Biden und Sanders | Bildquelle: dpa

US-Vorwahlen Endlich eine Frau als Vizepräsidentin?

Stand: 10.03.2020 19:35 Uhr

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten sind mit Biden und Sanders nur noch zwei ältere weiße Männer. Könnte es mit dem Sieger zum ersten Mal eine Vizepräsidentin geben - oder sogar mit Trump?

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Amy Klobuchar | Bildquelle: REUTERS
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Senatorin Klobuchar hat offenbar Ambitionen auf den Vize-Posten.

Vor einer guten Woche wollte Amy Klobuchar noch selbst Präsidentin werden. Jetzt macht die Senatorin aus Minnesota Wahlkampf für ihren ehemaligen Konkurrenten Joe Biden. Und dabei unterlief ihr am Wochenende ein vielbeachteter Versprecher: Nichts sei besser, als jetzt Biden zu unterstützen - als Teil seines Tickets, hätte Klobuchar da fast gesagt, bevor sie sich noch schnell korrigierte.

Denn als "Teil des Tickets", das bedeutet in den USA: Als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft. Zwar steht noch nicht mal der Name für den Top-Job fest. Umso heftiger wird schon spekuliert - und innerhalb der demokratischen Partei auch Druck gemacht: Jetzt, wo nur noch zwei alte weiße Männer im Rennen sind, soll wenigstens eine Frau Vize werden, fordert beispielsweise die mächtige Frauenorganisation "Super Majority".

Viele mögliche Kandidatinnen

Und so sehen es auch Männer wie Jesse Jackson, der schwarze Bürgerrechtler, der selbst mehrfach Präsident werden wollte und jetzt Bernie Sanders unterstützt. Er wünscht sich eine Afro-Amerikanerin auf dem Ticket, denn die seien bislang in der US-Gesellschaft unterrepräsentiert.

Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden mit US-Senator Kamala Harris and Michigan-Gouverneur Gretchen Whitmer bei einem Wahlkampfauftritt in Detroit, Michigan. | Bildquelle: REUTERS
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Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden mit US-Senator Kamala Harris and Michigan-Gouverneur Gretchen Whitmer bei einem Wahlkampfauftritt in Detroit, Michigan.

Kandidatinnen jeglicher Hautfarbe gibt es theoretisch genug: die Senatorinnen Kamala Harris und Elizabeth Warren, die ehemalige Kongressabgeordnete Stacey Abrams. Gouverneurinnen wie Gretchen Whitmer aus Michigan im Mittleren Westen, die US-Präsident Trump in ihrer Gegenrede zur Lage der Nation frontal angegriffen hatte, oder Val Demings, Kongressabgeordnete aus Florida, die sich als demokratische Anklägerin im Amtsenthebungsverfahren einen Namen gemachte hatte.

Bloß nicht zu früh zucken

Aber auch beim VP-Posten gilt: Wer zu früh zuckt, wird es eher nicht. Entsprechend erklärte die Afro-Amerikanerin Demings bei CNN nur, wie geehrt sie sich fühle, überhaupt in Betracht gezogen zu werden: "Ich bin die Tochter eines Zimmermädchens und eines Hausmeisters. Und ich hatte in meinem Leben schon einige tolle Möglichkeiten. Ich bin Produkt des amerikanischen Traums. Und insofern fühle ich mich geehrt, aber auch demütig, wenn Leute mich überhaupt auf dieser Liste sehen."

In der US-Geschichte gab es erst zwei offizielle - und letztlich erfolglose - Kandidatinnen für den Vize-Posten. Und ausgerechnet Hillary Clinton, gescheiterte Präsidentschaftskandidatin, bremste im Interview bei CNN: "Natürlich fände ich es toll, wenn eine Frau mit auf dem Wahlzettel stünde. Aber wer die eigentliche Nominierung bekommt, muss sich vor allem überlegen: Wer wird ihm helfen, die nötigen Stimmen bei der Wahlmänner-Versammlung zu gewinnen?"

Vize mit Erfahrung gesucht

Auch das Thema Erfahrung spielt eine Rolle, denn sowohl Biden als auch Sanders dürften im Fall ihrer Wahl höchstens eine Amtszeit im Weißen Haus bleiben. Die jeweilige Vizin müsste sofort übernehmen können.

Pete Buttigieg | Bildquelle: AFP
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Der aus dem Rennen ausgestiegene Buttigieg wird von Biden sehr geschätzt.

Und dann wäre da noch der Faktor Chemie - und damit ist auch wieder ein Mann im Spiel: Pete Buttigieg, der ehemalige Bürgermeister aus Indiana, der vor gut zehn Tagen zu Gunsten von Biden aus dem Rennen schied. Der wiederum war davon schwer gerührt: "Ich habe das noch nie über jemanden gesagt: Aber er erinnert mich an meinen Sohn Beau. Das mag Ihnen allen nichts sagen. Aber für mich ist das das höchste Kompliment."

Üblicherweise präsentiert ein Präsidentschaftskandidat seinen sogenannten "Running Mate", also Vize, erst kurz vor den Nominierungsparteitagen im Sommer - viel Zeit also für weitere Gedankenspiele.

Und was macht Trump?

Trump und Haley | Bildquelle: AP
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Schon lange Vertraute: Trump und Haley

Die gibt es übrigens auch im republikanischen Lager: Um speziell bei Frauen wieder besser zu punkten, könnte Trump seinen bisherigen Vize Mike Pence ersetzen - durch Nikki Haley, die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Die hat das zwar schon vor Monaten dementiert, spekuliert aber wird weiter.

Vor nächster Vorwahlrunde: Wieder viele Bewerber – jetzt für Vizepräsident
Julia Kastein, ARD Washington
10.03.2020 18:39 Uhr

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