Barack Obama mit Joe und Hunter Biden | Bildquelle: ALEXIS C GLENN/POOL/EPA-EFE/REX

Kampagne im US-Wahlkampf Die Bidens und der "Laptop aus der Hölle"

Stand: 22.10.2020 15:10 Uhr

Vor der letzten TV-Debatte am Abend gibt es für die US-Demokraten vor allem ein Thema: das Coronavirus. Das Trump-Lager versucht, mit angeblichen Enthüllungen über Korruption in der Biden-Familie dagegenzuhalten.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Wenn Donald Trump dieser Tage vor seinen Fans vom Leder zieht, dann klingt das fast wie 2016. Vor vier Jahren skandierten sie: "Lock her up - sperrt Sie ein!", und meinten Hillary Clinton. In dieser Wahlsaison rufen sie: "Lock him up!" - und meinen Joe Biden.

"Joe Biden war schon immer ein korrupter Politiker", wütet Trump, "seine Familie ist ein kriminelles Unternehmen!" Wie schon 2016 geht es um geleakte E-Mails, diesmal von Hunter Biden, dem Sohn von Biden. Diese E-Mails belegen in der Lesart des Trump-Lagers, dass Biden junior bei seinen Geschäftsbeziehungen ins Ausland, vor allem in die Ukraine und nach China, erheblich vom Namen und vom Status seines Vaters profitiert hat, der damals Vizepräsident war.

Hunter Biden neben seinem Vater Joe | Bildquelle: REUTERS
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Ein immer wieder erhobener Vorwurf: Profitierte Hunter Biden vom Einfluss seines Vaters?

Was besprachen die Bidens untereinander?

Das Weiße Haus verlangt Aufklärung: "Biden behauptet, er habe niemals mit seinem Sohn Hunter über dessen Geschäfte gesprochen", sagt Mark Meadows, Trumps Stabschef, "jetzt wissen wir aus den E-Mails, dass das nicht stimmt!"

Die Quelle dieser E-Mails ist ausgesprochen dubios: Sie stammen angeblich von Hunter Bidens Laptop. Dieser Laptop soll in Reparatur gewesen sein, und bei dieser Gelegenheit habe der beauftragte Techniker eine Kopie der Festplatte gezogen. Diese Kopie wiederum spielte Trumps Anwalt Rudy Giuliani einem Trump-freundlichen Boulevardblatt zu.

Computer-Fachgeschäft in Wilmington (Delaware), in dem der Laptop von Hunter Biden zur Reparatur abgegeben wurde | Bildquelle: AFP
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In diesem Computer-Fachgeschäft in Wilmington (Delaware) soll der Laptop von Hunter Biden angeblich zur Reparatur abgegeben worden sein.

Der Fall soll in den Kongress

Trump nennt den ominösen Rechner bei jeder Gelegenheit den "Laptop aus der Hölle". Hunter Bidens E-Mails jedenfalls, wenn sie denn von ihm stammen, beschäftigen unterdessen auch den Kongress. Die Republikaner wollen die Korruptionsvorwürfe sowohl vom Senat, als auch vom Repräsentantenhaus untersuchen lassen.

Der Abgeordnete James Comer aus Kentucky unterstrich, dass seine Partei auch im Falle eines Wahlsiegs von Joe Biden nicht locker lassen wird: "Wir werden die Bidens zur Verantwortung ziehen, wenn sie sich etwas zuschulden haben kommen lassen", so Comer.

Trump-Anhänger zeigt bei einer Veranstaltung in Erie (Pennsylvania) ein Bild von Hunter Biden | Bildquelle: REUTERS
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Ein Trump-Anhänger zeigt bei einer Veranstaltung in Erie (Pennsylvania), um wem es ihm geht: um Hunter Biden

Mischt Russland mit?

Die Trump-freundlichen Medien in den USA kennen seit Tagen kaum mehr ein anderes Thema. Die Demokraten behaupten dagegen, es handele sich um eine weitere Wahlmanipulation durch Russland. Ein Verdacht, den der oberste Geheimdienstkoordinator der Trump-Regierung, John Ratcliffe, umgehend zurückwies:

"In aller Deutlichkeit: Die Geheimdienste glauben nicht, dass Moskau dahintersteckt", sagt Ratcliffe, "darauf gibt es keinerlei Hinweise". Trump jedenfalls will jetzt seinen Justizminister William Barr auf den vermeintlichen Skandal ansetzen. Und er wird vermutlich versuchen, Biden bei der letzten Fernsehdebatte mit den Korruptionsanschuldigungen unter Druck zu setzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2020 um 13:18 Uhr.

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