Straßenreparatur in Los Angeles

Marode Straßen in Los Angeles Flickenteppich statt Highway

Stand: 17.10.2015 14:03 Uhr

Anders als in New York spielt in Los Angeles der öffentliche Nahverkehr keine Rolle. Der Straßenverkehr dafür umso mehr. Doch trotz Schlaglöchern und Dauerstaus zögert die Politik, mehr gegen das tägliche Chaos zu tun.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Ich bin auf dem Freeway 10 unterwegs - es rumpelt und rattert ganz gewaltig. Ich fühle mich eher wie in einer Waschmaschine im Schleudergang, als auf einer Straße. Der Straßenbelag sieht aus wie zusammengeflickt, besteht aus verschiedenen Beton- und Asphaltarten und immer wieder: Schlaglöcher.

Die Stadt Los Angeles bewertet ihre Straßen nach dem Schulnotensystem: A ist super, F miserabel. 40 Prozent der Straßen in Los Angeles haben derzeit ein D oder F bekommen und müssten dringend repariert werden. Im Straßen- und Verkehrsamt wurde jahrelang Misswirtschaft betrieben, wie Wirtschaftsprüfer Ron Galperin im vergangenen Jahr aufgedeckt hat.

Zum Beispiel ist unklar, wie viele Schlaglöcher die Behörde überhaupt schon gefüllt hat: "In 60 Prozent der Fälle gab es keine Unterlagen darüber, ob das Loch gefüllt wurde und wie der Zustand der Straße danach war", sagt Galperin.

Nicht nur unangenehm, auch teuer

Die Folge des Berichts: Das Geld für Reparaturen wurde zeitweise eingefroren, die Reparaturarbeiten standen teilweise still. Die schlechten Straßen sind für Autofahrer aber nicht nur unangenehm, sondern auch teuer. Laut einer neuen Studie kosten unter anderem Schäden durch Schlaglöcher den Autofahrer durchschnittlich mehr als 1000 Dollar an Reparaturkosten im Jahr.

Aber selbst wenn es in Los Angeles mal großflächige Reparaturarbeiten gibt, droht das nächste große Problem: Als die verkehrsintensive Autobahn 405 in Los Angeles im Jahr 2011 für dringende Arbeiten geschlossen werden musste, verlor die Stadt eine ihrer wichtigsten Verkehrsadern. In den Medien sprach man vom "Carmageddon".

Stockender Verkehr in Los Angeles
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Stockender Verkehr in Los Angeles: Im Durchschnitt stehen die Menschen in der US-Metropole 80 Stunden im Stau.

Öffentlicher Nahverkehr spielt keine Rolle

Straßen zu schließen ist hier besonders dramatisch, denn ohne Auto geht in Los Angeles nichts. Das hat mit der jungen Geschichte der Stadt zu tun, erklärt mir Verkehrsexperte Alan Pisarski: "Die Stadt wuchs vor allem im Zeitalter des Autos nach den 1940er-Jahren. Es gibt kein richtiges Zentrum in der Stadt, sie ist weit auseinandergerissen."

Das ist auch ein Problem für den öffentlichen Nahverkehr. Busse beispielsweise brauchen aufgrund der langen Distanzen Stunden von A nach B - und stehen natürlich auch im Stau. Das U-Bahn- oder Straßenbahnsystem ist nur minimal vorhanden, was auch an der Lage im Erdbebengebiet liegt.

Eine Alternative zum Auto gibt es also nicht wirklich - Stau gehört zum täglichen Leben der Menschen dazu: "Man muss wissen, wann man sich mit dem Auto bewegen kann - sonst wird's frustrierend", sagt ein Mann. Und eine Frau ergänzt: "Ich hab ein GPS und suche mir den Weg um den Stau. Ich weiß nicht, wie wir das vorher gemacht haben."

Straßenverkehrsschild in Los Angeles
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Jahrelang wurde der Straßenbau vernachlässigt.

Per App den Stau umgehen

Woanders spricht man übers Wetter, in Los Angeles über den Verkehr. Diese Erfahrung macht auch Katrin Osmialowski täglich, eine Deutsche die schon lange in den USA lebt. Für sie sind außerdem die Navigations-Apps, die auch die aktuelle Stausituation bei der Routenplanung mit einbeziehen, ein Riesenthema: "Seit kurzem sind alle auf 'Waze' - das wird dann auch in den Sprachgebrauch übernommen. Es heißt dann: 'Oh wait, I'll waze it.'" Im Durchschnitt stehen die Menschen in Los Angeles 80 Stunden im Jahr im Stau. Übertroffen wird das nur noch von Washington, D. C.

Es müssten zusätzlich zu den Reparaturen landesweit auch noch mehr Straßen gebaut werden. Das Geld dafür kommt vor allem aus dem sogenannten Highway Trust Fund, der über die Benzinsteuer finanziert wird. Genau das ist das Problem, sagt Verkehrsexperte Pisarski: "Zehn bis 15 Cent mehr pro Gallone würden schon helfen. Aber die Politiker haben Angst vor der negativen Reaktion der Bevölkerung."

In Kalifornien zumindest hat sich Gouverneur Jerry Brown für eine solche Erhöhung nun stark gemacht. Doch bis die notwendigen Reparaturen anlaufen, dürfte das dauern. Die Bürger von Los Angeles müssen also bis auf Weiteres mit Buckelpisten, Schlaglöchern und stundenlangen Staus leben.

Der kaputte Riese - Serie zur US-Infrastruktur

Brücken brechen zusammen, Wasserleitungen bersten, tiefe Schlaglöcher: In einer Serie berichten die ARD-Studios in Washington, New York und Los Angeles über die marode Infrastruktur in den USA.

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