Ein Mädchen aus New Jersey legt ihre Hand an eine Plexiglasscheibe. Dahinter sitzt der Weihnachtsmann. | Bildquelle: AP

Vorweihnachtszeit in den USA "Santa ist immun"

Stand: 01.12.2020 08:57 Uhr

Auch wenn Kuscheln mit dem Weihnachtsmann im Einkaufszentrum verboten ist: Der Weihnachtsbegeisterung der Amerikaner kann selbst Corona nichts anhaben. Und der "echte" Santa sei gegen das Virus ja ohnehin immun, heißt es.

Von Jule Käppel, ARD-Studio Washington

Die beste Nachricht gleich vorweg: Der Weihnachtsmann wird in diesem Jahr ausschließlich Freude verbreiten, aber nicht das Virus. Mit einem Augenzwinkern hatte der bekannteste US-Virologe Anthony Fauci Entwarnung gegeben. Die Meldung verbreitete sich im Nu. "Der dicke Mann in Rot ist immun gegen Covid-19. Neben all seinen guten Eigenschaften hat er eine gute angeborene Immunität."

Schön für ihn und alle Kinder. Doch seine ständigen Vertreter, die Weihnachtsmänner in den Shopping-Malls, haben keinen natürlichen Schutzschild. Beim Foto-Shooting mit dem Weihnachtsmann ist Kuscheln in diesem Jahr streng verboten. Stattdessen stehen die Kinder vor einer Plexiglasscheibe. Dahinter sitzt der Weihnachtsmann. Im Einkaufszentrum in Maryland hört der dunkelhäutige Santa gerade Sprachnachrichten vom Handy ab. Ein Foto gibt es erst nach Online-Reservierung. Er hat nichts zu tun.

Tannenbaum-Boom

Der dreijährige Jamari mit federweichem Lockenkopf winkt dem Weihnachtsmann aus der Ferne zu. Dass ihr Sohn nicht auf dem Schoß sitzen darf, bricht seiner Mutter Tiana fast das Herz. "Es nervt", sagt die 23-Jährige und schaut mitleidig auf den gelangweilten Weihnachtsmann. Neben ihm steht ein Ventilator, um Aerosole wegzupusten. Die Elfen haben Desinfektionsmittel im Anschlag. "Das ist nicht das Gleiche", findet die Mutter, deshalb gibt es in diesem Jahr kein Foto.

Dekorierte Häuser in Kalifornien | Bildquelle: ETIENNE LAURENT/EPA-EFE/Shutters
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Das Weihnachtsdorf "Wonderland" in Kalifornien ist dieses Jahr nur mit dem Auto befahrbar.

An anderer Stelle läuft das Geschäft hingegen fantastisch. Tannenbäume sind so gefragt wie lange nicht mehr. Drei von vier Amerikanern haben künstliche Bäume zu Hause. Doch in der Corona-Zeit boomen die echten Tannen. Nach Thanksgiving beginne die Saison, sagt Benny am Verkaufsstand in Washington. Es wird Zeit, findet er. "Es ist Weihnachten."

Weihnachtsvorfreude verlängert

Im Corona-Jahr laufen die Uhren scheinbar schneller, und es soll noch gemütlicher sein. Früher als sonst funkelten die ersten Weihnachtsbäume bereits Mitte November hinter den Fensterscheiben. Und seit dem Wochenende gibt es kein Halten mehr. An den Türen hängen Weihnachtskränze, um Treppengeländer winden sich Girlanden aus Tannenzweigen. Wer einen Hingucker für den Vorgarten sucht - das aufblasbare XXL-Rentier mit Fellbezug gibt es für umgerechnet 150 Euro. Es ist so groß wie ein Elefant. Und Lichterketten überall.

Das Weiße Haus in Washington ist mit Weihnachtsbäumen geschmückt | Bildquelle: REUTERS
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Insgesamt 62 Weihnachtsbäume schmücken das Weiße Haus.

"Die Kunden wollen es größer und strahlender in diesem Jahr", erzählt Kevin Young auf CNBC. Er arbeitet bei einem Dekorationsservice. 2019 hatte die Firma landesweit 4000 Häuser mit Lichtern zugetackert. In diesem Jahr werden es doppelt so viele - mindestens. Kaum zu übertreffen ist allerdings der Glitzerrausch im Weißen Haus mit 3200 Lichterketten und 62 Weihnachtsbäumen.

Die Amerikaner sind bereit für das Fest der Liebe, und sie geben sich jetzt schon musikalisch die volle Dröhnung. Davon profitiert wieder einmal die inoffizielle Königin der Weihnachtszeit: Mariah Carey. "All I Want for Christmas Is You", ihr Mega-Hit von 1994, ist bereits Ende November in die Single-Charts eingestiegen - auch er so früh wie nie zuvor.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 01. Dezember 2020 um 11:50 Uhr.

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