Der stellvertretende russische Ministerpräsident Novak und Ugarns Außenminister  Szijjarto | Bildquelle: AFP

In EU noch nicht zugelassen Ungarn kauft russischen Impfstoff Sputnik V

Stand: 22.01.2021 16:07 Uhr

Ungarn hat große Mengen des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V gekauft - obwohl dieser in der EU noch nicht zugelassen ist. Für Ministerpräsident Orban ist die EU bei der Impfstoffbeschaffung zu langsam.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Der ungarische Außenminister Peter Szijjártó ist gerade in Moskau und meldet einen Verhandlungserfolg: Ungarn kauft eine große Menge des russischen Impfstoffs Sputnik V. Der Kaufvertrag mit dem russischen staatlichen Investitionsfonds sei bereits in der Nacht unterzeichnet worden:

"Laut Vertrag kaufen wir eine Menge, die für die Impfung von einer Million Menschen ausreicht. Das bedeutet zwei Millionen Impfdosen. Wir haben vereinbart, dass wir sie in drei Tranchen kaufen. In erstem Monat bekommen wir Impfungen, die für 300.000 Menschen reichen. In zweitem Monat für eine halbe Million. Und im drittem Monat für 200.000 Menschen."

Als erstes Land der EU Notfallgenehmigung erteilt

Wann genau geimpft wird, sagte Szijjártó jedoch nicht. Die ungarischen Behörden haben vor wenigen Tagen eine Notfallgenehmigung für den Einsatz des russischen Impfstoffs erteilt - als erstes Land innerhalb der EU.

Laut Vorschrift der europäischen Arzneimittelbehörde EMA können nationale Behörden in Dringlichkeitssituationen selbst entscheiden, welche Impfstoffe sie freigeben. Ungarn hat auch für den in Großbritannien zugelassenen Impfstoff von AstraZeneca grundsätzlich grünes Licht gegeben. Außerdem will das Land großflächig den Impfstoff einsetzen, der vom chinesischen Pharma-Giganten Sinopharm angeboten wird. Hier steht aber eine Zulassung in Ungarn noch aus.

"Es geht nicht, dass Menschen sterben, weil Brüssel zu langsam ist"

Ministerpräsident Viktor Orban kritisierte in einem Radiointerview erneut die Europäische Union wegen der aus seiner Sicht schleppenden Impfstoffbeschaffung: "Meiner Meinung nach brauchen ich und die Ungarn keine Erklärung, sondern eine Impfung. Und falls diese nicht aus Brüssel kommt, dann muss man sie woanders her  besorgen." Die europäische Einheit sei schön. Es sei auch wichtig, einander zu helfen und sich an Vereinbarungen zu halten. "Aber es geht nicht, dass Menschen in Ungarn sterben, weil Brüssel bei der Beschaffung der Impfung zu langsam ist. Das ist nicht akzeptabel. Wir müssen die Impfung besorgen."

Die Opposition in Ungarn widerspricht. András Fekete Györ von der oppositionellen  Momentum-Bewegung nannte es "ein sehr gefährliches Spiel", das Orban in den letzten Monaten spiele: "Er drückt den Menschen russische und chinesische Impfstoffe unter die Nase. Beide könnten aber gefährlich sein. Ich würde mich damit nicht impfen lassen, solange die Europäische Arzneimittelagentur sie nicht zugelassen hat."

Viele Ungarn sind skeptisch

Ungarn hat knapp zehn Millionen Einwohner und nach offiziellen Angaben sollen bislang 330.000 Dosen im Land angekommen sein - und zwar die der beiden in der EU zugelassenen Impfstoffe von BioNTech und Moderna.

Doch viele Ungarn begegnen der Corona-Impfung generell mit Skepsis: "Ich habe Angst vor den Nebenwirkungen und bin auch skeptisch. Ich habe Zweifel, ob die Impfung sicher ist", sagt ein Mann. Und eine Frau meint: "Sie haben nicht richtig getestet. Weniger als ein Jahr - oder nur halbes Jahr - das ist zu wenig."

Andere nehmen es eher mit Humor und präsentieren kreative Vorschläge für eine Immunisierung: "Ins Bier sollen sie die Impfung tun, dann die Kneipen aufmachen. Dann wären in einer Woche alle geimpft."

Ungarn kauft russischen Corona-Impfstoff "Sputnik V"
Srdjan Govedarica, ARD Wien
22.01.2021 15:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 22. Januar 2021 um 15:50 Uhr.

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