Republikanische Unterstützerschilder auf dem Rasen eines Grundstücks in Maine. | Bildquelle: REUTERS

Haustür-Wahlkampf "Raus und Dich den Leuten vorstellen"

Stand: 29.10.2020 13:09 Uhr

Haustür-Wahlkampf hat in den USA Tradition. In der Pandemie ist das nicht ohne Risiken. Im Bundesstaat Maine setzen die Kandidaten im Wahlkampf-Endspurt ganz bewusst auf den persönlichen Kontakt.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington, z. Zt. Bowdoinham

Peter Lewis klopft an die Tür eines verwitterten Holzhauses an einer Landstraße in der Nähe der Kleinstadt Bowdoinham in Maine. Der 52-Jährige mit grauen kurzen Haaren, Jeans und blauem Blouson will für die Republikaner ins Landesparlament gewählt werden.

Shirley, eine ältere Frau mit rotem Haar und Ringelpulli, guckt erst skeptisch. Und lässt sich dann von Lewis doch eine Broschüre in die Hand drücken - und ihn über sein Lieblingsthema referieren: die drohende Gefahr von Steuererhöhungen.

Haustür-Wahlkampf hat im US-Wahlkampf Tradition. Aber dieses Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles anders. Die Demokraten verzichteten landesweit monatelang völlig darauf. Der Republikaner Lewis legte los, als im Juli die Lockdown-Regeln gelockert wurden.

Wahlkampfbesuch an der Haustür | Bildquelle: ARD
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Von Tür zu Tür: Kandidat Lewis zieht seit Monaten durch die Wohnviertel in seinem Wahlkreis.

Der direkte Kontakt: unverzichtbar

Für ihn als Neuling, der den alteingesessenen demokratischen Amtsinhaber verdrängen will, ist der direkte Kontakt unverzichtbar, erklärt der Software-Experte und Waffenhändler bei einer Pause in einer Tankstelle: "Du musst raus und Dich den Leuten vorstellen."

 Das macht er nun fast jeden Tag. Maske trägt er nicht - weil die Leute ihn dann ja nicht wirklich sehen können. "Aber ich halte Abstand. Und wenn jemand mir unbedingt die Hand schütteln will, dann gehe ich zurück zum Auto und benutze ein Desinfektionsmittel."

Auch der amtierende US-Präsident Donald Trump ließ sich kürzlich in Maine sehen: Er besuchte die "Treworgy Family Orchards" in Levant. | Bildquelle: AP
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Auch der amtierende US-Präsident Donald Trump ließ sich kürzlich in Maine sehen: Er besuchte am 25.10.2020 die "Treworgy Family Orchards" in Levant.

Kampf um den Einzug in den Senat

An 2000 Haustüren hat Kandidat Lewis schon geklopft. Er ist dabei ganz allein unterwegs. Die republikanische Partei hat zwar in den gesamten USA ein Heer von über zwei Millionen Haustürwahlkämpfern im Einsatz, aber die konzentrieren sich vor allem auf das Rennen ums Weiße Haus. Für Lewis ist Donald Trump im Wahlkampf wenig hilfreich.

"Mein Problem ist mit den Unabhängigen, die sich noch nicht festgelegt haben", erzählt er. "Denen muss ich genau erklären, was ich von Trump halte. Und ich finde sein Verhalten in der Öffentlichkeit nicht richtig. Seine Kommentare. Da hat er viel falsch gemacht."

Noch hitziger als der Präsidentschaftswahlkampf ist in Maine der Kampf um den Senat. Die Demokraten hoffen, dass ihre Kandidatin Sara Gideon die langjährige Senatorin Susan Collins schlagen kann. Wahlziel ist, die republikanische Mehrheit im Senat zu kippen.

Die Demokratin Sara Gideon bei der Abgabe ihrer Briefwahl-Unterlagen. | Bildquelle: dpa
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Die Demokratin Sara Gideon bei der Abgabe ihrer Briefwahl-Unterlagen.

Susan Collins trifft in Kittery im Bundesstaat Maine auf Unterstützer. | Bildquelle: CJ GUNTHER/EPA-EFE/Shutterstock
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Susan Collins trifft in Kittery im Bundesstaat Maine auf Unterstützer.

Demokraten geben Millionen US-Dollar aus

Wenn es nur nach dem Geld geht, haben die Demokraten längst gewonnen. Gideon bekam über 67 Millionen Dollar aus dem ganzen Land, anderthalb Mal so viel wie ihre Herausforderin. Insgesamt haben die beiden Lager über 140 Millionen Dollar in den Wahlkampf investiert, und zwar vor allem in TV-Werbung - einsamer Rekord für Maine.

Den persönlichen Kontakt ersetzt das nicht. Und deshalb sind jetzt, im Endspurt, auch die Demokraten unterwegs. Deb Smith aus Bowdoinham beispielsweise. Seit Anfang Oktober zieht die kleine Frau mit dem Biden-Sticker auf der Brust auch an den Wochenenden wieder von Tür zu Tür. 300 hat sie schon geschafft.

Ist eine Wechselstimmung spürbar?

Deb ist sich sicher: Es herrsche Wechselstimmung in ihrem 3000-Seelen-Ort, in dem vor vier Jahren noch Trump gewann - vor allem bei den Unabhängigen. Die Rentnerin will auch die nächsten Tage noch an möglichst viele Türen klopfen.

Genau wie Kandidat Lewis - obwohl weit über die Hälfte der Mainer längst per Briefwahl abgestimmt haben. An diesem Tag geht es dem Republikaner gleich dreimal hintereinander so, wie mit dem 78-jährigen Terry: "Ich habe Dich schon längst gewählt", sagt er.

Maine: Haustürwahlkampf in Zeiten von Corona
Julia Kastein, ARD Washington, zzt. Bowdoinham
28.10.2020 14:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Oktober 2020 um 12:20 Uhr.

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