Venezuelas Präsident Maduro salutiert bei einem Treffen mit Ministern in Caracas. | Bildquelle: REUTERS

Venezuela USA an Putschplänen beteiligt?

Stand: 09.09.2018 08:44 Uhr

Hat die US-Regierung mit venezolanischen Militärs über einen möglichen Umsturz in dem lateinamerikanischen Land beraten? Die "New York Times" berichtet über geheime Treffen. Aus dem Weißen Haus kommt bislang zumindest kein klares Nein.

Die US-Regierung soll im vergangenen Jahr in geheimen Gesprächen mit venezolanischen Militärs über Wege beraten haben, den Präsidenten des lateinamerikanischen Landes, Nicolás Maduro, zu stürzen. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf amerikanische Regierungsvertreter und einen ehemaligen Kommandeur des venezolanischen Militärs, der an den Gesprächen teilgenommen haben soll. Namentlich nannte die Zeitung ihre Quellen nicht.

Technische Hilfe und Ratschläge

Die Beratungen begannen nach Angaben des Ex-Kommandeurs im vergangenen Herbst, und auch in diesem Jahr hätten noch Treffen stattgefunden. Dabei hätten die Mitglieder der venezolanischen Streitkräfte die USA zwar nicht aufgefordert, militärisch gegen Maduros Regierung einzugreifen, sie hätten jedoch technische Unterstützung angefragt, etwa Hilfsmittel für eine verschlüsselte Kommunikation. Des Weiteren sollten die USA beratend zur Seite stehen, wenn nach dem Sturz Maduros eine Übergangsregierung hätte gebildet werden müssen.

Die Gespräche seien schließlich ergebnislos beendet worden, zitierte die Zeitung einen US-Regierungsvertreter. Die venezolanische Seite hätte keinen klaren Plan vorweisen können und offenbar eher darauf gehofft, dass die USA die Führung übernehmen würden.

Die "New York Times" schrieb weiter, dass mindestens einer der Militärs, die an den geheimen Beratungen teilgenommen hatten, auf einer Sanktionsliste der USA gestanden habe. Die US-Regierung erhebt teils schwere Vorwürfe gegen Venezuelas Armee und Sicherheitskräfte: Folter, die illegitime Inhaftierung politischer Gefangener, Gewalt gegen Zivilisten, Korruption oder Verwicklung in Drogengeschäfte.

Kein Dementi, keine Bestätigung

Das Weiße Haus wollte die Treffen auf Nachfrage der Zeitung weder bestätigen noch klar dementieren. In einem Statement hieß es lediglich, man suche weiterhin den Dialog "mit allen Venezolanern, die nach Demokratie streben", um "einen positiven Wandel in dem Land zu erreichen, das so sehr unter Maduro gelitten hat". Auch der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Garrett Marquis, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, die US-Regierung präferiere eine "friedliche, ordentliche Rückkehr zur Demokratie". Die Krise in dem Land lasse sich nur durch "demokratische Verfahren, Rechtsstaatlichkeit und den Respekt vor grundlegenden Menschenrechten und Freiheiten" beenden.

Der venezolanische Außenminister, Jorge Arreaza, äußerte sich empört und übte scharfe Kritik. "Wir prangern vor der Welt die Interventionspläne und die Unterstützung von Verschwörungen des Militärs durch die US-Regierung gegen Venezuela an", twitterte Arreaza. Nun hätten sogar US-Medien "neue und widerliche Beweise" vorgelegt, dass die USA gegen Venezuela intervenieren würden.

Maduro und Trump - zwei politische Gegner

Mit US-Präsident Donald Trump und Venezuelas Präsident Maduro stehen sich zwei politische Gegner gegenüber. Mehrfach hatte Maduro den USA vorgeworfen, Verschwörungen gegen ihn geplant zu haben - bis hin zu Anschlagsversuchen. Erst im August verkündete Maduro, man habe versucht, mithilfe von Drohnen einen Mordanschlag auf ihn zu verüben. Auch hier beschuldigte er die USA, die Attacke geplant zu haben.

Ebenfalls im August berichteten US-Medien, Trump habe ein Jahr zuvor mit seinen Beratern über ein militärisches Eingreifen der USA in Venezuela beraten.

Venezuela gerät seit Jahren immer tiefer in eine wirtschaftliche und politische Krise. Die Bevölkerung kann teilweise nicht mehr mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt werden, die Inflation hat die Rate von einer Million überschritten, immer wieder kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Regierungsgegnern und der Armee. Millionen von Venezolanern sind bereits ins Ausland geflüchtet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. September 2018 um 04:00 Uhr.

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