Kisten mit  Wahlzetteln vor der Auszählung in Maricopa County im US-Bundesstaat Arizona | Bildquelle: AP

US-Wahl So steht es in den umkämpften Staaten

Stand: 07.11.2020 09:40 Uhr

Steht der Sieger der US-Wahl schon fest oder kann sich das Blatt noch wenden? In mehreren Bundesstaaten wird noch ausgezählt. Wie ist der aktuelle Stand? Ein Überblick.

Das Ergebnis bei der Präsidentenwahl in den USA lässt weiter auf sich warten. Das Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden dauert nun schon seit Tagen an. 270 Wahlleute sind nötig, um ins Weiße Haus einzuziehen - Biden kommt derzeit auf 253 und Trump auf 214. In fünf Bundesstaaten, die für die Wahl entscheidend sein können, wird noch gezählt - und überall wird es wohl ein recht knappes Ergebnis.

Pennsylvania

Die Ausgangslage: Pennsylvania galt schon vor der Wahl als Schlüssel für einen Erfolg von Biden. 20 Wahlleute sind hier zu vergeben. 2016 hatte ihn Donald Trump zur Überraschung der Wahlforscher gewonnen.

Der Stand: Zu Beginn der Auszählung führte Trump noch mit mehr als 700.000 Stimmen, dann holte Biden auf. Derzeit liegt der Demokrat nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen etwa 0,5 Prozentpunkt vor dem republikanischen Amtsinhaber - ein Vorsprung von mehr als 28.800 Stimmen. Noch bis gestern durften Briefwahlzettel für die Zählung angenommen werden, die einen Poststempel vom Wahltag oder davor haben. Die Wahlleitung erklärte, dass die endgültige Auszählung noch Tage dauern könnte. Der Oberste Gerichtshof wies Pennsylvania an, Briefwahlstimmen, die am Wahltag nach 20 Uhr eingegangen sind, von den anderen Stimmzetteln zu trennen. Sollte der Abstand zwischen beiden Kandidaten auch am Ende der Auszählung nur 0,5 Prozentpunkte oder weniger betragen, muss dem Wahlrecht in Pennsylvania zufolge automatisch neu gezählt werden.

Die Tendenz: Das Biden-Lager kann darauf hoffen, Pennsylvania zu gewinnen - wenn sich die aktuelle Tendenz fortsetzt und die noch auszuzählenden Briefwahlstimmen in der überwiegenden Mehrheit an den Kandidat der Demokraten gehen. Mit den 20 Wahlleuten hätte Biden dann die nötige Mehrheit zusammen.

Ed White, ein Wahlbeobachter der Republikaner bei der Stimmenauszählung in Lehigh County, Pennsylvania | Bildquelle: AP
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Die Auszählung der Stimmen in Pennsylvania dauert noch immer an. Ed White, Wahlbeobachter der Republikaner, macht sich ein Bild von der Lage in Lehigh County.

Georgia

Die Ausgangslage: Georgia ist kein klassischer "Swing State" - zuletzt gewannen die Demokraten hier 1992. 2016 war der Vorsprung von Trump auf Clinton mit 50,4 Prozent zu 45,3 Prozent komfortabel. Hier geht es um 16 Wahlleute.

Der Stand: Ausgezählt sind hier bereits 99 Prozent der Stimmzettel. Auch hier lag Trump zunächst in Führung, im Laufe der Auszählung schmolz der Vorsprung aber immer weiter. Inzwischen konnte Biden seinen Vorsprung auf mehr als 7000 Stimmen ausbauen. Nach Angaben von Staatssekretär Brad Raffensberger ist auch hier eine Neuauszählung wahrscheinlich, da der Abstand zwischen Biden und Trump noch immer so gering ist. Das könnte bis Ende November dauern.

Die Tendenz: Es könnte ein knapper Sieg für Biden werden, würde alleine aber nicht reichen, um die 270 Wahlleute zu knacken. Fakt ist: Sollte Biden gewinnen, kann Trump nur noch einen Gleichstand bei den Wahlleuten erreichen.

North Carolina

Die Ausgangslage: Die Wähler des Bundesstaates hatten in der Vergangenheit fast immer für die Republikaner gestimmt - 2016 betrug Trumps Vorsprung vor Hillary Clinton hier 3,7 Prozent. 15 Wahlleute sind hier zu vergeben.

Der Stand: In dem Ostküsten-Staat liegt Trump mit mehr als 76.000 Stimmen vorne, was für Biden kaum noch einzuholen ist. Bislang sind 98 Prozent der Stimmen ausgezählt. Besonderheit in North Carolina: Hier werden sogar noch Briefwahlstimmen gezählt, die bis zum 12. November eingehen - also neun Tage nach dem Wahltag. Mit einem Ergebnis ist also nicht vor nächster Woche zu rechnen.

Die Tendenz: Es ist zu erwarten, dass North Carolina erneut an Trump geht.

Trump-Anhänger protestieren in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona gegen die Auszählung der Stimmen | Bildquelle: AFP
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Auch in Arizona wird weiter gezählt. Anhänger von US-Präsident Trump demonstrierten vor einem Wahlzentrum in Phoenix und forderten einen Stopp der Auszählung.

Arizona

Die Ausgangslage: Arizonas Wähler haben in der Vergangenheit fast immer verlässlich für den Kandidaten der Republikaner gestimmt - lediglich 1996 konnte Bill Clinton für die Demokraten in dem Südstaat gewinnen. Allerdings ändert sich die Bevölkerungsstruktur Arizonas stark - durch Zuzügler aus Kalifornien und einen Anstieg des Bevölkerungsanteils mit familiären Wurzeln in Lateinamerika. Arizona entsendet elf Wahlleute in das "Electoral College".

Der Stand: Der Fernsehsender Fox und die Nachrichtenagentur AP hatten den Staat recht früh in der Wahlnacht bereits Biden zugeschlagen. Andere Medien hielten sich zurück. Im Laufe der Auszählung holte Trump zwar auf, aber Biden führt derzeit weiter mit etwa 30.000 Stimmen. Ausgezählt sind 97 Prozent der Wahlzettel. Unter denen, die noch gezählt werden, sind mehr als 40.000 provisorische Wahlzettel. Diese müssen zunächst überprüft werden, ob eine Wahlberechtigung vorliegt und die Stimmen zugelassen werden können. Staatssekretärin Katie Hobbs sagte dem Fernsehsender CNN, die Auszählung dieser Zettel dauere voraussichtlich noch bis Mittwoch.

Die Tendenz: Trump ist etwas näher an Biden herangerückt und könnte noch aufholen. Sollte sich Biden durchsetzen, hätte er auch diesen Bundesstaat gedreht.

Nevada

Die Ausgangslage: Nevada ging in den vergangenen Wahlen mal an die Demokraten, mal an die Republikaner. Seit 2008 gewannen allerdings stets die Demokraten. Nevada stellt sechs Wahlleute.

Der Stand: Im Staat im Westen - mit der Glücksspielhochburg Las Vegas - führt Biden derzeit mit etwas mehr als 22.600 Stimmen, das sind 1,8 Prozentpunkte Vorsprung. Ausgezählt sind 93 Prozent der Wahlzettel.

Die Tendenz: Derzeit sieht es nach einem knappen Sieg Bidens aus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. November 2020 um 09:00 Uhr und 10:00 Uhr.

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