Der selbst ernannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó auf einer Kundgebung in Caracas | Bildquelle: Miguel Gutierrez/EPA-EFE/REX

Machtkampf in Venezuela Mit gestaffelten Streiks gegen Maduro

Stand: 01.05.2019 21:20 Uhr

Weil Venezuelas Staatschef Maduro nicht weichen will, setzt sein Widersacher Guaidó auf gestaffelte Streiks: Er rief seine Landsleute auf, das Land lahmzulegen, bis Maduro seinen Posten räumt.

Im venezolanischen Machtkampf will der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro mit einer Serie von Streiks aus dem Amt jagen. "Ab morgen beginnen wir mit gestaffelten Streiks bis hin zu einem Generalstreik", sagte der Oppositionsführer bei einer Kundgebung in Caracas. "Das Ende der unrechtmäßigen Machtübernahme ist nah."

Guaidó rief seine Anhänger dazu auf, durchzuhalten und bei den Protesten gegen die Regierung nicht nachzulassen. "Wenn das Regime glaubt, wir hätten bereits den maximalen Druck erreicht, dann täuscht es sich", sagte er. "Unsere Opfer waren nicht umsonst. Wir erobern uns Räume zurück und bleiben auf der Straße, bis wir die Freiheit für Venezuela erlangt haben."

"Freiheit, Freiheit"

Zahlreiche Menschen gingen in der Hauptstadt Caracas und anderen Städten des südamerikanischen Landes auf die Straße, um gegen Maduro zu protestieren und Neuwahlen zu fordern. Sie skandierten Parolen wie "Freiheit, Freiheit" und schwenkten venezolanische Flaggen.

An einigen Stellen stoppten Sicherheitskräfte die Protestzüge und setzen Tränengas ein. "Verliert nicht die Hoffnung", sagte die oppositionelle Abgeordnete Mariela Magallanes. "Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr umkehren."

Auch zahlreiche Regierungsanhänger gingen am Tag der Arbeit auf die Straße. "Das Volk verteidigt die Revolution", sagte der stellvertretende Vorsitzende der sozialistischen Partei, Diosdado Cabello.

Umsturz mithilfe der Armee gescheitert

Am Dienstag war Guaidó mit seinem Versuch, die Streitkräfte des Landes auf seine Seite zu ziehen und Maduro mit einer Blitzaktion aus dem Amt zu fegen, vorerst gescheitert. Zwar schlossen sich einige Soldaten der Opposition an und befreiten den seit Jahren inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest. Die Militärführung allerdings versicherte Maduro erneut die Treue.

Die Krise führt auch zu neuen Spannungen zwischen Washington und Moskau. US-Außenminister Mike Pompeo und sein russischer Kollege Sergej Lawrow tauschten in einem Telefonat gegenseitige Vorwürfe aus. Sie beschuldigten die jeweils andere Regierung, sich in unzulässiger Weise in Venezuela einzumischen, wie aus Angaben der Außenministerien beider Länder hervorging.

Pompeo warf der russischen Regierung vor, das südamerikanische Land zu "destabilisieren". Lawrow wiederum beschuldigte die US-Regierung einer "zerstörerischen Einflussnahme" in Venezuela und des Bruchs von internationalem Recht. Moskau unterstützt im venezolanischen Machtkampf den linksgerichteten Staatschef Maduro, während Washington auf der Seite des Oppositionsführers Guaidó steht.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. Mai 2019 um 22:15 Uhr.

Darstellung: