Die Miami Heat und die Boston Celtics knien während der Nationalhymne nieder | Bildquelle: AFP

Black-Lives-Matter-Bewegung Die Wahl erschüttert die Sportwelt

Stand: 25.10.2020 08:36 Uhr

Die großen Basketball- und Football-Ligen in den USA machen massiv Wahlwerbung - sie rufen ihre Fans auf, dieses Mal unbedingt abzustimmen. Ein Grund dafür ist die anhaltende Debatte um Rassismus und Polizeigewalt.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

"Bei der vorigen Wahl konnten Millionen Wähler ihre Stimme nicht abgeben. Warum?", fragt Peter Carroll, der Cheftrainer der Seattle Seehawks. Antwort: "Kein Plan!" Und dann folgen per Video ein paar Hinweise, wie man es hinbekommt, seine Stimme abzugeben, vorgetragen von Top-Spielern der Liga. Und wem das nicht reicht, der kann auf den Internetseiten der Football-Liga NFL nachschlagen.

Sie meinen es ernst, die großen Sportligen der USA. Ob Football, Basketball oder Fußball: Keiner ihrer Fans kommt derzeit an der Aufforderung vorbei, sich als Wähler registrieren zu lassen und wählen zu gehen.

Polizeigewalt ist schon seit Jahren Thema

Der Tod von George Floyd Ende Mai hatte die Sportwelt erschüttert. Unter den Basketballern und Footballern ist die große Mehrheit der Spieler schwarz. Dass sich in Minneapolis ein Polizist fast neun Minuten lang auf den Hals des Afroamerikaners kniete, offenbar ungerührt, mobilisierte sie.

In beiden Ligen ist Polizeigewalt gegen Schwarze ohnehin schon lange ein Thema. Colin Kaepernick wird als Held verehrt. Der frühere Quarterback der "49ers" führte vor vier Jahren den Protest an und büßte dafür mit dem Ende seiner Karriere. NFL-Chef Roger Goodell hat inzwischen beinahe Abbitte getan: Er wünschte sich, sie hätten Cap früher zugehört, warum er sich hingekniet hat, sagte Goodell im Sommer.

Solidarität mit "Black Lives Matter"

Die Basketballer schlossen sich Ende Juli in Florida in ihrer Isolationszone zum Schutz vor Covid-19 ein - aber waren dennoch wild entschlossen, das Thema Polizeigewalt auch im Spielbetrieb nicht aufzugeben: "Black Lives Matter", "Schwarze Leben zählen", stand auf dem Spielfeld und auf vielen Trikots.

"Wir können uns heute nicht auf Basketball konzentrieren", sagte Sterling Brown von den Milwaukee Bucks Ende August, nachdem in Kenosha einem Schwarzen von einem Polizisten in den Rücken geschossen worden war - sieben Mal, aus nächster Nähe. Kenosha liegt eine Autostunde entfernt von Milwaukee. Das Team sagte seine Spiele ab, die NBA schloss sich an, die andere Ligen folgten. Einen solche Protestwelle hatte die Sportwelt in den USA noch nicht erlebt.

Stadien werden zu Wahllokalen

Bevor es weitergehen konnte, vereinbarten die Basketballer unter anderem, dass ihre Stadien als Wahllokale genutzt werden sollten. Sie sind groß, sie bieten viel Platz für eine coronasicherere Stimmabgabe. Inzwischen kann in über 40 Stadien in 20 Bundesstaaten gewählt werden.

"Viele Leute, die in den Innenstädten aufgewachsen sind, glauben nicht, dass ihre Stimme zählt, also gehen sie gar nicht erst wählen", sagt LeBron James von den Los Angeles Lakers in einem der vielen Videos, die seither erschienen sind. James hat seine Macht als Superstar hinter die Sportlerinitiative "More than a Vote" gestellt. Sie hat inzwischen 10.000 Wahlhelfer rekrutiert, die in unterbesetzten Wahllokalen in Städten wie Birmingham, Detroit oder Flint eingesetzt werden sollen, wo viele Schwarze leben.

Aber ausgerechnet in Milwaukee, nicht weit von Kenosha, werden die Sportarenen nicht zu Wahllokalen umfunktioniert werden dürfen. Denn die örtlichen Clubs fürchten einen Rechtsstreit - unter anderem, weil sich der Chef der Republikaner beschwert hat. Die Maskottchen der Clubs seien als Wahlkampf zu betrachten, schrieb er dem Wahlausschuss.

Vote now! Wie die Wahl die Sportwelt erschüttert
Katrin Brand, ARD Washington
21.10.2020 13:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Oktober 2020 um 06:51 Uhr.

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