Donald Trump | Bildquelle: AP

US-Drogenkrise Trump ruft Gesundheitsnotstand aus

Stand: 27.10.2017 02:10 Uhr

US-Präsident Trump hat die Opioidkrise zu einem nationalen Notstand der öffentlichen Gesundheit erklärt. Die Opioidsucht sei die schlimmste Drogenkrise in der Geschichte der USA. Trotzdem doch blieb er hinter seinen Ankündigungen zurück.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Die Zahl der Drogentoten steigt in den USA seit Jahren unaufhörlich. Rund 64.000 Amerikaner sind im vergangenen Jahr an einer Überdosis gestorben, schätzt das Weiße Haus - am häufigsten durch Heroin, Schmerzmittelmissbrauch oder durch hoch wirksame synthetische Drogen wie Fentanyl.

"Es sterben heute mehr Menschen durch Drogenmissbrauch, als durch Schusswaffen und bei Verkehrsunfällen zusammen", sagte US-Präsident Donald Trump. Er spricht von der schlimmsten Drogen-Epidemie aller Zeiten. Zu lange habe man zugesehen. Jetzt müsse gehandelt werden.

Per Unterschrift weist Trump das Gesundheitsministerium an, den nationalen Gesundheitsnotstand formal zu erklären. Die Regierungsbehörden erhalten dadurch einen größeren Handlungsspielraum, um so den besonders stark betroffenen Bundesstaaten schnell und unbürokratisch zu helfen.

Trump bleibt hinter Ankündigungen zurück

Doch mehr Geld stellt die US-Regierung damit nicht zur Verfügung. Mittel sollen durch Umschichtungen aus anderen Hilfsprogrammen frei werden.

Damit bleibt Trump hinter seinen eigenen Ankündigungen zurück. Seit August versprach er immer wieder, eigentlich einen Schritt weiter zu gehen, indem er den Nationalen Notstand im Katastrophenfall ausruft. Dann hätte unter anderem auch ein Katastrophennothilfe-Fonds angezapft werden können. Trumps eigene von ihm eingesetzte Fachkommission zur Opioid-Krise hatte ihn dazu gedrängt. Kritiker meinen, trotz der großen Worte packe die US-Regierung das gewaltige Drogenproblem nur halbherzig an.

Opiodhaltige Tabletten | Bildquelle: AP
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Experten sehen in Opioid-haltigen Schmerzmitteln eine Ursache für die aktuelle Drogenkrise in den USA.

Mauer zu Mexiko soll helfen

Für die US-Regierung ging es in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem um Verbrechensbekämpfung. Sie sagte Drogendealern, Banden, kriminellen Ärzten und Apothekern den Kampf an. In seiner Rede im Weißen Haus brachte Trump sogar seine Mauer zu Mexiko ins Spiel.

90 Prozent des Heroins kämen aus dem Süden. Die künftige Grenzmauer werde Drogenhändler stoppen, zeigte sich Trump überzeugt. Selbst erfahrene Drogenfahnder bezweifeln dies.

Außerdem sind es längst Schmerzmittel auf Rezept und billige, aber hochgefährliche synthetische Stoffe wie Fentanyl, die den Schwarzmarkt beherrschen.

Chuck Rosenberg von der US-Drogenfahndung forderte im Radiosender NPR, das Drogenproblem viel grundsätzlicher anzupacken. Er geht zur Frage zurück, warum überhaupt so viele zu den teuflischen Substanzen greifen:

"Wir müssen eben auch unser Verhalten verändern - wie wir Schmerzmittel verschreiben und wir sie konsumieren." Es sei wie beim Rauchen: "Wir können auch hier unsere Kultur ändern. Aber ist wirklich sehr schwierig."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Oktober 2017 um 04:56 Uhr.

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