Überschwemmungen auf dem Markusplatz in Venedig | Bildquelle: AFP

Hochwasser in Venedig Milliarden für "Mose" und doch kein Schutz

Stand: 14.11.2019 21:03 Uhr

Fünf Milliarden Euro hat die italienische Regierung bereits in den Hochwasserschutz Venedigs investiert. Doch das Projekt mit dem Namen "Mose" sorgt bislang nur für Streit.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Einen Tag nach dem katastrophalen Hochwasser in Venedig wird heftig darüber gestritten, wie die Lagunenstadt besser geschützt werden kann. Im Mittelpunkt steht das "Mose"-Projekt. An drei Hafenzugängen sind die Barrieren im Meeresboden verankert. Je nach Bedarf können sie ausgefahren werden, um Hochwasser abzuhalten.

Bereits vor 15 Jahren wurden die Arbeiten begonnen, die bereits mehr als fünf Milliarden Euro verschlangen. An sich sollte der Flutschutz schon 2014 fertig sein, aber er funktioniert noch nicht.

Verärgert äußert sich der Regionalpräsident von Venetien, Luca Zaia. Er habe nicht richtig verstanden, warum die Barrieren noch nicht in Betrieb sind: "Es ist mir ein Anliegen, dass Sie der ganzen Welt sagen, dass 'Mose' nicht unsere Baustelle ist, sondern eine Baustelle des Staates. Wenn 'Mose' endlich seine Arbeit aufnimmt, werden wir sehen, ob es funktioniert oder nicht."

Rom sagt Unterstützung zu

Schleppenende Bürokratie, Korruption und einige andere Skandale sind der Grund dafür, dass es mit dem Bau nicht voran ging. Die Regierung in Rom beeilte sich, ihre ganze Unterstützung für das Projekt zuzusagen. Am Abend war Ministerpräsident Giuseppe Conte nach Venedig gekommen, hatte sich selbst ein Bild von den verheerenden Schäden der zerstörerischen Fluten gemacht. Seinen Worten nach fehlen nur noch die letzten 400 Millionen, bald würde der Schutz funktionieren.

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Hochwasser in Venedig

Hochwasser Venedig

Ein verheerendes Hochwasser hat Venedig heimgesucht. Gepeitscht von starkem Wind und nach Dauerregen stieg das Wasser so hoch wie zuletzt vor 53 Jahren. | Bildquelle: AFP

Hoteliers beklagen schwere Schäden

Schon seit Jahren wird um das Projekt gestritten. Die Skepsis ist groß. Während die einen in den Barrieren einen wirklichen Schutz für die Lagunenstadt sehen, glauben die anderen, dass es das Problem verschärfen würde.

Unterdessen beschloss die Regierung den Notstand für Venedig. Damit werden 20 Millionen Euro an Soforthilfen freigegeben. Conte sagte, dass Privatleute mit Soforthilfen von 5000 und Geschäftsleute von 20.000 Euro rechnen könnten. Gerade die Hoteliers beklagen schwere Schäden. Viele Urlauber hätten ihre Reisen storniert.

Für den 26. November kündigte Conte ein groß angelegtes Komitee für die Lösung der Infrastruktur an. "Das sagen wir allen Bürgern. Dieses von mir eingesetzte Gremium wird Regeln schaffen, um die Infrastrukturprobleme Venedigs zu bewältigen." Das Problem der großen Schiffe werde angegangen, das Problem des Mose-Projektes, das Problem einer stärkeren Koordinierung zwischen den zuständigen Behörden, so Conte.

Salzwasser - ein großes Problem fürs Mauerwerk

In Venedig herrscht derweil weiter Anspannung. Schulen und Kindergärten blieben am Donnerstag geschlossen, der Schiffsverkehr erheblich eingeschränkt. Die Oper "La Fenice" sagte Aufführungen ab, die Kunst-Biennale allerdings machte wieder auf. Vielerorts war man mit der Begutachtung der Schäden befasst. Im Markusdom konnten die Verantwortlichen viele Kunstwerke in Sicherheit bringen, aber die Krypta war vollkommen unter Wasser gestanden, erzählt Mario Pana: "Wir trocknen alles und leeren die Krypta. Es gibt immer noch Wasser, aber die Pumpen laufen. Wir waschen jetzt ein bisschen alles."

Doch die Gefahr für die Bauwerke sei nicht gebannt, so Pana. Das Wasser verschwinde zwar, das eigentliche Problem sei aber, dass es Salzwasser ist. "Das benetzt die Wände, dann verdunstet das Wasser langsam, aber das Salz bleibt."

Unterdessen hat der italienische Zivilschutz vor neuen Unwettern mit starkem Regen für die Region Venetien gewarnt. Allerdings soll der Wasserstand nicht so hoch sein wie zuletzt.

Nach dem Hochwasser in Venedig - Streit um Flutschutzprojekt Mose
Elisabeth Pongratz, ARD Rom
14.11.2019 18:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2019 um 18:36 Uhr.

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