Wasserleitungen bei Stockton

Alte Leitungen sorgen für Probleme Wasserrohre aus dem Bürgerkrieg

Stand: 18.10.2015 12:14 Uhr

Die Wasserleitungen in den USA sind alt. Unweit des Weißen Hauses liegen etwa Rohre aus der Zeit des Bürgerkrieges von 1865. Doch die Bürger wollen nicht für eine Erneuerung zahlen. Deshalb flicken die Arbeiter mühsam Leck um Leck.

Von Andreas Horchler, ARD-Hörfunkstudio Washington

Die Great Falls am Potomac-Fluß, ein paar Kilometer westlich der Stadt. Imposante Felsen, herabstürzendes Wasser, ein Park mit alten Bäumen. Oberhalb der Wasserfälle entnimmt der Versorger DC-Water das Trinkwasser für die US-Hauptstadt, bereitet es auf, bringt es in die Haushalte der knapp 660.000 Einwohner.

Unten in der Stadt, einen Steinwurf vom US-Kapitol entfernt, arbeitet ein Bautrupp in gelben Uniformen. Fast eine Viertelmillion Rohrbrüche zählt der Wasserverband AWWA. Projektmanagerin Lopa Singh und ihre Arbeiter reparieren: "Diese Leitung stammt ungefähr aus dem Jahr 1883." Alt, aber nicht die älteste Struktur in Washington.

Kunden wollen nicht für neue Leitungen zahlen

George Hawkins ist Vorstandsvorsitzender von DC Water. Sein Büro ist im Südosten der Stadt. Hier wird das Abwasser in der einen modernen Anlage nach dem Gebrauch wieder aufbereitet. Das Leitungssystem ist alles andere als modern. "Das Durchschnittsalter einer Hauptleitung in Washington beträgt 79 Jahre", berichtet Hawkins.

"Das bedeutet, die Hälfte unseres Leitungssystems ist älter. Wir haben in der Nähe des Weißen Hauses Leitungen, die immer noch in Betrieb sind und vor dem amerikanischen Bürgerkrieg verlegt wurden. Der Bürgerkrieg endete 1865. Es ist also ein sehr altes System."

Great Falls
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Die Great Falls am Potomac-Fluß. Von hier kommt das Wasser für die rund 660.000 Washingtoner Bürger.

Sanierung uralter Wasserleitungen
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Doch in der Stadt bereiten die Leitungen Probleme. Deshalb müssen häufig Reparaturtrupps anrücken.

Die Kassen sind leer

Hawkins hat es mit schier unlösbaren Problemen zu tun: Seine Kunden haben sich in Jahrzehnten daran gewöhnt, für den Transport des Trinkwassers, nicht aber für die Abnutzung des Leitungsnetzes zu zahlen, viele Einwohner können sich höhere Wasserrechnungen nicht leisten, die Stadtkasse des Hauptstadtdistriktes ist leer, höhere Steuern sind kaum durchsetzbar.

"Die politische Welt nimmt das Thema Infrastruktur nicht in hinreichendem Maß zur Kenntnis. Das gilt besonders für die Wasser-Infrastruktur", bemängelt Hawkins. "Ich werde gefragt: Wie viele Jobs unterstützen sie mit Wasser? Und ich sage: Alle! Ohne uns kann man keine Leute einstellen, sich nicht einmal in einem Gebäude aufhalten. Wie viele Leben wir schützen? Alle! Und es geht nicht nur um Menschen. Wasser ist das einzige Element, das allem Leben zugrunde liegt, das wir kennen."

Verkehrsbehinderungen nerven die Menschen

George Hawkins
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George Hawkins, Vorstandsvorsitzender von DC-Water, trägt die Verantwortung für die Leitungen in der US-Hauptstadt.

Draußen auf der Baustelle ist ein weiteres Rohr im Erdreich verschwunden. DC-Water-Manager Richard Delaney und seine Leute leiden nicht nur unter mangelhafter Finanzierung, sondern auch unter den Arbeitsbedingungen: "Wenn wir endlich mit den Schaufeln ins Erdreich kommen, liegt ein langer Genehmigungsprozess hinter uns, zum Beispiel Treffen mit den Nachbarschaftsräten", erzählt er. "Wenn wir mit der Arbeit beginnen, kommt es natürlich zu Verkehrsbehinderungen."

Die Wasserinfrastruktur im ganzen Land lässt zu wünschen übrig. Die Sanierung geht quälend langsam voran. DC-Water-Chef Hawkins berät sich auch auf nationaler Ebene mit seinen Kollegen. Neben den lokalen Problemen sieht er die zunehmende Wasserknappheit im Südwesten des Landes, die zu steigenden Kosten führen wird.

Kaum Geld aber große Ideen

Deshalb denkt er auch über verwegene Lösungsansätze nach. "Ist es möglich, ein Wasser-Pipeline-System von Gegenden mit viel Wasser in solche mit einem Mangel zu bauen? Ja! In einer Krise gehören alle Optionen auf den Tisch", ist er sich sicher. "Reden wir von einer Dimension, die Rocky Mountains von einer auf die andere Seite zu überqueren, geht es um langfristige Projekte", schränkt Hawkins ein. "Bis zu einer Realisierung würde mehr als ein Jahrzehnt vergehen."

Die marode Wasserinfrastruktur in Amerika wird das Land noch lange beschäftigen, eine große Lösung ist nicht in Sicht. Deshalb werden alte Rohre geflickt. Immer wieder. Denn die notwendige Billionen-Investition für eine Erneuerung wird es in absehbarer Zeit nicht geben. 

Der kaputte Riese - Serie zur US-Infrastruktur

Brücken brechen zusammen, Wasserleitungen bersten, tiefe Schlaglöcher: In einer Serie berichten die ARD-Studios in Washington, New York und Los Angeles über die marode Infrastruktur in den USA.

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