Der ukrainische Präsident Poroschenko und sein Herausforderer Selenskij beim TV-Duell in Kiew | Bildquelle: AP

Präsidentenwahl in Ukraine Das Ende eines skurrilen Wahlkampfs

Stand: 20.04.2019 11:48 Uhr

Das Rededuell in Kiew sollte den unentschlossenen Ukrainern eine letzte Entscheidungshilfe vor der Stichwahl geben. Doch statt Inhalten bekamen sie wieder nur persönliche Angriffe zu hören.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Mehr als 20.000 Menschen waren im Kiewer Olympiastadion, Millionen saßen vor den Fernsehapparaten. Die Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten gestern Abend war der Schlusspunkt eines Wahlkampfes, den es so in der Ukraine noch nicht gegeben hat. Es war ein Kampf, der in weiten Teilen im Netz geführt wurde: mit Videobotschaften und digitalen Duellen, mit Drogen- und Alkoholtests, mit vielen Anschuldigungen und Unterstellungen.

Amtsinhaber Poroschenko und der Komiker Selenskyj haben sich im Stadion von Kiew ein Rededuell geliefert. | Bildquelle: AFP
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Rededuell mit Stadionatmosphäre: Amtsinhaber Poroschenko und der Komiker Selenskij haben im Stadion von Kiew debattiert.

"Ich bin die Quittung"

Auch die letzte Hoffnung auf einen inhaltlichen Schlagabtausch wurde gestern enttäuscht. Wladimir Selenskij, der Komiker und Überraschungssieger der ersten Runde, ging gleich zu Beginn der Debatte direkt zum Angriff über. Mit Petro Poroschenko, höhnte er, sei die Ukraine zum "ärmsten Land unter dem reichsten Präsidenten" geworden. Vor den Kameras verspreche er viel, am Ende aber kümmere er sich nur um eigene Belange, seine Geschäfte und seine Freunde.

Er hingegen sei kein Politiker, sagt Selenskij. "Ich bin ein einfacher Mensch. Einer, der gekommen ist, um dieses System zu durchbrechen. Ich bin die Quittung für Ihre Fehler und die gebrochenen Versprechen."

Wahlkampf in Zeiten des Krieges
tagesthemen 23:25 Uhr, 20.04.2019, Ina Ruck, ARD Moskau, zzt. Kiew

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Poroschenko keilt zurück

Der amtierende Präsident, der sich eigentlich vorgenommen hatte, den Politikneuling inhaltlich zu stellen, keilte zurück und warf Selenskij Feigheit und Inkompetenz vor. Er sei nicht mehr als eine teure, bunte Verpackung, die jeder beliebig mit Wünschen füllen könnte: angefangen bei niedrigeren Gaspreisen, hin zu höheren Löhnen, den Weg nach Russland oder aber in die EU. "Sie haben selbst gesagt, dass sie die Katze im Sack sind. Sie sind aber keine Katze im Sack, sie sind der Sack." Und in diesem Sack steckten die Katze und der Teufel: "Ex-Vertreter der Partei der Regionen und Menschen, die meinem Land drohen. Wir lassen sie nicht an die Macht!"

Der Präsidentschaftskandidat Selesnkij grüßt siegessicher seine Anhänger im Kiewer Olympiastadion. | Bildquelle: SERGEY DOLZHENKO/EPA-EFE/REX
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Selenskij zeigte sich siegessicher. Er stellt sich als Gegenpol zur Elite dar.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko | Bildquelle: REUTERS
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Präsident Poroschenko versucht hingegen, mit Erfahrung zu punkten.

"Gewissenlose Show"

Statt über politische Programme, über den künftigen Weg der Ukraine zu debattieren, ergingen sich beide in Anschuldigungen über Abhängigkeiten, falsche Versprechen, Korruption und Bereicherung. Antworten, wie man die Probleme des Landes und der Menschen lösen könnte - Fehlanzeige. Widerlich das sei das, meint Valentin, "weil meine Oma nur 1500 Hrywnja Rente bekommt. Weil sie damit nicht mal ihre Gas- und Stromrechnung bezahlen kann. Und die beiden besitzen die Frechheit, hier eine solche Show zu veranstalten. Jungs, Ihr seid gewissenlos!"

20 Prozent der Wähler sind Umfragen zufolge noch unentschlossen, wem sie am Sonntag ihre Stimme geben werden. Die Nase vorn hat weiter Selenskij, der als Hoffnungsträger gilt, obgleich oder gerade weil er nur vage skizziert hat, was er konkret als Präsident tun will. Poroschenko liegt in den Umfragen weit abgeschlagen hinter dem Herausforderer. Beobachter bezweifeln, dass ihm seine eindringlichen Appelle helfen werden, dass Land nicht einem unerfahrenen Neuling zu überlassen, weil davon allein der russische Präsident profitiere.

Ukraine: Abschluss eines ungewöhnlichen Wahlkampfs
Christina Nagel, ARD Moaskau
20.04.2019 10:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. April 2019 um 07:11 Uhr.

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