungsmittel her und welche Marken müssen wir nehmen? Wir haben noch nicht angefangen, dass alles umzusetzen. Dafür brauchen wir Details zu den neuen Regeln für das Hotelgewerbe."

Weniger Sonnenliegen, keine großen Buffets

An den Stränden der Ägäis und des Mittelmeers soll es nur noch halb so viele Sonnenliegen geben. Außerdem sei geplant, All-Inclusive-Buffets in großen Hotels abzuschaffen, heißt es von Tourismus-Verantwortlichen. Minister Ersoy denkt noch einen Schritt weiter: "Wir haben ein Projekt ins Leben gerufen. Es wird ein System von Zertifikaten für Corona-freie Zonen geben wird. Das wird in Zusammenarbeit unter anderem mit dem Gesundheits- und dem Verkehrsministerium geben - unter Leitung des Ministeriums für Tourismus."

Ein ungewöhnlicher Appell

Tourismusverbands-Chefin Munise Ozan | Bildquelle: Karin Senz, ARD-Studio Istanbul
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Munise Ozan empfängt gerne Touristen - aber gern ein bisschen später.

Der Branche in Kas dürfte das sehr entgegenkommen. Der Landrat hat erst vor Kurzem erklärt, dass in seinem Kreis in der Provinz Antalya keine Coronavirus-Fälle bekannt sind. Allerdings kommt diese Werbung im Moment noch nicht gut an. Alle in der Region haben Angst, dass sich jetzt vor allem die Istanbuler auf den Weg zu ihnen machen.

Die Metropole ist der Corona-Hotspot in der Türkei. Das bringt die Chefin des örtlichen Tourismusverbandes, Munise Ozan, zu einem ungewöhnlichen Aufruf: "Erstmal geht es darum, zu überleben. Ihre und unsere Gesundheit ist sehr wichtig. Kommen Sie nicht jetzt nach Kas. Kommen Sie später. Wenn wir soweit sind, dann rufen wie Sie."

Sie lacht, aber man spürt wie schwer ihr diese Worte fallen. Alle hier wollen wieder Urlauber empfangen - nicht nur wegen des Geldes. Ihnen fehlt das Leben in den Gassen ihres idyllischen Urlaubsortes.

Im Juni Flüge in die Türkei geplant - Urlaubsregionen hoffen auf Gäste
Karin Senz, ARD Istanbul
07.05.2020 11:20 Uhr

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Korrespondentin

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