In Miami haben sich Anhänger von Joe Biden zu einem Autokorso unter dem Motto "Fuera Trump" verabredet (Foto vom 18.10.2020). | Bildquelle: CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH/EP

US-Wahl Womit Trump und Biden Latinos umwerben

Stand: 27.10.2020 11:41 Uhr

Latinos sind die größte US-Minderheit mit 32 Millionen Wahlberechtigten. Republikaner wie Demokraten buhlen um ihre Stimmen - zum Teil mit gegensätzlichen Parteiprogrammen.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

"Wir sehen vielleicht nicht gleich aus und klingen unterschiedlich", heißt es in einem Wahlwerbespot der US-Demokraten. "Aber in unseren Herzen steckt die gleiche Kraft." Es ist ein Ausschnitt aus einem von mehreren Spots, die Präsidentschaftskandidat Joe Biden speziell für Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln ausstrahlen lässt. 60 Millionen Latinos leben inzwischen in den USA, sie sind die größte Minderheit - und in diesem Präsidentschaftswahlkampf stärker umworben als sonst.

Auch die "Latinos for Trump" rühren die Werbetrommel. Das war nicht immer so, erklärt der Historiker Geraldo Cadava. Lange Zeit hätten beide Parteien die Stimmen der Latinos für selbstverständlich hingenommen: "Reagan hatte diesen berühmten Spruch: 'Latinos sind Republikaner, sie wissen es nur noch nicht'. Und auch die Demokraten hatten das Gefühl, die Gruppe müsse automatisch für sie stimmen. Aber es ist herablassend, diese Wähler für selbstverständlich zu erachten."

Patriotismus, Religion, Anti-Kommunismus - das kommt an

Gut ein Drittel der Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln stimmt eher für die Republikaner. Diese Zahl ist seit der Wiederwahl von Richard Nixon 1972 relativ stabil. Im Wahlkampf konzentrierte sich Trump auf die Themen Recht und Ordnung und nutzte jede Gelegenheit, seinen Herausforderer Biden als Sozialisten darzustellen, der die Regime in Kuba oder Venezuela unterstütze - Länder, aus denen diese Wählergruppe einst stammte.

Latinos, so unterschiedlich diese Gruppe auch ist, fühlen sich aus verschiedenen Gründen bei den Republikanern gut aufgehoben, erzählt Cadava: Themen wie Religionsfreiheit und Patriotismus kämen bei ihnen gut an. "Viele dienen im Militär oder arbeiten beim Grenzschutz oder bei der Polizei", sagt er. "Anti-Kommunismus in Lateinamerika, freie Schulwahl - das sind Themen, die die Republikanische Partei für Latinos interessant machen."

Eine Frau mit Cowboyhut hält ein "Latinos for Trump"-Schild in die Höhe. | Bildquelle: AFP
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Eine Frau mit Cowboyhut hält ein "Latinos for Trump"-Schild in die Höhe.

Die meisten Latinos stimmten bisher für die Demokraten

Auch wenn rund ein Drittel dieser Gruppe konservativ wählt - die Mehrheit der Latinos stimmt verlässlich für die Demokraten. Hillary Clinton holte vor vier Jahren 66 Prozent dieser Stimmen.

Cristina Tzintzún Ramirez hat eine mexikanische Mutter und einen amerikanischen Vater. Vor ein paar Jahren gründete sie die Organisation JOLT Action, die gezielt auf die Latino-Wählerschaft zugeht. In Zeiten der Corona-Pandemie ist das schwieriger als ursprünglich gedacht, erzählt sie: "Wir lernen gerade alle, wie man am besten in einer Pandemie Wahlkampf macht. Viele Mittel sind verlegt worden, um Wähler via SMS oder digital zu erreichen. Wir von JOLT werden trotzdem noch an 80.000 Türen klopfen, um sicherzugehen, dass wir mit denen sprechen, die sonst ignoriert werden."

Krankenversicherung, Mindestlohn, Einwanderung - das sind die wichtigsten Themen dieser Wählerschaft. Und: Neben schwarzen Amerikanern kämpfen Latinos mit am stärksten mit den Folgen der Pandemie und der davon ausgelösten Wirtschaftskrise. 

Latinos machen 32 Millionen Wahlberechtigte aus

Ramirez ist optimistisch. Sie glaubt, die Demokratische Partei leiste bessere Zukunftsarbeit für diese sehr diverse Wählergruppe: "Die Kandidaten sind unterschiedlicher geworden, die Positionen mutiger als in der Vergangenheit. Darum muss man sich kümmern, das muss gepflegt werden, aber es geht in die richtige Richtung."

Laut dem Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center sind in diesem Jahr 32 Millionen Latinos zur Wahl berechtigt. Sie sind damit nach den Weißen die größte Gruppe registrierter Wähler - und sie machen Gebrauch von ihrem Wahlrecht: Nach aktuellem Stand hat sich ihre Teilnahme an der frühen Stimmabgabe im Wahllokal und bei der Briefwahl verglichen mit 2016 vervierfacht.

Die übersehene Minderheit - Trump und die Latinos
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
27.10.2020 13:19 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. September 2020 um 22:15 Uhr.

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