US-Soldat in Syrien | Bildquelle: AFP

Verlegung der US-Truppen Von Nordsyrien in den Westirak

Stand: 20.10.2019 11:31 Uhr

Die USA wollen den Großteil ihrer aus Nordsyrien abgezogenen Soldaten in den Westirak verlegen. Einsätze in Syrien will Pentagon-Chef Esper aber im Rahmen der Anti-IS-Mission nicht ausschließen.

Die USA wollen 700 ihrer bisher in Nordsyrien stationierten Soldaten in den Westirak verlegen. Das teile Verteidigungsminister Mark Esper mit. Diesen Plan habe er bereits mit der irakischen Regierung abgestimmt. Zwischen 200 und 300 US-Soldaten sollen demnach im südsyrischen Stützpunkt in Al-Tanf verbleiben.

Zum ersten Mal erläuterte Esper damit die Pläne für die US-Truppen nach dem Rückzugsbefehl aus Nordsyrien. Demnach soll das US-Militär weiter Operationen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" ausführen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die US-Truppen vom Irak aus zu Anti-Terror-Einsätzen in Syrien aufbrechen. Details dazu würden noch ausgearbeitet.

Beratung mit NATO-Partnern angekündigt

US-Verteidigungsminister Esper | Bildquelle: REUTERS
galerie

US-Verteidigungsminister Esper will das weitere Vorgehen mit den NATO-Partnern abstimmen.

Über die weiteren Schritte bei der Anti-IS-Mission wolle er kommende Woche bei einem NATO-Treffen beraten. Wegen der Offensive der Türkei bildete die NATO einem der Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge einen Krisenstab.

US-Präsident Donald Trump hatte den Abzug der 1000 US-Soldaten aus Nordsyrien befohlen. Der Rückzug ebnete einer türkischen Militäroffensive gegen die syrisch-kurdischen Kämpfer den Weg. Die türkische Regierung sieht Verbindungen der syrisch-kurdischen Miliz YPG zu kurdischen Untergrundkämpfern in der Türkei. Daher stuft sie die Gruppe als Terrororganisation ein.

Vor wenigen Tagen einigten sich die USA und die Türkei auf eine Feuerpause in Nordsyrien. Esper räumte ein, dass es trotz der Vereinbarung vereinzelt Kämpfe gebe. Doch insgesamt scheine die Feuerpause zu halten.

Türkei berichtet von Verletzung der Feuerpause

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara starb ein türkischer Soldat durch Beschuss der YPG. Ein weiterer sei bei dem Angriff in der Region um Tall Abjad verletzt worden. Die Soldaten seien bei einer "Aufklärungs- und Überwachungsmission" unter anderem mit Panzerabwehrwaffen beschossen worden. Das türkische Militär habe zurückgefeuert.

Rückzug syrischer Truppen gefordert

Türkischer Präsidentensprecher Ibrahim Kalin | Bildquelle: AP
galerie

Der türkischer Präsidentensprecher Kalin verlangte den Rückzug syrischer Regierungstruppen aus Nordsyrien.

Ankara forderte den Rückzug syrischer Regierungstruppen aus der Nähe der Grenze. In der Gegend sollten sich weder kurdische Kämpfer noch syrische Soldaten aufhalten, sagte der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin. Die Türkei wolle dort zwei Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge ansiedeln. Diese wollten nicht in Gebiete zurückkehren, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden, vor der sie einst geflüchtet seien.

Die Kurden forderten ihrerseits freien Abzug ihrer verbliebenen Kämpfer und von Zivilisten aus der belagerten Stadt Ras al-Ajn. Erst dann würden sie sich aus der Grenzregion zurückziehen, sagte der ranghohe Vertreter der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), Redur Chalil. Die Räumung in Ras al-Ajn sei um 48 Stunden verzögert worden, weil von der Türkei unterstützte Kämpfer die Stadt immer noch belagerten. Ein Teilabzug aus Ras al-Ain hatte am Samstag begonnen.

Kurden stellen Bedingung für Rückzug

Es war das erste Mal, dass die syrisch-kurdischen Kämpfer öffentlich einen Rückzug aus der Grenzregion bestätigten. Das Vorgehen sei mit den USA abgesprochen, sagte Chalil. Er betonte, seine Truppen würden sich aus einem 120 Kilometer langen und rund 30 Kilometer breiten Gebiet zwischen Ras al-Ajn und Tell Ajbad entfernen - aber nur, wenn die Türkei der Bedingung folge.

Die Größe des Gebietes bestätigten auch US-Regierungsbeamte. Erdogan verlangt jedoch den Abzug der Kurden aus einem mehr als 440 Kilometer langen Grenzstreifen vom Euphrat bis zur irakischen Grenze. Andernfalls werde die Türkei ihre Offensive nach dem Ende der vereinbarten Kampfpause am Dienstag wieder aufnehmen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Oktober 2019 um 09:00 Uhr.

Darstellung: