US-Präsident Donald Trump reckt auf der Wahlkampfbühne in Tulsa die Faust in die Höhe. | Bildquelle: AP

US-Präsidentenwahlkampf Ärger über Trumps Playlist

Stand: 12.07.2020 04:41 Uhr

Normalerweise freuen sich Musiker, wenn ihre Songs auf großen Veranstaltungen gespielt werden. Geschieht dies bei Wahlkampfkundgebungen von US-Präsident Trump, sieht dies jedoch oft anders aus.

 Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Trotz Corona-Krise ist Präsident Donald Trumps Wahlkampagne schon in vollem Gange. Seine Wahlkampfkundgebungen sind gigantische Inszenierungen, bei denen er sich von seinen Anhängern feiern lässt. Ganz wichtig dabei ist die Musik, die Trumps Auftritt begleitet. Immer häufiger beschweren sich allerdings Musiker darüber, dass Trump ihre Songs für seine Kundgebungen benutzt - ohne vorher um Erlaubnis zu fragen.

Die Liste derjenigen, die Beschwerde eingelegt haben, ist lang: Von Rihanna über Adele bis zu den Rollings Stones und auch wieder Neil Young. Sein "Keep on Rocking in the Free World" gehört ganz offensichtlich zu Trumps Lieblingssongs. Auch bei seinem letzten Auftritt am Mount Rushmore tönte dieser durchaus kritische Song aus den Lautsprechern. Sehr zum Missfallen des 74-jährigen Rockmusikers, der keinesfalls mit Präsident Trump in Verbindung gebracht werden will.

Neil Young (Archivbild)
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Neil Young hofft auf eine Abwahl Trumps - und will nicht, dass dieser seine Musik für Wahlkampfzwecke nutzt.

Offener Brief von Neil Young

 "Ich hoffe, sie wählen ihn ab", sagte Neil Young vor ein paar Monaten in einem Interview. Mehrmals hat er bereits vehement gegen die Verwendung seiner Songs auf Trump-Events protestiert - vergeblich. Nun schrieb er sogar einen offenen Brief: "Obwohl ich Sie wiederholt gebeten habe, meine Musik nicht zu verwenden, weil dies darauf hinweist, dass ich Ihre Agenda unterstütze, haben Sie meine Songs bei Ihren Versammlungen trotzdem immer gespielt, ohne Rücksicht auf die Urheberrechte."

Neil Young ist nicht der einzige, der heftig protestiert: Aerosmith, Adele, Rihanna, die Familie von Tom Petty, Village People, Queen, Elton John - die Liste ist endlos. Doch Trump tut es immer wieder. Offensichtlich haben Klagen keinen Zweck. Nach dem amerikanischen Urheberrecht kann der Präsident seine eigene Playlist aufstellen, denn die großen Arenen, in denen er sich von seinen Anhängern feiern lässt, besitzen Lizenzverträge, die ihnen das Abspielen von Musik gestatten.

Musik schon immer für Wahlkampf wichtig

Und laute, aufpeitschende Rockmusik gehört zum Sound einer Veranstaltung einfach dazu - erklärt Wahlkampexperte Frank Sesno: "Die Musik, die Trump aussucht und die dann zu seinem Markenzeichen wird, bestimmt den Ton. Die Musik heizt das Publikum an und macht Stimmung. Das ist sehr wichtig."

Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood von den Rolling Stones bei einem Auftritt ihrer No Filter-Tour in Pasadena. | Bildquelle: REUTERS
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Auch den Rolling Stones wäre es lieber, wenn Trump auf ihre Songs verzichten würde.

Zuletzt hatten die Rolling Stones sich empört, dass ihr Song "You can’t always get what you want" bei Trumps Rede zum Unabhängigkeitstag am Mount Rushmore  gespielt wurde. Inwiefern der Refrain - auf Deutsch: "Du bekommst nicht immer was du willst" zu Trumps derzeitiger Situation passt, sei schwer zu verstehen, sagt Sesno: "Keine Ahnung, was er mit diesem Song ausdrücken wollte. Klar, die Rolling Stones sind eine tolle Band. Vermutlich wollte er damit seine Basis ansprechen, die weiße Arbeiterklasse. Vielleicht wollte er sagen, vielleicht kriegt man nicht immer, was man will, aber man kämpft dafür. Ich bin ein Kämpfer."

Von der Blaskapelle zum Charterfolg

Die Geschichte zeigt es: Eine amerikanische Wahlkampfveranstaltung ist ohne treibende Beats nicht denkbar, sagt der Wahlkampfexperte. "Es gab schon immer Blaskapellen, lange bevor es Fernsehen und Radio gab. Ronald Reagan zum Beispiel hat immer Lee Greenwood 'I'm proud to be an American' gespielt, und das wurde zu seiner Hymne." Und ganz zufällig ist das auch einer der Lieblingssongs von Präsident Trump, der auf keiner Wahlkampfrally fehlen darf.

Immer mehr Beschwerden: Trump und seine Wahlkampf-Playlist
Claudia Sarre, ARD Washington
12.07.2020 06:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Juli 2020 um 12:50 Uhr.

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