Das Homeland-Security-Ministerium der USA | Bildquelle: AP

Daten von Verwaltungen gestohlen Hackerangriffe auf US-Regierungsziele

Stand: 23.10.2020 09:16 Uhr

Wenige Wochen vor der US-Wahl haben russische Hacker Dutzende Netzwerke von Verwaltungen amerikanischer Kommunen und Staaten ins Visier genommen. Laut Behördenvertretern wurden Daten aus mindestens zwei Servern gestohlen.

Russische Hacker haben nach offiziellen US-Angaben in den vergangenen Tagen Dutzende Netzwerke von Verwaltungen auf kommunaler und staatlicher Ebene ins Visier genommen. Dabei seien Daten aus mindestens zwei Servern entwendet worden, teilten Vertreter von FBI und der für Cybersicherheit zuständigen Behörde innerhalb des Heimatschutzministeriums mit.

Die Warnungen kommen weniger als zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl und befeuern die Sorge vor möglichen Einmischungen aus dem Ausland. Auf wen genau die mutmaßlichen Cyberangriffe abzielten, wurde in der Erklärung nicht gesagt. Es lägen aber keine Informationen vor, wonach für den Ablauf der Wahl zuständige Einrichtungen oder Institutionen der Regierung betroffen seien. Auch die Integrität von Wahldaten sei nicht beeinträchtigt.

Staatlich gestützte Akteure vermutet

Zugeschrieben wurden die Hackerangriffe einer von einem staatlichen Akteur gestützten Gruppe, die früher als "DragonFly" und "Energetic Bear" bekannt war. Sie soll seit mindestens 2011 aktiv sein und in Cyberspionage verwickelt gewesen sein, die sich gegen Energieunternehmen und Stromnetzbetreiber in den USA und Europa sowie gegen Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne richtete. IT-Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass sie im Auftrag der russischen Regierung agiert.

Russland mischte sich nach US-Angaben schon 2016 in den Wahlprozess in Amerika ein, indem es E-Mail-Konten der Demokraten hacken ließ. Auch in diesem Wahljahr versuche Moskau mit teils konzertierten Aktionen Einfluss auszuüben, um Joe Biden - den demokratischen Rivalen von Präsident Donald Trump - in ein schlechtes Licht zu rücken, teilten US-Geheimdienstler jüngst mit.

Sicherheitsbehörden warnen vor Einmischung in Wahlkampf

Erst am Mittwoch hatten US-Geheimdienstkoordinator John Ratcliffe und FBI-Direktor Christopher Wray auch vor einer Einmischung des Irans in die US-Wahl gewarnt. So sollen sich Moskau und Teheran Zugriff auf Registrierungsdaten von Wählern verschafft haben. Diese Daten wollten beide Staaten nutzen, um vor der Wahl am 3. November Falschinformationen an eingetragene Wähler zu schicken, sagte er. 

Der Iran sei unter anderem verantwortlich für einschüchternde Mails, die in mehreren Bundesstaaten an registrierte Wähler der Demokraten verschickt worden waren, darunter in Florida und Pennsylvania. In den Mails wurden die Wähler bedroht und aufgefordert, für Trump zu stimmen. Absender war angeblich die rechtsextremistische Gruppe "Proud Boys".

Sanktionen gegen Iran

Die Regierung in Washington verhängte nun Sanktionen gegen den Iran. Die Strafmaßnahmen richten sich gegen fünf iranische Organisationen, wie das US-Finanzministerium mitteilte. Dabei handelt es sich um die mächtigen Revolutionsgarden sowie die ihnen untergeordneten Al-Kuds-Brigaden, ein Institut und zwei Medienorganisationen. Diese Organisationen hätten durch die Verbreitung von "Falschinformationen" Zwietracht in der US-Bevölkerung säen und Wähler "in die Irre führen" wollen, erklärte das Ministerium.

Die beschuldigten Länder wiesen die Vorwürfe zurück. Ein iranischer Außenamtssprecher sprach von "Erfindungen" und "ungeschickten" Anschuldigungen. Er bekräftigte, dass der Iran keinen Kandidaten bei der US-Präsidentschaftswahl bevorzuge. 

Unter Präsident Trump verfolgten die USA einen harten Kurs gegenüber dem Iran. So kündigte Trump im Mai 2018 das internationale Atomabkommen mit dem Land einseitig auf und ließ danach eine Serie harscher Sanktionen in Kraft setzen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 23. Oktober 2020 um 01:00 Uhr.

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