Blumen Sousse | Bildquelle: dpa

Nach dem Anschlag von Sousse "Eine Katastrophe für den Tourismus"

Stand: 27.06.2015 17:38 Uhr

Noch sitzt der Schock über den Anschlag tief, doch viele fürchten, dass der Terror Tunesien auch langfristig verändern wird. Denn die Touristen - eine wichtige Einnahmequelle - verlassen in Scharen das Land.

Von Stefan Ehlert, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika, zzt. Sousse

Die Blumen für die Opfer - sie verwelken schnell in der Sonne am Anschlagsort von Sousse, vor dem Hotel Imperial Merhaba. Doch unter den Folgen des Attentats dort werden die Tunesier noch lange zu leiden haben. Kaum jemand weiß das besser als die, die unmittelbar Abhängen vom Geschäft mit den sonnenhungrigen Kunden. Zum Beispiel Mohamed, er betreibt in einer Hotelanlage neben dem Anschlagsort einen Kiosk: "Das ist jetzt das Ende des Tourismus, eine Katastrophe", sagt er.

Sein Kollege Hamsa, einer der Animateure, stimmt ihm zu. Gestern morgen hat er noch fröhlich Volleyball am Strand gespielt mit den Gästen aus aller Welt. Heute sind mehr als die Hälfte der Gäste weg, Strand, Pool und viele Liegen bleiben leer. Wen soll er hier zu Spaß und Sport animieren? "Was soll ich jetzt tun? Was soll ich denn jetzt tun?", fragt der sportliche junge Mann im roten T-Shirt, der Uniform der Animateure. Er half Opfer zu versorgen, Menschen in Sicherheit zu bringen, erzählt seine Kollegin Turaya: "Wir haben geholfen, die Leute vom Strand zu holen, sie auf ihre Zimmer oder in die Bar geschickt und dann das Tor zum Strand geschlossen."

Touristen in Sousse
galerie

Nur noch raus aus Tunesien: Touristen auf dem Flughafen nahe Sousse.

Touristen verlassen das Land

Und heute? Heute reisen die Gäste zu Hunderten ab. Manche bleiben auch, aber im Foyer des Hotels Mouradi Palm Marina in Sousse warten viele geschockte Urlauber auf eine Reisemöglichkeit in die Heimat. Die vielen Toten, die lange halbe Stunde, bis die Polizei den Täter endlich stoppen konnte, das Blut und die Trauer lassen keinerlei Urlaubsfreude mehr aufkommen.

Noch liegen schwer verwundete Opfer in den Hospitälern von Sousse. Nach dem zweiten tödlichen Anschlag auf Touristen in Tunesien in drei Monaten haben die Menschen dort ihr Vertrauen in den Sicherheitsapparat verloren, nicht nur die Touristen. Am Nachmittag kam es gar zu ein kleinen Demonstration in dem Touristenort, gegen den Terror.

"Die Welt muss uns helfen"

Die Hotel-Branche fordert nun ein Sicherheitskonzept für ihren Sektor. Fredsch Dhifallah ist Direktor der Bettenburg Hotel Mouradi, direkt neben dem Anschlagsort. Er sagt: "Wir brauchen eine effektivere Polizei, warum sollen wir nicht private Sicherheitsunternehmen beauftragen, die Hoteleingänge und die Strände zu überwachen."

Gemeint ist bewaffneter Schutz für die Strandgänger, Röntgenscanner in den Eingängen und mehr Überwachungskameras. Tunesiens Hoteliers wollen sich nicht Kampflos der Sicherheitskrise in ihrem Land ergeben. "Doch dabei muss die Welt uns helfen", sagt Kioskbetreiber Mohamed. "Jeder weiß doch, dass wir keine Terroristen sind." Unter denen, die Unterstützung anbieten, ist auch Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere. Er will am Montag persönlich nach Sousse reisen.

Hotline Tunesien

Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Über eine Hotline mit der Telefonnummer 030/5000-3000 können sich Angehörige informieren.

Wie die Reiseveranstalter auf den Anschlag in Tunesien reagieren

Alle großen deutschen Reiseveranstalter bieten ihren Kunden inzwischen einen kostenlosen Rücktritt von Reisen innerhalb eines bestimmten Zeitraums nach Tunesien an. Ebenfalls ist es für viele Touristen, die derzeit in Tunesien Urlaub machen und früher nach Hause wollen, möglich, auf einen zeitigeren Rückflug umzubuchen.

TUI: Der Konzern hat für Kunden eine kostenlose Hotline unter der Telefonnummer +49 (0)511 567 8000 eingerichtet (Samstag 27.06.15 von 09:00-18:00 Uhr, Montag 29.06.15 von 09:00-19:00 Uhr). Gäste, die in der aktuellen Sommersaison eine Tunesienreise gebucht haben, können bis einschließlich 15. September gebührenfrei umbuchen oder stornieren. Für Urlauber vor Ort, die ihre Reise vorzeitig beenden wollen, organisiert die TUI vorzeitige Abreisen.

Der Reisekonzern hat außerdem viele Flüge nach Tunesien annulliert. Die britische TUI-Airline und die belgische Fluglinie Jetairfly, die auch zu TUI gehört, haben die Flüge in das Land vorerst eingestellt, sagte ein Sprecher von TUI in Hannover. Am Samstag sollten sechs leere Flugzeuge von Belgien nach Tunesien starten, um von dort Touristen zurückzuholen. Flüge von Deutschland seien kaum betroffen, da es nur wenige Verbindungen von TUI selbst gebe.

Thomas Cook: Die deutschen Veranstalter der Thomas Cook AG bieten ihren Kunden für alle Tunesien-Reisen (Enfidha, Djerba, Tunis) mit Abflug bis einschließlich 24. Juli die Möglichkeit zur kostenlosen Stornierung oder Umbuchung. Zum Konzern gehören Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Last Minute, Air Marin und Condor.

Alltours: Urlaube können gebührenfrei umgebucht werden. Für Abreisen bis 31.07. sind kostenlose Stornierungen möglich.

Schauinsland Reisen: Urlaube mit Anreise bis 24.07. können kostenlos storniert oder umgebucht werden. Alle Reisenden mit Anreise bis 31.08. können kostenfrei umbuchen. Allen Pauschal- und Nur-Flug-Gästen, die vorzeitig den Urlaub abbrechen möchten, bietet das Unternehmen kostenfreie Umbuchung auf frei verfügbare Rückflugplätze innerhalb des Flugkontingents an. Nur-Hotel-Gästen, die vor Ort in Tunesien sind, werden Rückflugplätze im Rahmen des bestehenden Kontingentes zu den aktuellen Preisen angeboten.

Darstellung: