San Luis, Arizona: US-Präsident Donald Trump besichtigt die Mauer an der mexikanisch-amerikanischen Grenze im Juni 2020. | Bildquelle: AP

Lateinamerika und die USA Wird nach der Wahl alles anders?

Stand: 29.10.2020 19:05 Uhr

Das Ergebnis der US-Wahl wird große Auswirkungen haben - auch für Lateinamerika. Wird Biden die "Mauer" zu Mexiko wieder einreißen? Wie entwickelt sich das Verhältnis zu Kuba und Venezuela bei einem Sieg Trumps?

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

In Kuba werden die Wahlen in den USA mit besonderer Spannung verfolgt. Nachdem der ehemalige demokratische US-Präsident Barack Obama das Ende der Eiszeit zwischen Kuba und den USA eingeläutet hatte, diplomatische Beziehungen aufnahm und die Blockade lockerte, wurden unter Donald Trump die US-Sanktionen wieder verschärft.

Unter dem Demokraten Joe Biden als Präsident wäre wieder eine Entspannung möglich, erklärt der kubanische Wirtschaftswissenschaftler Omar Everleny. "Die Kubaner erwarten jetzt nicht, dass sich damit für sie alles verändert und die Blockade beendet wird, auch nicht die Schließung von Guantánamo", so Everleny. Biden habe in seiner Wahlkampagne aber erklärt, dass er an die Kuba-Politik von Obama anknüpfen wolle. "Aber die Wahlkampagne ist natürlich eine Sache, das andere ist die Realität", so Everleny.

Kuba hofft auf Biden, Venezuela auf Trump

Die US-Sanktionen der Trump-Regierung haben Kuba stark zugesetzt. Der Tourismus ist eingebrochen, Auslandsinvestitionen und Rücküberweisungen von Familienangehörigen sind nur sehr eingeschränkt möglich. Mit Biden hoffe die sozialistische Karibikinsel auf einen erneuten Annäherungskurs, sagt Everleny.

Ganz anders in Venezuela: Dort hofft der amtierende Präsident Nicolás Maduro womöglich auf einen Wahlsieg Trumps. Für die sozialistische Regierung Maduros könnte das einige Vorteile bieten, meint Christian Ambrosius, Gastprofessor an der Nationalen Autonomen Universität UNAM in Mexiko. "Natürlich kommt einem Regime wie Maduro auch gelegen diesen Donald Trump zu haben, der so viel Angriffsfläche, so viel Projektionsfläche gibt für anti-US-amerikanische Gefühle und Reden", sagt Ambrosius. "Das ist vielleicht sogar ein Gefallen für das Regime in Venezuela."

Trump setzte Mexiko massiv unter Druck

Maduro hat sich in den letzten Jahren stoisch im Amt gehalten - trotz harter Sanktionen der USA, die auch Maduros Gegner Juan Guaidó als Übergangspräsidenten anerkannt haben. Aber der schnelle Machtwechsel, den sich auch Trump davon erhofft hatte, ist ausgeblieben. Für Maduro sei das ein Triumph, erklärt der venezolanische Politologe Benigno Alcarcón.

"Vielleicht hofft Maduro, dass er mit einer anderen Regierung neu verhandeln kann, damit der Druck nachlässt. Aber dass eine neue Regierung eine weniger harte Politik verfolgt, das ist denke ich ein Irrtum", so Alcarcón. Vielmehr sei auch ein harter Kurs vom Demokraten Biden zu erwarten.

Trump hat sich während seiner Amtszeit wenig für die Lebensumstände der Menschen in den Ländern der Region interessiert. Dem US-Präsidenten ging es um den wirtschaftlichen Erfolg der USA. Den Nachbarn Mexiko setzte er massiv unter Druck. Trump drohte der mexikanischen Regierung mit Strafzöllen von bis zu 25 Prozent auf Warenimporte, wenn es den Mexikanern nicht gelingen sollte, Flüchtlinge und Migranten auf ihrem Weg in die USA aufzuhalten.

Der Ton könnte sich unter Biden ändern

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador beugte sich. Das Land fängt die Migrantinnen und Migranten heute schon viel weiter im Süden rund 3000 Kilometer vor der Grenze in die USA ab. Tausende Sicherheitskräfte der mexikanischen Nationalgarde helfen dabei - eine Mauer nicht aus Stahl, sondern aus Menschen.

Dass sich an dieser Politik unter einem demokratischen Präsidenten Biden etwas ändern würde, glaubt Ambrosius nicht. Auch unter Biden sei mit einer relativ restriktiven Migrationspolitik zu rechnen. Viele vergessen, dass die meisten Abschiebungen unter Obama stattgefunden haben und gar nicht unter Trump", sagt Ambrosius. "Der Höhepunkt der Abschiebungen war unter Obama und an der Politik wird sich glaube ich gar nicht so viel ändern."

Ambrosius glaube aber, dass sich etwas in dem Ton ändern werde, und dass es unter Biden mehr versöhnliche Töne, weniger Politik oder Diskurs der Spaltung geben werde. In der internationalen Diplomatie kann ein veränderter Tonfall den Umgang entscheidend prägen - egal ob im Umgang mit Partnern oder Gegnern.

Vor den US-Wahlen: Biden oder Trump - Auswirkungen auf Mexiko, Venezuela, Kuba
Anne Demmer, ARD Mexiko
29.10.2020 13:13 Uhr

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