Joe Biden und Donald Trump sind auf zwei Bildschirmen zu sehen, die die Fernsehdebatte übertragen. | Bildquelle: AFP

Trump im TV-Duell Kritik wegen Botschaft an Rechtsextreme

Stand: 30.09.2020 19:56 Uhr

Der Schlagabtausch zwischen US-Präsident Trump und seinem Herausforderer Biden geht nach dem TV-Duell weiter. Trump steht wegen Äußerungen zu einer rechtsextremen Gruppe in der Kritik. Die Wähler sind laut Umfragen verärgert.

Nach einem von Beleidigungen und Chaos geprägten Fernsehduell haben US-Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden weiter gegeneinander ausgeteilt. Trump schrieb auf Twitter, Biden würde mit seinen Vorhaben das Land ruinieren, habe aber mit seinem Auftritt ohnehin jede Unterstützung verloren. Biden wiederum postete ein Video, in dem Trump mit einem weinenden Smiley als Kopf zu sehen ist. Das Auftreten des Republikaners sei eine "nationale Peinlichkeit" gewesen, sagte er in Alliance im Bundesstaat Ohio.

Für besondere Empörung unter den Demokraten sorgte die Tatsache, dass Trump sich weigerte, weiße Rassisten und paramilitärische Gruppen zu verurteilen und stattdessen sagte, es müsse etwas gegen die linke Gruppierung Antifa und die radikale Linke unternommen werden. Biden sprach konkret eine Gruppe namens "Proud Boys" an, worauf Trump sagte: "Proud Boys, haltet euch zurück und haltet euch bereit."

Harris: "Ich habe gehört, was wir alle gehört haben"

Trump-Kritiker, wie Bidens Kandidatin für die Vizepräsidentin, Kamala Harris, empörten sich darüber, dass der Präsident sich geweigert habe, die Ideologie der White Supremacy, der angeblichen 'Überlegenheit der Weißen Rasse" zu verdammen: "Ich habe gehört, was wir alle gehört haben."

Trumps Sohn Donald Trump Jr. sagte im Sender CBS, dass sein Vater sich wohl versprochen habe. Die "New York Times" zitierte Präsidentenberater Jason Miller, der sagte, Trump habe deutlich gemacht, dass die "Proud Boys" Gewalt beenden sollten.

Greenblatt fordert Entschuldigung und Erklärung

Der Chef der Bürgerrechtsorganisation ADL, Jonathan Greenblatt, sagte, es sei erstaunlich, dass dies die Antwort des Präsidenten auf eine einfache Frage gewesen sei. Trump schulde Amerika eine Entschuldigung und eine Erklärung. Die ADL bezeichnet die Gruppe unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwenden. Die Anführer der "Proud Boys" weisen Rassismusvorwürfe zurück.

Erstes TV-Duell zwischen US-Präsident Trump und Herausforderer Biden
tagesschau 20:00 Uhr, 30.09.2020, Stefan Niemann, ARD Washington

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Die Gruppe feierte diese Aussage. Die "New York Times" schrieb, in privaten Kanälen auf sozialen Medien hätten die Anhänger Trumps Kommentar als "historisch" gefeiert. In einem Kanal hätten Mitglieder der Gruppe die Aussage des Präsidenten als stillschweigende Billigung ihrer gewalttätigen Taktiken gewertet. In einer weiteren Nachricht heiße es, die Gruppe sehe bereits eine Zunahme der Zahl "neuer Rekruten".

FBI stuft Gruppe als extremistisch ein

Die "Proud Boys" gehen Berichten zufolge auf eine Initiative des kanadisch-britischen Gründers des "Vice Magazine", Gavon McInnes, zurück. Die Organisation nimmt demnach nur Männer auf. Den Mitgliedern geht es nach eigenem Bekunden um eine Rückkehr zu "traditionellen Werten". Das FBI stuft die Gruppe als extremistisch ein. Schätzungen zufolge soll die Organisation inzwischen bis zu 20.000 Anhänger und Sympathisanten haben.

Die erste TV-Debatte von Trump und Herausforderer Biden war von persönlichen Angriffen bestimmt worden. Vor allem Trump fiel Biden immer wieder ins Wort und ließ ihn nicht ausreden. Biden bezeichnete den Amtsinhaber unter anderem als "Rassisten", "Lügner", "Putins Welpen" und "den schlechtesten Präsidenten, den Amerika je hatte".

Die für die Organisation der Präsidentschaftsdebatten zuständige Kommission kündigte Regeländerungen für das nächste Aufeinandertreffen der Kontrahenten an. Geplant seien "zusätzliche Instrumente, um die Ordnung aufrecht zu erhalten", hieß es weiter. Die Regeländerungen würden "sorgfältig" geprüft und in Kürze bekanntgegeben. Trump und Biden werden noch in zwei weiteren TV-Duellen am 15. und 22. Oktober aufeinandertreffen.

Ärger bei den Wählern

Bei den Wählern war das Spektakel schlecht angekommen: 69 Prozent sagten in einer Blitzumfrage des Senders CBS, das Streitgespräch habe sie vor allem verärgert. Von Biden hatten in der CBS-Umfrage 38 Prozent eine bessere und 32 Prozent eine schlechtere Meinung nach der Debatte - von Trump nur 24 Prozent eine bessere, aber 41 Prozent ein schlechtere Meinung.

Ted Cruz, republikanischer Senator aus Texas, zog das Fazit, dass die Debatte die Wähler wohl nicht beeinflusst habe. Trump-Fans seien bei Trump geblieben und Biden-Fans bei Biden.

In Umfragen gab ein große Mehrheit der Amerikaner an, ihre Wahlentscheidung schon lange vor diesem TV-Schlagabtausch getroffen zu haben.

Mit Informationen von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Nach der Debatte: Sieger, Verlierer, Reaktionen
Sebastian Hesse, ARD Washington
30.09.2020 18:30 Uhr

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