Kinder schauen aus dem vergitterten Fenster in einer indischen Schule | Bildquelle: AFP

UNICEF zu Gewalt an Schulen Gemobbt, geschlagen, missbraucht

Stand: 06.09.2018 09:57 Uhr

Schule soll ein Ort des Lernens sein, in Sicherheit und frei von Ängsten: Doch Millionen Schulkinder weltweit erfahren laut dem Kinderhilfswerk UNICEF in der Schule verbale oder körperliche Gewalt.

Millionen von Kindern oder Jugendlichen sind einer Studie des UN-Kinderhilfswerks UNICEF zufolge in ihrem Schulalltag Mobbing oder einer Form der Gewalt ausgesetzt. Von 150 Millionen Schulkindern im Alter zwischen 13 und 15 Jahren hätte jedes Zweite allein im vergangenen Monat Mobbing erlebt oder sei innerhalb eines Jahres in eine Schlägerei verwickelt gewesen.

Der Bericht von UNICEF basiert grundlegend auf zwei Studien der Weltgesundheitsorganisation: der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie "Health Behaviour in School-aged Children" (HBSC), die alle vier Jahre erhoben wird, und der GSHS-Studie ("Global school-based student health survey"), die sich auf Regionen in der Welt konzentriert, in denen Schulkinder besonders hohen Risiken ausgesetzt sind, Opfer von Gewalt zu werden. Beide Studien umfassen insgesamt 122 Länder und spiegeln die Situation von rund 50 Prozent aller Kinder zwischen 13 und 15 Jahren weltweit wider.

Sexuelle Gewalt, Strafen, Bombenangriffe

UNICEF führt in seinem Bericht sowohl das Mobbing direkt in der Schule oder über das Internet auf. Zudem unterscheidet das Hilfswerk zwischen mehreren Formen der Gewalt, unter denen Kinder weltweit zu leiden haben: darunter körperliche Gewalt, etwa durch Schlägereien oder durch das Drangsalieren durch Gangs und Gruppen. Aber auch sexuelle Gewalt an Schülern, körperliche Bestrafungen im Unterricht oder Angriffe auf Schulen in Kriegsgebieten werden in der Studie erfasst.

Die meisten Probleme gibt es in den Krisenregionen dieser Welt, wie aus dem Bericht deutlich wird. So seien im vergangenen Jahr in Syrien, im Jemen, in der Republik Kongo und im Südsudan fast 400 Angriffe auf Schulen verübt worden. Schätzungen der UN zufolge leben derzeit weltweit rund 158 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren in Konfliktländern.

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Schläge als Erziehungsmaßnahme

Etwa 720 Millionen Schulkinder sind durch die Gesetze in ihren Ländern nicht vollständig vor körperlichen Strafen im Unterricht geschützt: Als Beispiel nennt die UNICEF-Studie Indien. 78 Prozent der acht Jahre alten Schulkinder und 34 Prozent der 15-Jährigen haben demnach angegeben, in der Schule körperlichen Strafen ausgesetzt zu sein.

Die Ursachen, die zum Mobbing oder der Gewalt führen, sind laut Hilfswerk unterschiedlich: Veraltete Strukturen in den Institutionen oder im Denken - etwa das Festhalten an der Sichtweise, Frauen seien minderwertiger als Männer, oder Vorurteile gegenüber Transgender oder Homosexualität.

Die UNICEF-Chefin Henrietta Fore warnte vor den Konsequenzen für die Kinder und Jugendlichen: "Kurzfristig stört es das Lernen, langfristig kann es zu Depressionen, Ängsten und sogar zu Suiziden führen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2018 um 06:30 Uhr und 07:30 Uhr.

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