Demonstranten in Tunis

Anti-Terrorkampf in Tunesien Drahtzieher des Tunis-Anschlags tot

Stand: 29.03.2015 15:33 Uhr

Elf Tage nach dem Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis mit 22 Toten ist der mutmaßliche Drahtzieher bei einem Anti-Terroreinsatz getötet worden. Das teilte Ministerpräsident Essid mit. Seinem Aufruf zu einem Gedenkmarsch für die Opfer waren Tausende Tunesier gefolgt.

Anderthalb Wochen nach dem Terroranschlag auf das Nationalmuseum in Tunis haben Sicherheitskräfte einen der mutmaßlichen Drahtzieher getötet. Das teilte Tunesiens Ministerpräsident Habib Essid mit.

Er sagte, der mutmaßliche Terrorist Chaled Chaieb habe für den nordafrikanischen Ableger von Al Kaida gekämpft und werde verdächtigt, die Terrorattacke auf das Museum am 18. März geführt oder maßgeblich dabei geholfen zu haben. Chaieb sei in der Nacht zu Sonntag bei einem Einsatz in der Region Gafsa nahe der algerischen Grenze getötet worden.

Das Nationalmuseum in Tunis
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Das "Bardo"-Nationalmuseum in Tunis soll am Montag wieder für Touristen geöffnet werden.

Zuvor hatte das Innenministerium mitgeteilt, bei Anti-Terroreinsätzen im ganzen Land hätten Sicherheitskräfte neun Verdächtige getötet. Sie sollen der Okba-Ibn-Nafaa-Brigade angehört haben, die als größte Dschihadistengruppe des Landes gilt. Die mutmaßlichen Terroristen seien in der im Südwesten gelegenen Region Sisi Aich nahe der algerischen Grenze gestellt worden. Regierungschef Essid teilte mit, auch der Okba-Ibn-Nafaa-Anführer, Lokmane Abou Sakhr, sei getötet worden.

Bei einem anderen Einsatz seien in der Region Kef im Nordwesten des Landes einige Extremisten verletzt worden.

Trauermarsch für die Opfer

In Tunis versammelten sich bis zu 20.000 Menschen, um der Anschlagsopfer zu gedenken. Sie riefen: "Freies Tunesien, Terrorismus raus" - und zogen vom Regierungssitz zum "Bardo"-Nationalmuseum, wo Extremisten am 18. März 21 Menschen getötet hatten. Die meisten Opfer waren ausländische Urlauber. Sie stammten aus Australien, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kolumbien, Polen, Russland und Spanien. Inzwischen erlag eine weitere Touristin ihren Verletzungen, womit sich die Zahl der Opfer auf 22 erhöhte.

Demonstranten in Tunis
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In Sprechchören riefende die Tausenden Demonstranten: "Freies Tunesien, Terrorismus raus!"

An dem Marsch und einer anschließenden Anti-Terror-Feier nahmen neben führenden tunesischen Politikern unter anderem der französische Präsident François Hollande, der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi, Polens Präsident Bronislaw Komorowski und Bundesinnenminister Thomas de Maizière teil.

Obwohl sich die Terrorgruppe "Islamischer Staat" zu dem Anschlag bekannte, macht die tunesische Regierung die Okba-Ibn-Nafaa-Brigade dafür verantwortlich. Diese hatte sich jüngst vage auf den IS bezogen, war in der Vergangenheit aber mit dem Al-Kaida-Netzwerk verbündet. Nach dem Terroranschlag waren mehrere Personen festgenommen worden, darunter ein Polizist, der für die Überwachung des Museums verantwortlich war. Weitere fünf Sicherheitsbeamte wurden entlassen.

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