Nicolas Hulot | Bildquelle: CHRISTOPHE PETIT TESSON/EPA-EFE/

Französischer Umweltminister Der große Frust des Nicolas Hulot

Stand: 28.08.2018 13:19 Uhr

Am Morgen kündigte der französische Umweltminister Hulot überraschend seinen Rücktritt an. Er begründete den Schritt mit zu geringen Fortschritten der Regierung im Umweltbereich.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Ein Jahr gab sich Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot, um seine Arbeit und damit die Fortschritte der französischen Regierung in Umweltfragen zu bewerten. Das sagte er Ende Oktober in einem Interview mit der Zeitung "Le Monde".

Ein bisschen mehr als ein Jahr nach seinem Eintritt in die Regierung zieht er im französischen Radiosender France Inter Bilanz:

"Ich will mich nicht länger selbst belügen. Ich will mich nicht mehr der Illusion hingeben, dass meine Anwesenheit in der Regierung bedeutet, dass wir die Umweltpolitik in den Mittelpunkt stellen. Deshalb habe ich entschieden, aus der Regierung zurückzutreten."

Hulot hatte das Amt mehrmals abgelehnt

Die Begründung von Hulot klang dabei wie eine Abrechnung mit den ambitionierten Zielen für die Umweltpolitik, die der französische Präsident Emmanuel Macron noch in seinem Wahlkampf formuliert hatte: Weder das Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat noch das Erreichen des Ziels, den Atomanteil an der französischen Stromproduktion bis 2025 um die Hälfte zu senken, konnte er als Umweltminister verkünden: "Haben wir angefangen, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren? Die Antwort ist nein. Haben wir angefangen, etwas gegen den Verfall der Artenvielfalt zu tun? Die Antwort ist nein. Haben wir angefangen etwas dafür zu tun, dass unsere Böden erhalten bleiben? Die Antwort ist nein."

Hulot war 2017 überraschend als Umweltminister in die Regierung eingetreten. Schon Macrons Vorgänger Jaques Chirac und Francois Hollande hatten um den ehemaligen Fernsehmoderator und Umweltaktivisten geworben. Hulot hatte das Amt des Umweltministers mehrmals abgelehnt. Auch deshalb hatten französische Medien immer wieder über einen möglichen Rücktritt Hulots spekuliert.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron | Bildquelle: REUTERS
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Emmanuel Macron dürfte die Nachricht des Rücktritts von Hulot nicht gefallen.

Hulot informierte niemanden über seine Entscheidung

Seine Ankündigung kam trotzdem wie ein Paukenschlag. Regierungssprecher Benjamin Griveaux, eingeladen in der Frühsendung des Fernsehsenders BFM, erfuhr kurz vor Beginn der Live-Sendung von dem Rücktritt: "Sie haben wie ich", sagte der Moderator zu Beginn der Sendung, "vom Rücktritt Hulot erfahren." "Vor wenigen Minuten", antwortete Regierungssprecher Griveaux.

Hulot hatte im Vorfeld weder Präsident Macron noch Premierminister Edouard Philippe über seine Entscheidung informiert. Die Art und Weise, wie der Umweltminister seinen Rücktritt kommunizierte, kritisierte Regierungssprecher Griveaux scharf.

Trotzdem würdigte Griveaux die bisherige Arbeit von Nicolas Hulot: "Ich spüre seine Enttäuschung. Aber ich will auch an seine Verdienste, die Verdienste der Regierung aus dem vergangenen Jahr erinnern." Man verändere die französische Agrarpolitik nicht mit einem Fingerschnippen, nicht in eineinhalb Jahren. Er hätte sich gewünscht, dass er bleibe, sagte Griveaux, schließlich habe Hulot seine Überzeugungen mit großem Engagement vertreten: "Ich bedauere seinen Rücktritt."

Weiterer Rückschlag für Macron

Bedauern teilte auch der Elyséepalast mit. Die Bilanz der französischen Umweltpolitik unter Minister Hulot sei die beste seit Jahren, heißt es aus dem Präsidentenpalast. Man wolle die Richtung auch nach dem Rücktritt von Nicolas Hulot nicht ändern.

Präsident Macron - gerade auf Auslandreise in Skandinavien - äußerte sich noch nicht zum Rücktritt. Ihm dürfte die Nachricht alles andere als gefallen. Kurz bevor die französische Politik aus der Sommerpause startet, ist sie ein weiterer Rückschlag für den Präsidenten. Seine Vorschläge für die EU-Reform stocken, das Wirtschaftswachstum im Land sinkt und die im Sommer aufgekommene Affäre um seinen prügelnden Leibwächter dürften die Rentrée für Präsident Macron nicht gerade angenehm gestalten.

Frankreichs Umweltminister Hulot tritt zurück
Sabine Wachs, ARD Paris
28.08.2018 12:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2018 um 12:00 Uhr.

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