Der US-Sondergesandte für den Iran, Brian Hook. | Bildquelle: AFP

Interview mit US-Sondergesandtem USA wünschen deutsche Iran-Sanktionen

Stand: 31.12.2019 02:52 Uhr

Der US-Sondergesandte für den Iran verteidigt im ARD-Interview den amerikanischen Militärschlag im Irak. Zudem macht er deutlich, dass sich die USA von Deutschland und der EU Sanktionen gegen den Iran wünschen.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Für Washington kamen die Reaktionen auf den US-Militärschlag im Irak offenbar überraschend. Iraks amtierender Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi hatte von einem Angriff auf irakische Streitkräfte gesprochen und nicht von einem Schlag gegen eine schiitische Miliz.

Irakische Politiker forderten die USA und nicht Iran auf, Iraks Souveränität zu respektieren. Das löste Verwunderung im US-Außenministerium aus:

"Wir sind enttäuscht von solchen Äußerungen. Es gab viele Angriffe - nicht nur auf irakische Truppen, sondern US-Soldaten. Wir würden es begrüßen, wenn die irakische Regierung die Täter findet und zur Verantwortung zieht."

So sagte es Brian Hook, der US-Sondergesandte für Iran. Im Interview mit dem ARD-Studio Washington verlangte Hook größere Anstrengungen von irakischer Seite.

"Unsere Soldaten sind dort auf Einladung der irakischen Regierung. Die Regierung ist verpflichtet, für deren Sicherheit zu sorgen. Dem muss die Regierung nachkommen."

Militärschlag als Reaktion auf Angriff

Im Kern des Konflikts geht es um Iran: Die USA werfen Iran vor, Milizen im benachbarten Irak zu unterstützen, Gruppen wie Kata'eb Hisbollah. Für die Iraker ist die Miliz Teil der Koalition im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Washington wirft der Gruppe dagegen vor, Militärbasen mit Raketen zu beschießen. Bei einem der Angriffe war am vergangenen Freitag ein Amerikaner getötet worden.

Nur deshalb habe US-Präsident Donald Trump gehandelt, erklärte Außenminister Mike Pompeo im Fernsehsender Fox News: "Das war eine Verteidigungsaktion, um amerikanische Truppen und Bürger im Irak zu schützen. Und es sollte auch den Iran abschrecken."  

Vertreter der Trump-Administration versuchen, Sorgen vor einer weiteren Eskalation zu zerstreuen. Drei Mal wiederholte der Sondergesandte Hook während des zehnminütigen Gesprächs, dass der Angriff auf Stellungen in Irak und Syrien allein der Abschreckung gedient habe.

"Wir versuchen, unsere Abschreckung gegenüber dem Regime in Teheran wiederherzustellen. Viel davon hatten wir durch den Iran-Atomdeal verloren. Doch ohne Vertrag sind wir in einer viel besseren Position, um unsere nationalen Sicherheitsinteressen zu erreichen."

USA mit Krise im Iran "sehr zufrieden"

Dabei sieht es so aus, als sei die Trump-Administration gezwungen, auch gegen einzelne schiitische Gruppen militärisch vorzugehen, statt einer umfassenden strategischen Vereinbarung mit Iran näher zu kommen. Frage an Brian Hook: Ist das nicht genau der Punkt, an dem Teheran Washington immer haben wollte?

"Der Iran erlebt die schwerste finanziellen Krise in seiner 40-jährigen Geschichte und die größten politischen Unruhen. Wir sind also sehr zufrieden, unter wie viel Druck wir das Regime gebracht haben. Aber hätten wir jetzt nicht militärisch reagiert, wäre das eine Einladung für mehr iranische Aggression gewesen."

Hoffnung auf EU-Sanktionen

Die Trump-Administration will ihre Politik des maximalen Drucks aufrecht erhalten. Deutschland und Europa könnten mit Wirtschaftssanktionen helfen, so Hook

"Sie könnten Sanktionen erlassen gegen Iraner, die Wissen über Raketen weitergeben. Personen und Gruppen, die Irans Raketenprogramm finanzieren und entwickeln. Es gibt eine Reihe guter Ziele, und wir würden das von der Europäischen Union im Jahr 2020 begrüßen."

Im Moment ist Europa noch bemüht, das Atomabkommen mit Iran zu retten. Je stärker auch Teheran Auflagen des Vertrags missachten, umso schwieriger wird der Versuch in den kommenden Monaten.

US-Sondergesandte für Iran, Brian Hook, verlangt Sanktionen von Deutschland
Torsten Teichmann, ARD Washington
31.12.2019 00:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR24 am 31. Dezember 2019 um 06:07 Uhr.

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