US-Präsident Trump spricht im Weißen Haus zu seinen Anhängern.  | Bildquelle: Erin Scott/POOL/EPA-EFE/Shutters

Trump vor Anhängern in Washington "Danke für eure Gebete"

Stand: 11.10.2020 01:00 Uhr

Seinem Leibarzt zufolge ist US-Präsident Trump nicht mehr ansteckend. Vom Balkon des Weißen Hauses versicherte er seinen Anhängern zudem: "Es geht mir gut". Dabei zeigte sich der Präsident im Wahlkampfmodus.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Er fühle sich gut, ruft US-Präsident Trump seinen Anhängern vom Balkon des Weißen Hauses zu. "Danke für eure Gebete, während ich im Krankenhaus war", fügte er hinzu.

Hunderte geladene Trump-Fans mit roten Baseballkappen und türkisfarbenen T-Shirts hatten sich auf dem Rasen vor dem Weißen Haus versammelt, um dem Präsidenten zuzujubeln.

Leibarzt: Trump ist nicht mehr ansteckend

Es war der erste öffentliche Auftritt von Präsident Trump seit seiner Corona-Diagnose. Erst am vergangenen Montag hatte er das Walter Reed Militärkrankenhaus verlassen dürfen. Seitdem wird über den Gesundheitszustand des Präsidenten spekuliert.

Wenige Stunden nach seinem Auftritt attestierte sein Leibarzt Sean Conley: Der Präsident gilt nicht mehr als ansteckend. Ein Coronatest habe ergeben, dass sich das Virus nicht mehr aktiv vermehre, Trump kein Übertragungsrisiko mehr darstelle und deswegen seine freiwillige Quarantäne beenden könne. Ob der Test negativ sei, blieb unklar, genauso, wie die Frage, ob und welche Symptome Trump noch habe.

Auf dem Balkon des Weißen Hauses schien der 74-Jährige jedenfalls fast der Alte zu sein - zumindest wirkte es in seiner knapp 17-minütigen Rede so. Wer genau hinhörte, stellte fest, dass sich sein Ton ein wenig geändert hat. Plötzlich pries er die Wissenschaft und Medizin, die das Coronavirus - das China-Virus wie er es nennt - auslöschen werde.

Recht und Ordnung als Wahlkampfthema

Trump bekam in den Tagen nach seiner Covid19-Diagnose diverse Medikamenten-Cocktails verabreicht, denen er seine schnelle Genesung offenbar zu verdanken hat. Er sei nun medikamentenfrei, sagte er bei Fox News.

Die Gäste auf dem Rasen des Weißen Hauses waren diesmal nicht seine typischen weißen Anhänger, sondern vor allem junge Leute aus der schwarzen Community. Aber auch bei ihnen kam Trumps Wahlkampfmessage von "law and order" - Recht und Ordnung- gut an. "Die Häuser, Kirchen und Geschäfte von schwarzen und Latino-Geschäftsleuten wurden geplündert, verwüstet und angezündet von linksradikalen Fanatikern. Und Biden nennt sie friedliche Protestierer", so Trump.

Trump fühlt sich stark und topfit

Trump hat keine Zeit zu verlieren, er muss die Zeit, in der er außer Gefecht war, wieder gutmachen. In den Umfragen liegt er fast zehn Punkte hinter seinem Herausforderer Joe Biden. In den vergangenen Tagen gab er bereits mehrere Interviews bei konservativen Radio- und Fernsehsendern. Der Tenor war überall der gleiche: Er fühle sich stark und topfit. Seine Corona-Erkrankung habe er bezwungen. Die Zeit drängt. In gut drei Wochen wird gewählt.

Viele Millionen Amerikaner haben bereits ihre Stimme abgegeben - oder sind dabei ihre Briefwahlunterlagen auszufüllen. Trumps Rivale Biden jettet derzeit von einem Wahlkampfevent zu nächsten.

Auftritte in Florida, Pennsylvania und Iowa

Auch deswegen geht der Präsident wieder in den vollen Wahlkampfmodus. Am Montag will er in Florida auftreten, am Dienstag in Pennsylvania und am Mittwoch in Iowa. Alles wichtige Bundesstaaten, in denen er die noch unentschlossenen Wähler überzeugen muss, wenn er die Wahl am 3. November gewinnen will.

Die Umfragen sehen nicht gut aus für Präsident Trump. Seit seiner Covid19-Erkrankung ist er noch weiter zurückgefallen - selbst in kritischen Swing States wie Florida. Biden liegt aktuell bei gut 51 Prozent Zustimmung, Trump bei 42 Prozent. Aber das hat nicht viel zu bedeuten, denn vor der Wahl 2016 lag Trump auch hinten und hat am Ende doch gewonnen.

Wieder in Topform? Trump hat zu Anhängern im Garten des Weißen Hauses gesprochen
Claudia Sarre, ARD Washington
10.10.2020 23:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

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Claudia Sarre, NDR

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