Der ehemalige US-Präsident Barack Obama | Bildquelle: dpa

US-Wahlkampf Obama ruft zu Abwahl Trumps auf

Stand: 22.10.2020 07:45 Uhr

Die Corona-Pandemie wäre für jeden Präsidenten schwierig gewesen, räumt Ex-US-Präsident Obama ein. Doch das "Ausmaß der Inkompetenz" Trumps habe viele Menschen unnötig sterben lassen. Er sei überzeugt, Biden könne es besser machen.

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat seinem Nachfolger Donald Trump Versagen bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie vorgeworfen und zu dessen Abwahl aufgerufen.

Der Umgang mit einer solchen Pandemie wäre für jeden Präsidenten schwierig gewesen, sagte Obama bei seinem ersten persönlichen Wahlkampfauftritt für den demokratischen Spitzenkandidaten Joe Biden in Philadelphia bei einer Diskussionsrunde. Doch müsse man sich das "Ausmaß der Inkompetenz und Fehlinformationen und die Zahl der Menschen" vergegenwärtigen, "die nicht gestorben wären, wenn wir einfach nur das Grundlegende getan hätten", fügte er hinzu.

Obama: "Twittern oder Sachen erfinden löst keine Probleme"

Der Vergleich mit anderen Ländern wie Südkorea oder Kanada zeige, dass die Zahl der Corona-Toten deutlich geringer hätte ausfallen können. Trump habe "kein Interesse gezeigt", den Menschen in Amerika zu helfen und das Präsidentenamt nur als "Reality Show" genutzt, kritisierte Obama. Der Republikaner sei nicht fähig, "den Job ernst zu nehmen", so der Ex-US-Präsident. "Und der Rest von uns muss mit den Konsequenzen leben."

Obama warf Trump massives Versagen vor. "Wenn er die ganze Zeit seinen Job gemacht hätte, dann wäre es nie so schlimm geworden." Die Idee, dass dieses Weiße Haus irgendetwas anderes getan habe, als es komplett zu vermasseln, das stimme einfach nicht, sagte Obama. "Am Fernseher twittern oder Sachen erfinden löst keine Probleme", so der ehemalige US-Präsident weiter.

Obama bislang zurückhaltend mit Kritik

Er sei zuversichtlich, dass Biden die Lage in den Griff bekommen werde. "Das heißt nicht, dass alles schon morgen gelöst sein wird. Wir werden immer noch zu kämpfen haben, aber ich weiß, dass wir es besser machen können", sagte er.

Obama hatte sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt - wie üblich bei ehemaligen US-Präsidenten - mit öffentlicher Kritik an seinem Nachfolger zurückgehalten. Erst seit Mai, als der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam und Menschen im ganzen Land gegen Rassismus und Polizeigewalt protestierten, hat sich Obama wieder vermehrt zu Wort gemeldet.

Der Ton wird schärfer

Seine beißende Kritik an Trump in Philadelphia - pünktlich zum Endspurt des Wahlkampfes - stellt aber eine deutliche Verschärfung seiner Tonlage dar. Daten der Universität Johns Hopkins zufolge gibt es in den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, bislang gut 8,3 Millionen bestätigte Coronavirus-Infektionen. Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt wieder auf gut 50.000 pro Tag an.

Mehr als 221.000 Menschen starben bislang - mehr als in jedem anderen Land der Welt. In den USA starben diesen Daten zufolge pro 100.000 Einwohner bislang 68 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. In anderen Ländern ergab sich eine deutlich geringere Sterblichkeitsrate. In Kanada starben pro 100.000 Einwohnern 27 Menschen, in Deutschland zwölf und in Südkorea nur einer.

Obama: "Wir befinden uns in einem tiefen Loch"

Trump behauptet, durch sein Management der Pandemie inklusive der Einreisesperren für Menschen aus China und Europa womöglich Millionen weitere Todesfälle verhindert zu haben. Biden wirft ihm dagegen Versagen in der Corona-Krise vor und beschuldigt Trump, für den Tod Zehntausender US-Bürger verantwortlich zu sein.

Obama warb mit Nachdruck dafür, Trump abzuwählen. Falls dieser die Wahl erneut gewinnen sollte, würde das Land in den nächsten vier Jahren so weit zurückgeworfen, dass es "wirklich schwierig" würde, "sich aus diesem Loch wieder zu befreien", sagte Obama. "Wir befinden uns in einem tiefen Loch." Obama appellierte an die Wähler: "Ich bitte euch, an Joes Fähigkeit und Kamalas Fähigkeit zu glauben, das Land aus diesen dunklen Zeiten zu führen und uns zu helfen, es besser wieder aufzubauen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Oktober 2020 um 02:00 Uhr in den Nachrichten.

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