Supermarkt mit dem Schriftzug Walmart | Bildquelle: AP

Opioid-Krise in den USA Justizministerium verklagt Walmart

Stand: 23.12.2020 13:56 Uhr

Apotheken von Walmart sollen opioidhaltige Schmerzmittel rechtswidrig an Patienten abgegeben und so die Opioid-Krise in den USA forciert haben. Das Justizministerium reichte nun Klage ein. Das Unternehmen bezeichnete die Vorwürfe als haltlos.

Das US-Justizministerium hat gegen den Handelsriesen Walmart wegen seiner Rolle in der Opioid-Krise im Land Klage eingereicht. Jahrelang habe Walmart in seinen Apotheken "Tausende ungültige Rezepte akzeptiert" und "verdächtige Bestellungen" von opioidhaltigen Schmerzmitteln nicht gemeldet, erklärte der zuständige Vertreter im Justizministerium, Jeffrey Bossert Clark.

Dem Unternehmen drohten laut dem Ministerium Strafen in Milliardenhöhe. Walmart bezeichnete die Vorwürfe als haltlos. Das Justizministerium warf dem Einzelhandelsriesen, der mehr als 5000 Apotheken im Land betreibt, vor, so die Opioid-Krise im Land verschlimmert zu haben.

Manager sollen Druck auf Apotheker ausgeübt haben

"Als eine der größten Apotheken-Ketten und Arzneimittelgroßhändler im Land hatte Walmart die Verantwortung und die Mittel, die Zweckentfremdung von Opioiden zu verhindern", erklärte Clark. Demnach hätten Manager des Unternehmens "enormen Druck auf Apotheker" ausgeübt, Rezepte einzulösen. Gleichzeitig habe die konzerneigene Prüfungsabteilung Apothekern Einsichten und Daten zu ungültigen Rezepten vorenthalten.

Walmart wies die Vorwürfe zurück und reagierte mit heftiger Kritik auf die Klage. Die US-Drogenverfolgungsbehörde DEA habe in der Opioid-Krise versagt, indem sie nicht verhindert habe, dass Ärzte unangemessen Opioide verschrieben. Nun werde Walmart die Schuld zugeschoben. Die Klage erfinde eine nicht nachvollziehbare Rechtstheorie und sei voller sachlicher Ungenauigkeiten.

Walmart kam Klage bereits zuvor

Walmart hatte seinerseits Ende Oktober bereits juristische Schritte gegen die US-Regierung eingeleitet, um gerichtlich klären zu lassen, ob Arzneimittelhändler zur Verantwortung gezogen werden können. Damit kam das Unternehmen der Klage der Regierung zuvor. Das Unternehmen argumentiert, die Mitarbeiter hätten nur ihre Pflicht erfüllt und Arzneimittel angeboten, die Kunden von Ärzten mit Zulassung der US-Behörden verschrieben worden seien.

Mehr als 450.000 Opioid-Tote

Viele Experten führen die Opioid-Krise in den USA auf die übermäßige Verschreibung von starken Schmerzmitteln zurück, die bis Mitte der 1990er-Jahre noch der Behandlung von Schwerstkranken vorbehalten waren und nach längerer Einnahme süchtig machen.

Den Herstellern sowie US-Apotheken wird vorgeworfen, die Mittel aggressiv beworben und auf Warnzeichen der Suchtkrise nicht reagiert zu haben. Zwischen 1999 und 2018 sind in den USA knapp 450.000 Menschen an den Folgen einer Opioid-Überdosis gestorben, wie die US-Gesundheitsbehörde CDC berichtete. Das umfasst sowohl verschriebene Schmerzmittel als auch illegale Drogen wie Heroin.

Enormes Abhängigkeitspotenzial

Opioide sind zum Teil synthetisch hergestellte Arzneimittel mit unter anderem schmerzlindernden Eigenschaften. Sie bergen jedoch auch enorme Abhängigkeitsrisiken und hohes Missbrauchspotenzial.

Walmart zählt zwar nicht zu den Pharma-Konzernen, denen häufig eine Hauptschuld an der Misere gegeben wird, steht als großer Medikamentenhändler mit vielen Apothekenschaltern aber ebenfalls schon länger in der Kritik.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Dezember 2020 um 12:54 Uhr.

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