Joe Biden und Donald Trump sind auf zwei Bildschirmen zu sehen, die die Fernsehdebatte übertragen. | Bildquelle: AFP

US-Medien und der Wahlkampf Die Stunde der Networks

Stand: 20.10.2020 16:26 Uhr

Fox News oder CNN - die Spaltung der US-Gesellschaft zeigt sich auch in der Mediennutzung. Von der Schärfe des Wahlkampfs profitieren alle Sender. In der Wahlnacht könnte es auch auf ihr Agieren ankommen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Als in der Wahlnacht 2016 Donald Trump überraschend die Führung übernahm, dürfte es einigen Medienmachern gedämmert haben: Womöglich hatten sie maßgeblich zum Erfolg dieses unwahrscheinlichsten aller Präsidentschaftskandidaten beigetragen. "Vielleicht nicht bewusst", sagt Michael Werz vom Center for American Progress, einem linksliberalen Politik-Institut in Washington. Doch mit Blick auf die ungeheure Popularität dieser bizarren Figur, die immensen Einschalt- und Verkaufsquoten, sei das eine Verlockung gewesen, der viele nicht widerstehen konnten. Das hätten Journalisten der "Washington Post", der "New York Times", von CNN und vielen anderen eingestanden.

"Was hat er jetzt schon wieder gesagt?" Das war der Sog, dem niemand widerstehen wollte oder konnte. Hätte Trump diese Medienpräsenz bezahlen müssen, hätte er rund fünf Milliarden Dollar auf den Tisch legen müssen. So bekam er sie gratis.

Ungebrochene Faszination

Vier Jahre später hat Trump nichts von seiner Faszination eingebüßt. Mehr als 73 Millionen Menschen sahen Ende September zu, wie Trump die erste Präsidentschaftsdebatte sprengte. Man konnte das abstoßend finden, aber es war ein Erfolg und erzielte die drittbeste Quote aller solcher Debatten bisher.

Doch die Medienlandschaft und -nutzung hat sich verändert, und zwar hart an den Parteigrenzen entlang. Konservative Republikaner vertrauen laut den Meinungsforschern des Pew Institute mit großer Mehrheit Fox News, liberale Demokraten dem Sender CNN.

Ein neues Genre: der Faktencheck

Verändert habe sich auch der Umgang mit Trump, sagt Journalistikprofessorin Jane Hall von der American University in Washington: "Die Medien wurden gezwungen, während einer Story die Fakten zu überpüfen. Sie haben angefangen, Unwahrheiten zu benennen. Das hat es früher nicht geben. Man hat sich Präsidenten gebeugt." Mitte Juli 2020 hatten die Faktenchecker der "Washington Post" mehr als 20.000 Halb- und Unwahrheiten in seiner Amtszeit gezählt.

Trump wiederum diffamiert die Medien pauschal als "Fake News", als Lügenpresse, die der Feind des Volkes sei. Darunter fallen im Prinzip alle Arten von Medien, außer bestimmte Moderatoren von Fox News und der Sender One America News. Besonders verhärtet hat sich das Verhältnis zu Twitter und Facebook.

"Big Tech", Facebook und Twitter mischten sich aktiv in den Wahlkampf ein, lautet der Vorwurf des republikanischen Senators Ted Cruz, nachdem Berichte der Trump-nahen Boulevardzeitung "New York Post" vorübergehend gesperrt worden waren. Die Zeitung hatte E-Mails veröffentlicht, die Korruption in der Familie Biden beweisen sollten. Auch als Trump in Tweets pauschal und ohne Belege Briefwahl zum Betrug erklärte, griffen die Plattformen ein.

Biden kommt besser weg

Zumindest teilweise erhärten lässt sich der Verdacht, die Medien gingen wohlwollender mit Joe Biden um. Er habe seit Ende August weniger als halb so viele Fragen von Journalisten beantwortet wie Donald Trump, ohne das es besonders aufgefallen wäre, rechnete die Nachrichten-Plattform Axios aus.

Natürlich ist die Wahl für viele Medien ein Geldsegen: Beide Kandidaten haben inzwischen hunderte Millionen Dollar in Werbung gesteckt, für Spots bei Lokalsendern in umkämpften Staaten, für Anzeigen bei Facebook.

In der Wahlnacht kommt vor allem den Fernsehsendern eine wichtige Rolle zu. Wer benennt als erster den Sieger der Nacht, ist der Wettstreit der großen Kanäle. Doch diesmal könnte es Tage dauern, bis ein verlässliches Ergebnis da ist. Die Füße still zu halten und in diesem hochnervösen Land keine Unruhe zu schüren, könnte am 4. November zu einer patriotischen Tat werden.

 

USA2020 Breaking! Die Rolle der Medien im Wahlkampf
Katrin Brandt, ARD Washington
20.10.2020 09:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2020 um 15:42 Uhr in der Sendung "@mediares".

Korrespondentin

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