Boy Scouts of America | Bildquelle: AFP

Hunderte Missbrauchsklagen US-Pfadfinder melden Insolvenz an

Stand: 18.02.2020 10:36 Uhr

Hunderte ehemalige US-Pfadfinder haben den Dachverband der Boy Scouts verklagt. Sie sollen vor Jahrzehnten missbraucht worden sein. Der Verband meldet nun Insolvenz an, um sein Vermögen zu schützen und Entschädigung zu leisten.

Der Dachverband der US-Pfadfinder hat angesichts einer Klagewelle wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern Insolvenz angemeldet. Auf diese Weise will die Organisation nach eigenen Angaben sicherstellen, dass ein Entschädigungsfonds für die Opfer aufgelegt werden kann und nicht das ganze Geld der Organisation für Prozesskosten verwendet werden muss.

Bringt ein Vergleich die Lösung?

Mehrere tausend Männer haben angegeben, als Jungen von Pfadfinderleitern und anderen Verantwortlichen in dem Verband missbraucht worden zu sein. Nach Angaben des Opferanwalts Jeff Anderson sind mehr als 7800 mutmaßliche Täter in Akten aufgeführt, die der Organisation vorliegen. Teilweise reichen die Vorwürfe Jahrzehnte zurück, aber durch eine Änderung im Verjährungsrecht auf US-Staatsebene sind ihnen erst jetzt rechtliche Schritte möglich geworden.

Statt vor zahlreichen verschiedenen Gerichten sollen die Fälle vor ein einziges Gericht kommen und so ein möglicher Vergleich erleichtert werden. Gegen die vor 110 Jahren gegründeten Boy Scouts of America laufen hunderte Klagen. Mit dem Gang vors Insolvenzgericht werden diese nun zuerst auf Eis gelegt.

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Treffen von Boy Scouts of America in Kaysville/Utah

Nichts könne den erlittenen Missbrauch rückgängig machen, sagte Verbandspräsident Roger Mosby. Durch den Insolvenzantrag und den damit verbundenen Vorschlag zur Vermögensverwaltung könnten aber alle Opfer entschädigt und die "wichtige Mission" des Verbands erhalten werden.

Die Klagen seien "das Ergebnis einer jahrzehntelangen Verschleierung von Missbrauch durch die Boy Scouts und ihrer erwachsenen Anführer", sagte Anwalt Paul Mones, der hunderte Männer vertritt, die nach eigenen Angaben als junge Pfadfinder missbraucht wurden. "Es gibt eine Menge sehr wütender und verärgerter Männer da draußen, die den Boy Scouts nicht erlauben werden, ohne ein Offenlegen ihrer Vermögen davonzukommen", sagte Mones. "Sie wollen, dass kein Stein auf dem anderen bleibt."

Arbeit geht auf Ortsebene weiter

Die Organisation selbst hat sich entschuldigt und Opfer dazu aufgerufen, sich zu melden. Auf ihre Veranstaltungen, zu denen Zeltlager oder Wanderungen zählen, soll sich die Insolvenz nicht auswirken. Lokale Pfadfinder machen ihr Programm für Kinder weiter, wie die Scouts sagten. Die Ortsvereine hätten keine Insolvenz angemeldet, da sie rechtlich eigenständige Organisationen seien.

Die Enthüllungen über sexuellen Missbrauch bei den Boy Scouts of America kamen 2012 durch ein Gerichtsverfahren ans Licht. Der Organisation wird vorgeworfen, Misshandlungen von Generationen von Jugendlichen vertuscht zu haben und nicht ausreichend gegen Pädophile in den eigenen Reihen vorgegangen zu sein.

Pfadfinder-Pleite: Die Boy Scouts flüchten vor Klage-Welle in die Insolvenz
Torben Ostermann, ARD Washington
18.02.2020 17:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Februar 2020 um 11:15 Uhr.

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