Joe Biden verkündet in Philadelphia seinen Plan zum Neustart der US-Wirtschaft. | Bildquelle: AFP

Druck auf Biden Schwarze Vizepräsidentin gefordert

Stand: 11.08.2020 08:15 Uhr

US-Präsidentschaftskandidat Biden hält sich bislang zu der Frage bedeckt, wer sein "running mate" werden soll. Jetzt fordern prominente Afroamerikaner in einem offenen Brief eine schwarze Frau als Kandidatin.

Vor einer möglichen Bekanntgabe der Kandidatin für das Amt der US-Vizepräsidentin erhöht ein offener Brief den Druck auf den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden. In dem Schreiben fordern mehr als 100 bekannte Afroamerikaner Biden dazu auf, eine schwarze Politikerin als Vize-Kandidatin auszuwählen.

"Haben die Nase voll, Teufel zu wählen"

"Wenn Sie 2020 keine schwarze Frau auswählen, verlieren Sie die Wahl", heißt es in dem Brief, der in der Zeitung "Atlanta Daily World" veröffentlicht wurde. Man wolle nicht zwischen dem kleineren von zwei Übeln wählen und "wir wollen nicht die Wahl haben zwischen dem Teufel, den wir kennen, und dem Teufel, den wir nicht kennen, denn wir haben die Nase voll, Teufel zu wählen."

Viel zu lange hätten schwarze Frauen alles für die demokratische Partei riskiert: "ohne Anerkennung, ohne Respekt, ohne Sichtbarkeit." Dass nun mögliche Kandidatinnen unrechtmäßig öffentlich kritisiert und hinterfragt würden, empöre die Unterzeichner. Dazu gehört unter anderem der Rapper Sean "Diddy" Combs, der Radiomoderator Charlamagne Tha God und Ben Crump, der Anwalt der Familie von George Floyd, dessen Tod bei einem Polizeieinsatz Ende Mai landesweite Proteste ausgelöst hatte.

Die Verfasser solidarisieren sich in dem Brief zudem mit mehr als 700 Afroamerikanerinnen, die Biden bereits zuvor aufgefordert hatten, mit einer schwarzen Frau an seiner Seite im US-Wahlkampf gegen den republikanischen Präsident Donald Trump anzutreten. In der Wählergruppe der Afroamerikaner liegt Biden, einst Vize des ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama, in Umfragen weit vor Trump.

Bekanntgabe der Kandidatin wohl diese Woche

Einem Bericht der "New York Times" zufolge will Biden Mitte der Woche bekanntgeben, wer seine Kandidatin für die Vizepräsidentschaft werden soll. Die Zeitung beruft sich dabei auf Personen, die mit dem Auswahlprozess vertraut sind. Demnach sei das Gremium zur Auswahl möglicher Kandidatinnen praktisch aufgelöst worden, nachdem es seine Arbeit erledigt habe.

Dass es eine Kandidatin und nicht ein Kandidat werden würde, hatte Biden bereits Mitte März angekündigt. Zum Kreis der Favoritinnen zählen die US-Senatorin Kamala Harris sowie die damalige Nationale Sicherheitsberaterin von Obama, Susan Rice, die beide schwarz sind. Doch auch der weißen Senatorin Elizabeth Warren werden Chancen eingeräumt.

Der Wahl von Bidens Kandidatin für die Vize-Präsidentschaft wird große Bedeutung beigerechnet, weil sie auch größeren Einfluss auf die Zukunft der USA haben könnte. Im Falle einer Wahl Bidens wäre dieser bereits 78 Jahre alt. Gemutmaßt wird, dass er nur eine Amtszeit lang regieren könnte. Seine Vizepräsidentin könnte dann eine mögliche Nachfolgerin sein.

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