Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Festgehaltener US-Pastor Trump droht Türkei mit Sanktionen

Stand: 26.07.2018 19:51 Uhr

US-Präsident Trump hat wegen des türkischen Vorgehens gegen einen amerikanischen Geistlichen "große Sanktionen" gegen die Türkei angekündigt. Der Pastor steht wegen Terrorverdachts vor Gericht. Ihm drohen bis zu 35 Jahre Haft.

Im Streit um einen protestantischen US-Pastor, der seit mehr als eineinhalb Jahren in der Türkei festgehalten wird, hat US-Präsident Donald Trump dem Land "weitreichende Sanktionen" angedroht. Pastor Andrew Brunson sei "ein großartiger Christ, ein Familienmensch und wunderbarer Mensch", schrieb Trump auf Twitter.

Die Türkei verbat sich umgehend derartige Drohungen. "Niemand macht der Türkei Vorschriften", twitterte Außenminister Mevlüt Cavusoglu. "Der Rechtsstaat gilt für alle - ohne Ausnahme." Der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, bezeichnete die «bedrohliche Wortwahl der US-Regierung gegen die Türkei, einen Nato-Alliierten», als nicht akzeptabel. Die USA müssten verstehen, dass sie nichts erreichen würden mit Drohungen zu einem Fall, der der unabhängigen Justiz des Landes unterliege. Sie sollten ihren "Ansatz überdenken", bevor sie der Allianz mit der Türkei weiteren Schaden zufügten.

Außenminister telefonieren

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete am späten Abend, nach dem Tweet und den Reaktionen aus der Türkei hätten der türkische und der amerikanische Außenminister miteinander telefoniert. Details zum Gespräch gab es zunächst nicht.

Der Pastor steht wegen Terrorverdachts vor Gericht. Ein türkisches Gericht hatte Brunsons Untersuchungshaft in Hausarrest umgewandelt, nachdem gesundheitliche Probleme des Pastors bekannt geworden waren. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis dürfe er sein Haus im westtürkischen Izmir nicht verlassen, berichtete der Sender CNN Türk unter Berufung auf die Gerichtsentscheidung.

US-Pastor Andrew Brunson | Bildquelle: AP
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Der protestantische US-Pastor Andrew Brunson befindet sich seit mehr als eineinhalb Jahren in Haft.

Vorwurf auf Verbindungen zur PKK und zu Gülen

Brunson sollen demnach elektronische Fußfesseln angelegt werden, oder er soll durch eine ähnliche technische Vorrichtung kontrolliert werden. Ihm werden Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und zur Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Dafür drohen ihm bis zu 15 Jahre Gefängnis, weil er "im Namen von Terrorgruppen" Verbrechen begangen haben soll, sowie weitere 20 Jahre wegen Spionage.

Die nächste Gerichtsverhandlung ist am 12. Oktober. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte in der Vergangenheit einen Austausch von Gülen gegen Brunson vorgeschlagen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juli 2018 um 18:00 Uhr.

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